TSMC Platzhirsch bleibt Platzhirsch

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Foundries; trotzdem hält TSMC weiterhin einen Marktanteil von über 50 Prozent. Keiner der Konkurrenten scheint dem Unternehmen ernsthaft Schwierigkeiten bereiten zu können.

Und das, obwohl es schon vor Jahren seitens der Halbleiterhersteller geheißen hat, dass es wichtig ist, eine Alternativen zu TSMC zu haben.

Könnte sein, dass hier mit nicht ganz fairen Mitteln gearbeitet wird. Zumindest ist TSMC im September dieses Jahres ins Visier der Kartellbehörden geraten. Damals war beim Nachrichtendienst mlex zu lesen, dass die Kartellbehörden in den USA und in Europa überprüfen, ob das Unternehmen seine Marktmacht missbraucht hat, um Konkurrenten aus dem Halbleitermarkt illegal auszuschließen.

Was bei diesen Untersuchungen rauskommt, muss abgewartet werden. Fragt man die Halbleiterhersteller, woran es liegt, dass TSMC immer noch unangefochten an erster Stelle steht, gehen die Begründungen jedenfalls nicht in Richtung „Ausnutzung der Marktposition“, sondern es habe ganz andere Gründe. Uwe Bröckelmann, Technical Director EMEA bei Analog Devices, beispielsweise betont, dass ADI eine sehr enge Beziehung mit den ausgewählten Foundries eingeht; es werden z.B. Design-Tools, Qualifikations- und Testmethoden abgestimmt. Klar, dass man da nicht so schnell wechselt. Hinzu kommt noch, dass es Halbleiterprozesse gibt, die beide Unternehmen gemeinsam entwickelt haben und die dann ADI exklusiv zur Verfügung stehen oder auch als generischer Prozess für alle offen sind. Bröckelmann: »Die Herstellung eines Halbleiters ist nicht trivial und man kann dies nicht mit dem Biegen eines Blechteils vergleichen, wo die eine mit der anderen Fertigungsstätte einfach austauschbar ist. Ein Wechsel der Foundry will daher wohl überlegt sein und wird eher für komplette Neuentwicklungen in Betracht gezogen werden.«

Auch Stephan Reitemeyer, Senior Director der Automotive Solution Business Unit von Renesas Electronics Europe, sieht keinen Machtmissbrauch. Er glaubt vielmehr, dass es einfach immer schwer ist, einem etablierten Player mit einer so großen Marktposition den Rang abzulaufen. »TSMC hat sicherlich den Vorteil, schon lange im Markt zu agieren, und ist bei der Entwicklung neuer Prozesse immer an vorderster Front«, so Reitemeyer weiter. Das heißt aber nicht, dass das immer so bleiben wird, denn Renesas geht durchaus davon aus, dass es Bewegung auf dem Markt gibt und Platz für zusätzliche Player entsteht. Reitemeyer: »Fast alle Halbleiterhersteller fertigen heute die Volumenprodukte nicht mehr selber. Aufgrund der veränderten Anforderungen an die Halbleiter, z.B. durch neue Fahrzeugarchitekturen und Applikationen, wird der Bedarf für hochintegrierte Mikrocontroller/SoCs auch in Zukunft wachsen. Dies bewirkt eine Wettbewerbssituation, in der auch andere Player Fuß fassen können.«

Auch Infineon ist voll des Lobes; die beiden Unternehmen arbeiten seit gut 20 Jahren zusammen. Zu Anfang bei Industrieanwendungen und Breitbandkommunikation, dann auch bei einer 65-nm-Low-Power-Prozesstechnologie für Chips, die in mobilen Geräten zum Einsatz kommen. Seit Ende 2009 unterhalten beide Unternehmen eine enge Entwicklungszusammenarbeit und Produktionspartnerschaft beim Thema 65-nm-eFlash-Technologie für Automobil-, Chipkarten- und Sicherheitsanwendungen. Wenn man als Halbleiterhersteller Foundries nutzt, schätzt man es sehr, wenn der Foundry-Partner stark in Leading-Edge-Technologien ist. Die Roadmap des Foundry-Partners sollte klar umrissen sein und in die Zukunft ausgerichtet. Als Kunde will man sich auf die Einhaltung der vereinbarten Projektabsprachen verlassen können. Wichtig ist auch der Schutz der Kunden-IP und ein hohes Serviceverständnis seitens des Foundry-Partners. Und aus Infineon-Sicht überzeugt TSMC in all diesen Punkten.

Norbert Siedhoff, Managing Director bei Microchip Technology, sieht in der Marktposition von TSMC ebenfalls kein Problem. TSMC sei zwar auch für Microchip die größte Foundry, aber das Unternehmen versuche sowieso, den Großteil der Wafer, sprich über 50 Prozent, im eigenen Haus zu fertigen. Wobei die vielen Akquisitionen, die Microchip getätigt hat, das Verhältnis zwischen Inhouse- und Foundry-Fertigung zugunsten der ausgelagerten Fertigung verschoben hat, von früher 70 auf jetzt unter 50 Prozent. Das gilt auch für Assembly und Test. Im Assembly-Bereich will Microchip 70 bis 80 Prozent intern machen, bei Test sogar annähernd 100 Prozent. Aber auch hier machen sich die Akquisitionen bemerkbar, wobei die Assembly- und Testaktivitäten relativ gut in die eigenen Fabriken transferiert werden können; bei der Wafer-Fertigung funktioniert das nicht. Siedhoff: »Atmel hatte beispielsweise 100 Prozent des Assembly ausgelagert und auch ein hoher Prozentsatz seiner Wafer-Fertigung fand bei Foundries statt. Damit hat sich unser Inhouse-Anteil natürlich reduziert.« Die Übernahmen haben aber auch neue Foundries zu Microchip-Partnern gemacht. Und bei allen hat Microchip dank seiner Größe laut Siedhoff ein gutes Standing, sodass das Unternehmen mit dieser Situation auch sehr zufrieden ist.