Infineon Technologies Neue Anwendungen für die Aurix-Familien

Aurix wandert in immer mehr Automotive-Anwendungen, einschließlich ADAS und automatisiertes Fahren.

Infineon Technologies ist sicherlich nicht der MCU-Anbieter mit dem breitesten Controller-Portfolio. Im Gespräch mit Markt&Technik erklärt Peter Schäfer, Vice President & General Manager Microcontrollers bei Infineon Technologies, dass das dem Erfolg aber überhaupt nicht schadet.

Markt&Technik: Infineon ist mit seinem Tricore im Antriebsstrang gestartet, wie sieht der Status-quo heute aus?

Peter Schäfer: 2012/13 hatten wir das erste Silizium der Aurix-Familie der ersten Generation in der Hand. Damals war es bereits unser Ziel, nicht nur im Powertrain-Bereich erfolgreich zu sein – das waren wir damals ja bereits – sondern mit der Familie auch in die Bereiche Safety und ADAS, also Fahrsicherheit und Fahrerassistenzsysteme, hineinzuwachsen. Dafür hatten wir gute Startbedingungen: Dank des Erfolgs im Antriebsstrang, einem Segment mit sehr harscher Umgebung wie hohen Temperaturen und vielen Vibrationen, hatten wir schon bewiesen, dass unsere Controller sehr zuverlässig und qualitativ hochwertig sind. Dazu kam noch die hohe Echtzeitfähigkeit, die im Engine-Management ebenfalls sehr wichtig ist.

Parallel dazu hatten wir ein Projekt mit einem OEM gestartet, um einen Chassis-Domänen-Controller zu entwickeln, der mittlerweile in Serie gefertigt wird. Bei der Entwicklung bestand ein wichtiger Punkt darin, sehr viele Safety-Funktionen zu implementieren. Der OEM wollte eine hohe Ausfallsicherheit. Und falls doch ein Fehler auftritt, dass ein Modus implementiert ist, den Fehler abzufangen.

Auf Basis dieser zwei Ausgangspunkte entstand Aurix, mit dem wir den Sprung von einem Single-Core-Tricore-Produkt auf eine Multi-Core-Architektur gemacht haben. Wir haben viele Safety-Funktionen implementiert, so dass Aurix eine Architektur geworden ist, die sicher rechnet. Und zwar sowohl in Hinblick auf Security, also Datensicherheit, als auch Safety. Damit sind Systeme möglich, die alle Anforderungen bis ASIL-D unterstützen. Außerdem haben wir ein HSM, sprich Hardware Security Module, eingebaut, um den Anforderungen der OEMs bezüglich Datensicherheit gerecht zu werden. In der zweiten Generation von Aurix haben wir ein HSM implementiert, das die vollständigen EVITA-Spezifikationen abdeckt. In der ersten Generation waren die EVITA-Medium-Standards implementiert.

Wofür steht eigentlich Aurix?

AURIX steht für Automotive Realtime Integrated Architecture. Das heißt, Aurix war von Anfang an darauf ausgerichtet, Controller für verschiedene Domänen zu ermöglichen. Die verschiedenen Controller haben viele Gemeinsamkeiten, wie die Prozessorkerne und auch diverse Peripherals, aber eben auch Unterschiede, beispielsweise bei Beschleunigerarchitekturen, Timern etc. – eben bei allem, was für unterschiedliche Anwendungsgebiete notwendig ist.

Also ist Aurix nicht mehr nur im Antriebsstrang erfolgreich?

Ja, was wir mit Aurix der ersten Generation schon geschafft haben, wird sich mit Aurix der zweiten Generation noch verstärken. Sprich: Beide Aurix-Generationen sind beispielsweise im Chassis-Bereich sehr erfolgreich, also in Anwendungen wie Bremse, Airbag, Lenkung, Federung etc. Darüber hinaus wandern unsere Aurix-Controller der zweiten Generation auch in ADAS-Anwendungen bzw. automatisiertes Fahren.

Wofür werden die Controller dort genutzt?

Ein Beispiel ist die Sensorfusion. Hier gibt es natürlich unterschiedliche Anforderungen je nach Automatisierungsgrad. Aber geht es um Level 2, können die High-End-Controller der zweiten Aurix-Generation die Sensorfusion komplett abdecken. In den nächsten zwei Jahren werden sowohl amerikanische und europäische als auch chinesische, japanische und koreanische Autos auf den Markt kommen, bei denen dies der Fall ist. Wir haben uns in diesem Segment von ADAS eine sehr gute Marktposition erarbeitet.

Der zweite Bereich ist Radar. Wir haben als Subsegment für die zweite Generation Aurix ein Radar-Controller-Portfolio entwickelt, und dieses Portfolio kommt ebenfalls sehr gut im Markt an. Wir schätzen, dass wir in den neuen 77 GHz-Radarsystemen, die in den nächsten zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen, in nahezu jedem zweiten Radargerät zu finden sind.