Rückblick Deutscher Halbleitermarkt More-than-Moore-Technik stärkt Europas Halbleiterbranche

Auch nach der kräftigen Erholung des weltweiten Halbleitermarkts rechnet der ZVEI mindestens für die nächsten zwei Jahre noch mit Lieferengpässen. Der Grund dafür: Reduzierte Fab-Kapazitäten und zu wenig Neuinvestitionen. Für 2011 erwartet der ZVEI ein Marktwachstum von rund 7 Prozent auf 10,3 Mrd. Euro.

»Der Mikroelektronikmarkt ist 2010 auf den alten Wachstumspfad zurückgekehrt, er hat sich von der Weltwirtschaftskrise erholt«. Dieses Jahresfazit zieht Dr. Ulrich Schaefer, Vorsitzender der Fachgruppe Halbleiter Bauelemente im ZVEI-Fachverband Electronic Components and Systems. Laut dem ZVEI wuchs der deutsche Halbleitermarkt im letzten Jahr um 38 Prozent auf 9,5 Mrd. Euro. 

Gestützt wurde dieses Wachstum durch einen Umsatzanstieg von 17 Prozent bei Diskreten Bauelementen, Opto-Halbleitern und Sensoren/Aktuatoren sowie von 44 Prozent bei ICs. Im Krisenjahr 2009 war der deutsche Halbleitermarkt nach den Zahlen des ZVEI um 24,6 Prozent auf knapp 7 Mrd. Euro eingebrochen. »Der deutsche Halbleitermarkt hat sich damit im Vorjahr schneller erholt als der europäische«, wie Dr. Schaefer erläutert, »das Wachstum des europäischen Halbleitermarkts fiel 2010 mit voraussichtlich 27 Prozent deutlich schwächer aus als das Wachstum des deutschen Markts.« Weltweit, so die Auskunft des ZVEI, stieg der Halbleiterumsatz 2010 nach den bisher zur Verfügung stehenden Zahlen um 33 Prozent auf 300 Mrd. Dollar.

Alles deutet darauf hin, dass der Umsatz der Halbleiterindustrie mit der Automobilbranche in Deutschland 2010 wieder um fast die Hälfte gewachsen ist. »Mit 37 Prozent Marktanteil«, so Dr. Schaefer, »ist das auch weiterhin das größte Anwendungssegment für Halbleitertechnik in Deutschland.« Mit einem ebenfalls starken Umsatzzuwachs von 38 Prozent und 30 Prozent Marktanteil stellt die Datentechnik nachwievor das zweitstärkste Kundensegment des deutschen Halbleitermarktes dar.

Mit dem drittgrößten Umsatzzuwachs von 34 Prozent bildet die Industrieelektronik mit einem Marktanteil von 21 Prozent den drittgrößten Bereich. Die Umsätze im Bereich der Kommunikation wuchsen im Vorjahr um voraussichtlich 16 Prozent, ihr Marktanteil liegt bei 9 Prozent. Ebenfalls um 16 Prozent zulegen konnte die Konsumelektronik, deren Marktanteil von 3 Prozent aber weiterhin nur noch ein Nischensegment für den deutschen Halbleitermarkt darstellt. Damit bilden Automotive, Datentechnik und Industrieelektronik auch weiterhin unangefochten die Stützpfeiler des deutschen Halbleitermarktes.

An der regionalen Verteilung der weltweiten Marktanteile hat sich im Vorjahr nach den Erkenntnissen der ZVEI-Analysten nur wenig verändert. So behielt die Region Asien/Pazifik ihren Platz als umsatzstärkste Region mit über 50 Prozent Marktanteil, wovon allein China knapp die Hälfte beisteuert. Erstmals nach 2002 war der Anteil Amerikas wieder etwas größer als der Japans, wohingegen Europa weiterhin den geringsten Marktanteil aller Weltregionen aufweist.

Chinas Mikroelektronikmarkt hatte 2008 erstmals umsatztechnisch sowohl den amerikanischen als auch den europäischen Markt überholt. Im Jahr 2009 wurde dann auch Japan als bislang wichtigstes Abnehmerland für Halbleiterprodukte durch China abgelöst. Inzwischen wird nach Angaben des ZVEI mehr als ein Viertel der elektronischen Geräte der Welt in China gefertigt - mit weiterhin steigender Tendenz. Neben China wies im Vorjahr der koreanische Markt mit einem Plus von 14 Prozent (auf Dollar-Basis) die höchste mittlere Wachstumsrate beim Einsatz mikroelektronischer Produkte auf.  

Nachdem die europäischen Halbleiterhersteller etwa bis zur Mitte des letzten Jahrzehnts ihren Marktanteil, gestützt auf ihre führende Position in den Bereiche Kommunikation, Automotive und Industrieausrüstungen, auf bis zu 14 Prozent ausbauen konnten, ging dieser Anteil mit der Weltwirtschaftskrise 2008/09 auf 9 Prozent zurück. Verantwortlich dafür war vor allem der hohe Einbruch des Kfz-Marktes. Wegen der guten Erholung des Kraftfahrzeugmarktes rechnet der ZVEI wieder mit einer Steigerung des europäischen Anteils am Mikroelektronikmarkt 2010. Ob dabei eine Erholung auf das alte Niveau der 14 Prozent möglich war, lässt sich aufgrund des derzeit zur Verfügung stehenden Zahlenmaterials aber noch nicht mit Sicherheit abschätzen.

Unabhängig von den Stärken der europäischen Halbleiterhersteller in den Bereichen Automotive, Kommunikation und Industrieelektronik wird der Anteil der in Europa produzierten Halbleiterlösungen in den nächsten Jahren nach Einschätzung des ZVEI weiter zurückgehen. Wuchs Europas Fab-Kapazität noch in den Jahren 1999 bis 2005 weitgehend mit dem Weltmarkt, gilt dies seit 2005 nicht mehr. Neue Fabs werden seither überwiegend in Asien errichtet, und Europas Halbleiter-Hersteller favorisierten zunehmend ein Fab-Light-Modell als Business-Konzept. »Nach den derzeit bekannten Planungen für neue Fabs«, so Dr. Schaefer, »wird sich der Anteil Europas an der weltweiten Halbleiter-Fertigungskapazität bis 2015 auf 7 Prozent reduzieren.« Damit hätte sich Europas Anteil an den weltweiten Waferstarts dann innerhalb von 10 Jahren halbiert.