Vincotech Mit »Speed & Flexibility« zur Umsatzverdoppelung

 Joachim Fietz, Vincotech: »Es gibt keine Anzeichen dafür, dass wir unser dynamisches Wachstum nicht auch im Jahr 2012 fortsetzen werden. Für die nächsten zwei Jahre streben wir das Überschreiten der 100-Mio.-Euro-Umsatzschwelle an.«
Joachim Fietz, Vincotech: »Es gibt keine Anzeichen dafür, dass wir unser dynamisches Wachstum nicht auch im Jahr 2012 fortsetzen werden. Für die nächsten zwei Jahre streben wir das Überschreiten der 100-Mio.-Euro-Umsatzschwelle an.«

Nach einem Jahresumsatz von 80 bis 90 Mio. Euro in diesem Jahr strebt Vincotech-CEO Joachim Fietz für die nächsten zwei Jahre das Überschreiten der 100-Mio.-Euro-Umsatzgrenze an. Seit kurzem stehen zudem die ersten Muster von Vincotech-Modulen mit Mitsubishi-Leistungshalbleiterchips für Industrieapplikationen zur Verfügung.

Markt&Technik: Sie konnten im letzten Jahr ihren Umsatz verdoppeln. Wie hat sich 2011 für Sie entwickelt und welche Erwartungen haben Sie für 2012?

Joachim Fietz: Das mit der Umsatzverdoppelung ist uns im laufenden Geschäftsjahr nicht mehr gelungen, aber mit einer Steigerung des Umsatzes auf 80 bis 90 Mio. Euro haben wir unser dynamisches Umsatzwachstum auch in diesem Jahr weitergeführt. Diese Dynamik soll sich auch im nächsten Jahr fortsetzen. Wir werden in den nächsten zwei Jahren mit Sicherheit die 100-Mio.-Dollar-Umsatzschwelle überschreiten.

Sie erzielten in der Vergangenheit mehr als 30 Prozent Ihres Umsatzes mit Applikationen im Solarwechselrichterbereich. Werden sich die aktuellen Diskussionen um eine weitere Reduzierung der Einspeisevergütung auf Ihre Wachstumserwartungen auswirken?

Unser Photovoltaik-Geschäft war auch in der Vergangenheit sehr volatil. Ich erwarte unabhängig von den aktuellen Diskussionen, dass das 1. Quartal sehr schwach sein wird, vielleicht kaum über 10 Prozent unseres Umsatzes. Das ist aber nicht beunruhigend, das gehört zur Tradition in diesem Markt. Im Winter werden eben kaum Anlagen montiert. In den drei verbleibenden Quartalen, kann der Anteil der Photovoltaik an unserem Gesamtumsatz dann aber durchaus auf bis zu 50 Prozent hochgehen. Da ist erfahrungsgemäß dann alles möglich.

Welche Produktsegmente bedienen Sie im Solarinverterbereich? Gibt es Pläne auch in das Microinverter-Geschäft einzusteigen? Welche Rolle spielt auf dem Markt der Erneuerbaren Energie die Windkraft für Vincotech?

Wir beliefern mit unseren Leistungshalbleitermodulen vor allem Kunden, die Solarinverter im kleinen bis mittleren Leistungsbereich herstellen. Unsere Module können aber durchaus auch in großen Invertern mit bis zu 250 kW zum Einsatz kommen. Das war bislang aber die Ausnahme. Mit dem Thema Microinverter haben wir uns in den vergangenen Jahren intensiver beschäftigt, sind dann aber zu dem Entschluss gekommen, in diesem Bereich nicht aktiv zu werden. Auch Applikationen im Windkraftbereich standen einmal auf der Agenda, wir haben davon aber abgesehen und konzentrieren uns im Bereich Erneuerbare Energien ausschließlich auf den Einsatz in Solarinvertern.

Im Bereich Solarinverter haben Sie ja auch mit dem erstmaligen Einsatz von SiC-JFETs von SemiSouth in ihren Modulen einen Benchmark gesetzt. Ein Paradebeispiel für Ihren Anspruch von »Speed&Flexibility«?

Wenn der Kunde für seine Applikation aus Gründen des Wirkungsgrades einen SiC-JFET benötigt, dann bieten wir ihm eine Lösung mit diesem Mehrwert an. Auch wenn wir bei solchen Lösungen absolut kundengetrieben handeln, freue ich mich schon, dass die im Vergleich relativ kleine Firma Vincotech bislang der einzige Anbieter ist, der in diesem Bereich eine entsprechende Lösung anzubieten hat und eine entsprechende Expertise aufweisen kann.

