Erdbeben in Japan Mögliche Auswirkungen auf die IC-Versorgung

Welche Auswirkungen das Erbeben in Japan auf die Versorgung mit Halbleitern nehmen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Am Weltmarkt für Halbleiter in Höhe von 298 Mio. Dollar hält Japan einen Anteil von 24 Prozent, Taiwan 30 Prozent und Europa 8 Prozent.

Von dem japanischen Anteil wandern laut Future Horizons rund 50 Prozent in den Export, 65 Prozent davon nach Südost-Asien, 25 Prozent in die USA und 10 Prozent nach Europa.

Laut Malcolm Penn, CEO von Future Horizons, stellt Toshiba ungefähr ein Drittel aller in Japan gefertigten ICs her und 50 Prozent davon wiederum sind Flash-Speicher.

Einige Fabs von Toshiba befinden sich im Großraum Tokio. Das Gebiet wurde rund eine Stunde nach dem Hauptbeben von einem Beben der Stärke 7 erschüttert (die Experten sprechen nicht mehr von Nachbeben, sondern von einer Reihe von unabhängigen Beben), das offenbar einige größer Schäden verursacht hat.

Wahrscheinlich haben die Hersteller zumindest ihre Produktionen aus Sicherheitsgründen gestoppt wurden, so dass die Wafer, die sich in den Fabs befunden haben, verloren sind. Weil derzeit niemand weiß, welche Schäden in den Fabs im Großraum Tokio und im Süden Japans aufgetreten sind, ist es schwer abzuschätzen, welchen Einfluss das Beben auf die weltweite Versorgung mit Halbleitern nehmen wird. Laut Malcolm Penn dürfte der Flash-Markt durchaus Auswirkungen verspüren.

Ob die Hersteller von Autos hierzulande von Lieferengpässen betroffen sein werden, kann zur Stunde ebenfalls nicht gesagt werden. Renesas dominiert den Markt für Controller und fertigt zum größten Teil in Japan. Wenn dort größere Teile der Produktion betroffen wären, würde das ebenfalls kaum ohne Auswirkungen bleiben.

Den größten Teil der Logik-ICs, die mit Hilfe der neusten Techniken gefertigt werden, produzieren heute Hersteller in Taiwan, insbesondere die Foundries. Deshalb sind die IC-Hersteller, die keine eigene Fab betreiben oder einen erheblichen Anteil der eigenen Fertigung an Foundries ausgelagert haben, von der Situation in Japan weniger betroffen.

Das zeigt aber, wie abhängig die Welt von bestimmten Regionen ist, in denen sich die IC-Produktion konzentriert. »Wenn ein Erdbeben Taiwan treffen würde, sähe die Versorgungssituation für alle Beteiligten weltweit sehr düster aus«, sagt Malcolm Penn. Carlos Lee, Director General der SEMI Europe, sieht diese Gefahr ebenfalls: »Es ist wichtig, dass Europa eine gewisse Unabhängigkeit in der Halbleiterfertigung bewahrt, das ist eine Frage, die ganz wesentlich  die Sicherheit der europäischen Länder betrifft.«