Kommentar Planungssicherheit ist ein Muss, keine Option

Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik
Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik

Zwar schmückt sich die Politik gerne mit dem Etikett des High-Tech-Standortes Deutschland, doch wenn es darum geht, einzelnen Bereichen dieser deutschen Wirtschaft Planungssicherheit zu vermitteln, dann wird es ganz schnell eng.

So hat bereits die deutsche Halbleiterbranche vor Jahren erfahren, dass sie aus wirtschaftspolitischer Sicht nicht systemrelevant ist. Als es darauf ankam, konnte man die Unterstützer der deutschen Halbleiterbranche im Politikbetrieb an einer Hand abzählen.

Was Planungssicherheit in negativer Form für Unternehmen bedeuten kann, musste die deutsche Photovoltaikbranche Anfang des Jahres erfahren. Koalitionspartner, die politisch auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit sind, neigen zu gefährlichen Profiliierungsversuchen.

Bei allen Unausgereifheiten und Paradoxien des EEG, es war schließlich der erste ernstzunehmende Gesetzesentwurf dieser Art weltweit, es gab denen, die sich in diesem Bereich engagierten Planungssicherheit. Das diese dann in den letzten Jahren von Jahreswechsel zu Jahreswechsel neu definiert wurde, ist im günstigsten Fall wohl unter Realpolitik zu verbuchen. Während nun also die Zahl der Insolvenzen im PV-Bereich wächst, versuchen einige Unternehmen, eine Sanierung im Schutzschirmverfahren in Eigenverantwortung voranzutreiben, um auf diese Weise ihr Businesskonzept an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Wohl nur mit »politischer Logik« lässt sich erklären, dass parallel dazu der Bundesumweltminister auf einmal über Strafzölle auf PV-Module aus China nachdenkt.

Gleichzeitig wird das nächste wirtschaftspolitische Großprojekt in Frage gestellt. Es sei zweifelhaft, ob die angestrebten Ziele der Energiewende erreichbar seien, geben zwei Minister der Bundesregierung zu Beginn des Sommerlochs zum Besten. Zutreffen dürfte in diesem Zusammenhang wohl vor allem die Vermutung des Bundesumweltministers, dass es wohl kaum gelingen wird, den Stromverbrauch in Deutschland bis 2020 um 10 Prozent zu reduzieren. Auch hier gilt, Planungssicherheit für mittelfristige Entscheidungen in der Wirtschaft sieht anders aus. Werden die technischen Komponenten und Lösungen, vom möglichst energieeffizienten Bauteil bis hin zu Subsystemen wie Smart Grids nun eigentlich noch benötigt, und wenn ja wann? Und wenn wir schon dabei sind, wie sieht dann der neue Zeitplan für die inzwischen landesweit angelaufenen Projekte zur stationären Zwischenspeicherung von PV-Strom und Windenergie aus?

Während öffentlichkeitswirksam über steigende Strompreise  aufgrund der EEG-Umlage diskutiert wird und in diesem Zusammenhang Hartz-4-Empfänger letztlich als Opfer des Einspeisevorrangs Erneuerbarer Energien dargestellt werden, bleibt nur zu hoffen, dass die Notwendigkeit einer möglichst Ressourcen schonenden und eines so effizienten, wie irgend möglichen Umgangs mit Energie inzwischen endgültig sowohl in der Industrie, als auch bei den Verbrauchern angekommen ist.
 
Nur so dürften Entscheidungen wie die Energiewende letztlich unumkehrbar werden. Energie, so die Forderung muss bezahlbar bleiben. Doch niemand wird sich dagegen wehren, wenn Energiekosten durch einen möglichst effizienten Umgang mit Energie gesenkt werden können. Eines der aktuellsten Beispiele dafür dürfte der Zukunftstrend Cloudcomputing sein. Mit der steigenden Zahl an Smartphones, Tablets und Ultrabooks, die alle das Dreierpackage Sprache, Internet und Video verbinden, steigt der Bedarf an Rechenpower in den Datencentern massiv.

Technische Neuerungen, wie etwa der Übergang von der Intermediate-Bus-Architektur bei der Wandlung der Eingangsspannung auf die Versorgungsspannung der Prozessoren, zu einer direkten Wandlung auf den Boards von 48 V auf 1 V, sparen den Betreibern der Datencenter jährlich Millionen Dollar.

Angesichts der wachsenden technischen Komplexität unseres Lebensumfeldes, führt letztlich kein Weg »Green Electronics« als Teil einer umfassenden Energiewende vorbei. Die Frage ist nur, erfolgt dieser Übergang abrupt, oder langfristig geplant. Genau an diesem Punkt wäre der Gestaltungsanspruch der Politik gefordert und Planungssicherheit für alle Beteiligten ein muss!


Ihr Engelbert Hopf