Interview mit Linear Technologys CEO Lothar Maier Ökonomische Turbulenzen sind Herausforderung aber auch Chance

Lothar Maier, Linear Technology Corporation: »Starke Schwankungen in der Ökonomie betreffen alle Firmen, aber Linear hat den Laden fest im Griff und hat erfolgreich alle Klippen der Vergangenheit gemeistert.«
Lothar Maier, Linear Technology Corporation: »Starke Schwankungen in der Ökonomie betreffen alle Firmen, aber Linear hat den Laden fest im Griff und hat erfolgreich alle Klippen der Vergangenheit gemeistert.«

Zum Jahreswechsel bekräftigte Lothar Maier, CEO der Linear Technology Corporation, dass das von ihm geführte Halbleiterunternehmen keinen Grund für einen Strategiewechsel sieht. Warum, erklärt im Interview.

Markt&Technik: Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage der Halbleiterindustrie, setzt sie sich 2012 fort?

Lothar Maier: Die derzeitige Geschäftslage ist durch Naturereignisse wie Erdbeben, Tsunamis und Überflutung noch verschlimmert worden. Die größte Herausforderung 2012 wird jedoch die defizitäre Wirtschaft in den USA und in Europa sein, verbunden mit einem Rückgang in Asien. Vor diesem Hintergrund kann man nicht nur von einem Übergangsszenario sprechen.

Linear Technology feierte 2011 sein 30-jähriges Jubiläum. Es war das beste Jahr in der Geschichte der Firma, der Umsatz erreichte 1,5 Mrd. Dollar und wuchs um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit Rekordverkäufen, Rekordwachstum und Rekordgewinnen. Das zeigt, dass es selbst in schwierigen Zeiten einer nach Produkten, Kunden und  End-Markt-Perspektiven gut aufgestellten Firma gut gehen kann.
Starke Schwankungen in der Ökonomie betreffen alle Firmen, aber Linear hat den Laden fest im Griff und hat erfolgreich alle Klippen der Vergangenheit gemeistert. Das traf auch vor 10 Jahren ein, als die Dot-Com Blase platzte und ebenso 2009 während der Finanzkrise und der folgenden Rezession.

Was wird 2012 bringen und wie stellt sich Linear den zunehmend pessimistischen Marktaussichten?

Meine kurze Antwort ist, dass sich unsere grundsätzliche Methode und Strategie sehr wenig ändern wird. Die Entwicklungszeit für neue Produkte beträgt ein oder zwei Jahre und für Consumer-Endprodukte fallen weitere ein oder zwei Jahre an. Das bedeutet einen Zyklus vom Beginn bis zur Verkaufsphase von 2 bis 4 Jahren. Wir bei Linear vermeiden es, am laufenden Band kurzfristige Korrekturen vorzunehmen, die einen negativen Einfluss auf das Langzeitgeschäft haben. Linear ist finanziell gesund und kann weiterhin auch bei Marktschwankungen investieren, in der festen Zuversicht, mit diesem Kurs weiter zu profitieren wenn sich die Märkte erholen. Das hat sich 2009/2010 während der Finanzkrise und der Rezession wieder bewiesen.

Während dieser Zeit haben wir unsere Design- und Fertigungskapazität nicht zurückgefahren und waren so in einer guten Position als der Markt wieder anzog. Diese Strategie war der Schlüssel für unser schnelles Wachstum im Finanzjahr 2010/2011, in dem wir schneller als unsere Mitbewerber gewachsen sind, bei Einbehaltung der kürzesten Durchlaufzeiten der Industrie. Diesem Pfad werden wir auch 2012 folgen.

Welchen Einfluss haben die derzeitigen Turbulenzen am Markt?

Die derzeitigen ökonomischen Turbulenzen stellen eine Herausforderung dar, bieten aber gleichzeitig Möglichkeiten, wobei Innovationen der Katalysator in diesem Umfeld sind. Wir liefern unsere Produkte in einen breiten Bereich von End-Märkten, aber unser derzeitiger Fokus auf die industrielle Kommunikation und das Automobil repräsentiert 80% unseres Umsatzes. Diese End-Märkte treiben derzeit unsere Innovationen und sie werden weiterhin die Wachstumsmärkte sein.

Welches ist Ihr größter Markt und wie entwickelt er sich?

Der größte End-Markt für Linear Technology ist der Industriemarkt, welcher seit einigen Jahren fast unverändert 40 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt.
Dieser Industrie-Markt ist allerdings kein einheitlicher End-Markt, sondern er besteht aus mehr als einem Dutzend Segmenten einschließlich Fabrikautomation, Medizin, Test und Measurement sowie der Grünen Technologie. Der Industriemarkt ist dynamisch, fragt ständig nach besserer Performance, höherer Integration und Effizienz. Mit den grenzenlosen Möglichkeiten für neue Produkte wird er der Markttreiber 2012 und danach sein.

Der zweitwichtigste End-Markt der Firma ist die Kommunikation und die Netzwerkinfrastruktur innerhalb des Kommunikationsmarktes. Wireless und die Netzwerktechnologie spielen eine Schlüsselrolle bei der Umgestaltung von Plattformen, die von Anwendern verwendet werden in den Bereichen Mobilität, Business und Haustechnik. Diese fordern ständige Konnektivität überall und jederzeit. Dieser Markt bleibt ein unbeschriebenes Blatt, begrenzt nur durch  Phantasie und Innovation. Der Hauptschub für den Telekomsektor kommt innerhalb dieser Industrie durch die ständigen Netzwerk- und Produkt-Upgrades und durch Neuerungen bei den Elektronikanbietern.

Sie peilen aber auch den Automobilmarkt an?

Der Automotive-Markt ist auch ein End-Markt, den Linear Technology fest im Visier hat. Dieser Markt ist im letzten Fiskaljahr um 12 Prozent gewachsen und um 16 Prozent im letzten  Septemberquartal mit einem stärkeren Wachstum als das Gesamtwachstum der Firma. Viele der Innovationen und Ausdifferenzierungen in der Automobilindustrie ihren Ursprung in der Automobilelektronik. Aus der Notwendigkeit zu einer erhöhten Sicherheit, einer verbesserten Treibstoffeffizienz und zu einem höheren Komfort ergeben sich wesentliche Möglichkeiten. Die Zunahme bei  Hybrid- und Elektroautos bewirkt die Notwendigkeit nach ständig neuen innovativen Analoghalbleitern. Es würde uns nicht überraschen, sollte in ein paar Jahren der Automobilmarkt mehr als 20 Prozent unseres Umsatzes ausmachen. Zusätzlich zu der Zunahme bei der Automobilelektronik wird auch der Automobilmarkt selbst mit einer Rate von 6 Prozent zwischen 2011 und 2015 ständig wachsen. Dieser End-Markt verlangt nach Innovationen und Performance und stellt dass am stärksten wachsenden Segment im Analogmarkt dar, was die Firma wiederum weiter weg vom bewegten Consumergeschäft bringt.

Wie sieht das Jahr 2012 bezogen auf Linear Technology aus?

Wie es 2012 weiter geht, ist schwer vorher zu sagen, aber die Geschichte wiederholt sich. Mit seiner erfolgreichen Geschäftsstrategie und mit deren ständigen Anwendung kann Linear sicherstellen, schneller zu wachsen als der Gesamtmarkt, wenn das Geschäft wieder anzieht. Mit diesem Ansatz ist es der Firma in den letzten 30 Jahren gut gegangen und das wird auch in der Zukunft so sein.