Atmel-Interview Mikrocontroller- und Wireless-Hersteller werden vom IoT profitieren

Steve Laub, Atmel: »Auch wenn es außer Frage steht, dass Ethernet sich im Fahrzeug durchsetzen wird, sehe ich hier derzeit keine Gefahr für uns. Denn zum einen wird es auch weiterhin Fahrzeuge mit mehreren Bussen geben, zum anderen dauert es sowieso eine ganze Weile, bis Ethernet im Automotive-Markt wirklich dominant ist.«

Aus der Sicht von Steve Laub, President und CEO von Atmel, gibt es genau zwei Unternehmenstypen, die am meisten vom IoT-Markt profitieren werden: Mikrocontroller-Unternehmen und Hersteller von drahtlosen Kommunikationslösungen.

Im ersten Quartal 2013 lag die Bruttomarge von Atmel bei 40,5 Prozent, im vierten Quartal 2014 bei 49 Prozent. Was hat zu dieser erfreulichen Entwicklung geführt?

Steve Laub: Das hat mehrere Gründe. Wie Sie wissen, haben wir in den letzten Jahren viele Umstrukturierungen durchgeführt. Wir sind aus einigen Geschäften und Produktsegmenten im Commodity-Bereich ausgestiegen. Außerdem haben wir unsere alten Fabriken in Europa vor zirka vier Jahren verkauft. Damals haben wir mit diesen Firmen aber langfristige Vereinbarungen geschlossen. Das hat sich zunächst negativ auf unsere Bruttomarge ausgewirkt, aber diese Verträge sind vor rund einem Jahr ausgelaufen.

Danach haben wir einen Teil der Produkte in asiatische Fabriken und einen Teil in unsere eigene Fabrik transferiert. Dadurch konnten wir einerseits unsere Kosten senken und anderseits auf modernere Prozesse wechseln. Die Verträge führten aber auch dazu, dass wir manche Produkte zu einem späteren Zeitpunkt auf kleinere und kostengünstigere Prozessstrukturen portiert haben, weil wir ja sowieso gezwungen waren, die Produkte in der alten Technologie abzunehmen. Das ist nun vorbei, so dass wir jetzt neue Low-Cost-Produkte auf den Markt bringen konnten, und das hat sich sehr gut auf unsere Bruttomarge in den letzten Quartalen ausgewirkt. Sie ist von 45,3 Prozent im zweiten Quartal 2014 auf 47 Prozent in Q3 und 49 Prozent in Q4 gestiegen.

Das war ein großer Sprung in der Bruttomarge, wahrscheinlich der größte Sprung, den irgendein Unternehmen in den letzten Quartalen geschafft hat. Unser Ziel für dieses Jahr sind mindestens 50 Prozent.

Die Entwicklung der Bruttomarge läuft sehr positiv, Atmel hat aber immer noch eine eigene Fabrik. Wenn die nicht ausgelastet ist, belastet das ebenfalls die Bruttomarge.

Das ist richtig, aber wir haben kein Auslastungsproblem. Wir lassen die 32-Bit-Controller komplett von Foundries fertigen, bei den 8-Bit-Controllern machen wir einen Teil selbst und einen Teil über Foundries. Aber der eigentliche Weg für uns, um höhere Margen zu erzielen, funktioniert anders: Wir entwickeln Produkte, die verschiedene vertikale Märkte wie beispielsweise den Beleuchtungssektor oder Smart Metering dank sehr leistungsfähiger Peripherie besser als Standard-Controller adressieren können. Mit diesen Produkten lassen sich höhere Margen erzielen, weil sie spezialisiert sind, und darin unterscheiden wir uns auch von anderen Herstellern. Das gilt auch für unsere Controller, die sich durch extrem niedrige Leistungsaufnahme auszeichnen. Atmel bietet keine Commodity-Produkte mehr an, und deshalb haben wir auch höhere Margen. Daneben führen wir zwar General-Purpose-Controller, aber eben auch hochspezialisiert Produkte, und das funktioniert.