Handelsstreit China – USA Neue Zölle treffen Autohersteller, China und die Welt

Der Handelsstreit zwischen USA und China verschärft sich.

Die Auswirkungen des Handelsstreits auf die USA, China und die Automobilwelt.

US-Autohersteller beziehen rund 30 Prozent der elektronischen Komponenten von ICs bis zu passiven Bauelementen von chinesischen Herstellern. Wenn die amerikanischen Hersteller nun dafür Steuern bezahlen müssen, verteuert dies die Produkte – auch für amerikanische Kunden. Und falls die Hersteller die Preise nicht oder nur wenig anheben, fällt ihre Marge. Noch stärker fällt das ins Gewicht, wenn ganze Autos in China produziert werden. GM etwa fertigt den SUV Envison (Buick) in China. Das Unternehmen  hat verlauten lassen, den Preis für den Envison in den USA nicht anheben zu wollen – trotz der 8.000 Dollar Mehrkosten pro Fahrzeug. Das werden sich aber nur wenige Firmen leisten können.

Umgekehrt treffen die Zölle, die China jetzt erhebt, auch Hersteller, die in den USA fertigen wie etwa Tesla. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr 14.000 Fahrzeuge in China verkauft, was einem Anteil von 14 Prozent am Umsatz entsprochen hat. Jetzt würden die Autos in China auf einen Schlag um 10.000 Dollar teurer. Das sind sicherlich keine schönen Aussichten für Tesla.

Noch mehr werden die amerikanischen Farmer unter den Zöllen leiden, die China erhebt. Das Einkommen von Farmern, die Sojabohnen anbauen, könnte um 60 Prozent einbrechen. Das würde einen Teil der Kernwählerschaft von Trump treffen. Was selbstverständlich beabsichtigt wäre: China hat die US-Produkte Sojabohnen, Mais und weitere landwirtschaftliche Produkte, auf die jetzt Zölle erhoben werden, so ausgewählt, dass die Kernwählerschaft der Republikaner unter Trump darunter leidet. Im November stehen in den USA Wahlen an, dann wird sich zeigen, welche Effekte die Zölle auf das Wahlverhalten haben werden. In den USA legt die Regierung schon vorsichtshalber ein Hilfsprogramm für Farmer auf.

Die Auswirkungen auf China und die Welt

Die Auswirkungen auf die so eng verflochtene globale Wirtschaft sind im Moment schwer zu überblicken. Wenn das Wachstum in China zurückgeht, würde das die gesamte Weltwirtschaft treffen. Um die Exporte aus China zu beflügeln, käme der Regierung ein fallender Yuan eher gelegen. Das könnte zu interessanten Effekten führen, etwa das der Stahlpreis fällt.

Die chinesische Notenbank rechnet mit einer Verringerung des Wachstums um 0,2 Prozentpunkte. Die Auswirkungen der seit zwei Monaten angekündigten Strafmaßnahmen seien überinterpretiert worden. Tatsächlich machen die Exporte nur 2 Prozent am GDP von China aus.

Die Börsenentwicklung über die vergangenen Monate sieht eindeutig aus. Seit Januar ist der S&P-500-Index (der 500 führenden US-Firmen) um 5 Prozent gefallen. Der entsprechende chinesische Index (CSI 300) allerdings um 20 Prozent. Die Entwicklung lässt sich so interpretieren, dass China mehr unter einem Handelskrieg leiden könnte als die USA, es könnten aber auch interne Faktoren geben, die die Bewertung nach unten gedrückt haben.

Dazu kurz ein Rückblick:  Die USA importieren Waren im Wert von 500 Mrd. aus China. China umgekehrt viel weniger. Präsident Trump redet bereits von Zöllen auf chinesische Einfuhren im Wert 500 Mrd. Dollar. Jetzt haben die USA Zölle auf chinesische Einfuhren verhängt. 1300 Produkte sind betroffen. China sieht sich unfreiwillig in den größten Handelskrieg der Geschichte hineingezogen, klagt deshalb vor der WTO und hat Zölle auf amerikanische Importe in Höher von 34 Mrd. Dollar in Kraft gesetzt.

Global aufgestellte Konzerne werden sich also überlegen ob sie Komponenten in China fertigen, die in US-Werken gebracht werden. Honda Motor wird diese Teile entweder in den USA fertigen oder aus Japan einführen.

Zölle auf Whisky, Jeans und Motorräder hatte die EU bereits schon als Gengenmaßnahme auf amerikanische Stahl- und Aluminiumzölle (in Höhe von 25 und 10 Prozent)erhoben. Einfuhrzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahlprodukte sollen bald dazu kommen. Außerdem sind EU-Zölle auf weitere amerikanische Einfuhren geplant, von 18 Mrd. Dollar ist die Rede. Davon könnten Tomatenketschup, Fisch und Rosinen betroffen sein.

Der Kampf um ZTE

Dass amerikanische  Hersteller wir Qualcomm nicht mehr an ZTE liefern konnten, hat das Unternehmen mit 80.000 Mitarbeitern ins Straucheln gebracht. Auch wenn US-Präsident Trump ZTE jetzt wieder retten will, ist ein enormer Schaden entstanden – nicht nur für ZTE selber. Und noch ist nicht sicher, ob die Rettung überhaupt gelingen kann, weil die Hardliner in den USA genau dies verhindern wollen. Die Streitigkeiten auf dieser Ebene werden also weitergehen, zumal ja auch Huawei im Visier der USA liegt. Dies dürfte aber nur einen matter Abglanz dessen sein, was zu erwarten ist, wenn der Handelskrieg zwischen den USA und China voll aufflammt.

Und auch hier will China den Spieß umdrehen: Besonders US-Unternehmen sollen stärker überwacht werden und die Bürokratie dazu verwendet werden, den Unternehmen das Leben schwerer als bisher zu machen. Das heißt nicht, dass es bisher in China fair zugegangen wäre: Ausländische Unternehmen hatten sich dort schon immer unfair behandelt gefühlt. Jetzt fürchten sie allerdings, dass alles noch schlimmer werden könnte.