Sie können vielfältige Expertisen vorweisen. Sie bieten verschiedenste Kontaktierungs- und Gehäusevarianten an. Sie stellen zudem ihre Hardware-Unabhängigkeit heraus. Ist es das, was »Speed&Flexibility« für Sie ausmacht?

Vincotech ist im Vergleich zu den anderen Anbietern im Leistungshalbleiter-Modulbereich nach wie vor ein kleines Unternehmen. Unsere Stärke lag nie in riesigen Stückzahlen, wir waren immer der Spezialist für die etwas andere Lösung. So können wir dem Kunden ihm Chipbereich immer eine Best-in-Class-Lösung für seine jeweilige Applikation anbieten. Je nach Präferenz bieten wir im dazu an, Chips von Infineon Technologies, Semikron, Fairchild oder SemiSouth, und in Zukunft auch von Mitsubishi Electric Corporation, kurz MELCO, einzusetzen. Je nach Bedarf können wir ihm Module mit Solderpins, Federkontakt-Module zum Schrauben oder auch Press-fit-Lösungen anbieten. Wir sind nicht einem Halbleiterhersteller, oder einer Technologie verpflichtet, sondern einzig und allein einer Lösung, die unserem Kunden einen Mehrwert bietet.

Wie flexibel sind Sie auf der Produktionsseite? Sie erwähnten die Volatilität des Solarmarktes, wie federn Sie diese Schwankungen ab?

Wir fertigen nach dem One-Piece-Flow-Prinzip. Damit sind wir in der Lage, auch kleinste Stückzahlen in der Serienfertigung herzustellen. Wir sind produktionstechnisch so aufgestellt, dass wir in einer Woche beispielsweise 1000 Lose mit jeweils 100 Stück fertigen und auf demselben Fertigungsequipment in der darauf folgenden Woche dann 10 Lose mit je 10000 Stück produzieren können. Die Schwankungen im Auftragseingang der Solarinverter-Kunden können wir nur durch einen hohen Lagerbestand entsprechender Module abfangen. So kann es durchaus möglich sein, dass wir Komponenten im Wert von über 10 Prozent unseres Gesamtumsatzes auf Lager haben. Wir sind aber nur deshalb in der Lage, diese Strategie zu verfolgen, da wir in 80 Prozent der Fälle Single-Source-Anbieter für unsere Kunden sind. Damit gilt für uns, wie für unsere Kunden, die Ware, die wir für sie bestellt haben, wird aufgebraucht - früher oder später.

Vincotechs dynamisches Wachstum dürfte sowohl auf der Produktionsseite, wie auch auf der Mitarbeiterseite Herausforderungen mit sich bringen. Sind Sie in Ihrer weiteren Expansion, etwa im Produktionsbereich in irgendeiner Form beschränkt?

Ganz klar: Nein! Wir sind der Grundbesitzer unseres Produktionsstandortes im ungarischen Bicske. Nach Lage der Dinge, könnten wir unsere heutigen Produktionskapazitäten dort noch vervierfachen, bevor wir an räumliche Beschränkungen stoßen. Und selbst das ließe sich relativ leicht dadurch beheben, dass wir weitere Grundstücke erwerben. Wir investieren kontinuierlich im Millionenbereich in den Ausbau unserer Fertigung, indem wir neue Maschinen kaufen, existierende Reinräume erweitern, oder neue Fertigungsgebäude errichten. Aus heutiger Sicht können wir unser homogenes Wachstum in Bicske noch in den nächsten 5 bis 10 Jahren fortsetzen, ohne an räumliche Beschränkungen zu stoßen.

Halbleiterfertigungen mögen hochautomatisiert sein, doch Produktionssteigerungen um bis zu 100 Prozent erfordern sicherlich eine Aufstockung der Beschäftigtenzahl.

Vincotech hat sich als Arbeitgeber in den letzten Jahren in Ungarn einen guten Ruf erworben. Vor diesem Hintergrund hatten wir keine Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter zu finden. Hochqualifizierte Mitarbeiter aus dem Bereich Power-Electronics sind dennoch auch in Ungarn nicht einfach zu bekommen. Da können wir nicht eben mal schnell die Zahl unserer R&D-Mitarbeiter verdoppeln. Wir pflegen aber intensive Kontakte zur Universität in Budapest und haben so die Möglichkeit, entsprechend qualifizierte Spezialisten für uns zu gewinnen. Mit rund 350 Beschäftigten, ist der Großteil der Vincotech-Mitarbeiter heute in Ungarn tätig.