Katastrophe in Japan Reißt die Lieferkette ab?

Die Katastrophe in Japan wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Auswirkungen auf die globale Versorgung mit elektronischen Komponenten haben. Im Moment herrscht aber vor allem Unsicherheit.

Thomas Gerhardt, Managing Director von Glyn, bringt es auf den Punkt: »Für zuverlässige Aussagen ist es jetzt am Montag Morgen noch viel zu früh. Ob und welche Auswirkungen es auf die Lieferkette insgesamt geben wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Kundenseitig wird der reale Bedarf nicht sprungartig steigen, sondern vermutlich nur die Angst. Meine Empfehlung ist daher: Keine Panik! Ruhe bewahren und zunächst stichhaltige Informationen abwarten.«

Doch zunächst zu den Informationen, die bisher zugänglich waren: Allein Sony hat unmittelbar nach dem Beben sechs Fabriken geschlossen, darunter das Werk in Koriyama (Präfektur Fukushima), in dem Lithium-Ionen-Batterien gefertigt werden. Wann die Fabriken ihre Produktion wieder aufnehmen können, bleibt ungewiss.  

Renesas hat die Fertigung in sieben von insgesamt 22 Werken unterbrochen. Renesas Yamagata Semiconductor in Tsuruoka wird derzeit wieder hochgefahren. Den Status der übrigen Fabs überprüft Renesas noch.

Rohm meldete, dass keine Mitarbeiter zu Schaden gekommen und in der Miyagi-Fabrik von OKI Semiconductor keine größeren Schäden entstanden seien. Dennoch musste die Fertigung in der Miyagi-Fabrik und in der Tsukuba-Fabrik von Rohm am 13. März um 11.00 Uhr morgens wegen Versorgungsproblemen gestoppt werden.

Die japanische Zeitung Mainichi Shinbun berichtete auf ihrer Website, dass nicht nur Sony seine sechs Fabriken geschlossen hat, sondern auch Toshiba, und zwar eine Fab in der Präfektur Iwate. Auch Sharp und Panasonic sollen Fabriken geschlossen haben.

Fujitsu und Mitsubishi haben ebenfalls Produktionen gestoppt, es sei mit Fertigungsausfällen zu rechnen. Fujitsu selbst erklärt, dass es im ersten Schritt erst einmal um die Sicherheit der Mitarbeiter ginge und eine genaue Evaluierung der Auswirkungen auf die Fertigungsstätten erst begonnen habe.

Drei Fabriken von Fujitsu im Nordosten von Japan (Iwate, Aizu-Wakamatsu und Miyagi) sind direkt von den Auswirkungen des ersten Erdbebens betroffen, allerdings nicht von dem nachfolgenden Tsunami. Sie liegen glücklicherweise auch nicht in der Nähe von Kernkraftwerken. In diesen Fabriken wurde allerdings die Fertigung infolge des Erdbebens gestoppt. Hinzu kommt, dass in dieser Region die Stromversorgung zusammengebrochen ist und auch die Transport-Infrastruktur betroffen war, so dass dies auch Probleme für die Logistik von Fujitsu mit sich bringt. Spekulationen über die Supply-Chain anzustellen, sei laut Fujitsu aber zu früh. Sowohl in Japan als auch in Europa wurde jetzt erst einmal ein Krisenmanagement installiert.

Vom Erdbeben nicht betroffen sind Fujitsus Fabriken in Mie and Kyushu; dort läuft die Fertigung weiter. Die anderen Fabriken nahe Tokio, einschließlich dem Hauptsitz in Shin-Yokohama, dem Technologie-Zentrum in Akiruno und dem Warehouse in Machida, meldeten nur geringfügige Schäden, was auch heißt, dass hier gearbeitet wird.