Umsatzvolumen von knapp 13,5 Mrd. Dollar MEMS-Bedeutung im Automotive-Bereich könnte schrumpfen

Jérémie Bouchaud, IHS Markit
»Klassische MEMS-Sensoren machen inzwischen ein Viertel des weltweiten siliziumbasierten Sensor-Marktes aus. Zu den absoluten High-Flyern zählen derzeit optische Sensoren wie Fingerprint- und Time-of-Flight-Sensoren.«
Jérémie Bouchaud, IHS Markit: »Zu den am dynamischsten wachsenden MEMS-Typen zählen 2019 ganz sicher die MEMS-Oszillatoren. Ihre verkaufte Stückzahl dürfte sich mit 1,1 Milliarden Stück fast verdoppeln.«

Mit einem Umsatzwachstum des Welt-MEMS-Marktes von 5,5 Prozent rechnen die Analysten von IHS Markit für 2019. Während der MEMS-Einsatz im Consumer- und im Mobile-Bereich ständig wächst, fällt der erwartete Mehrbedarf an MEMS durch Elektromobilität und autonomes Fahren gering aus.

Langfristig dürfte damit der Automotive-MEMS-Umsatzanteil zurückgehen.
Basierend auf seinen jüngsten Marktstudien geht das Marktforschungsinstitut IHS Markit für 2019 von einer Steigerung des weltweiten Umsatzvolumens mit MEMS auf 13,348 Milliarden Dollar aus. Gegenüber 2018 (Umsatzvolumen: 12,655 Milliarden Dollar) entspräche das einem Gesamtwachstum von 5,5 Prozent. Damit schwächt sich die Wachstumsdynamik des Marktes nach 8,3 Prozent (2017) und 6,2 Prozent im Vorjahr weiter ab. Für 2020 rechnen die Marktforscher um Jérémie Bouchaud, Director and Senior Principal Analyst MEMS and Sensors bei IHS Markit, mit einer Abschwächung des Marktwachstums auf dann 4,4 Prozent. Damit dürfte das Wachstum des MEMS-Marktes 2019 nach Einschätzung der Marktforscher aber über dem Wachstum des Halbleitermarktes liegen, für den IHS Markit 2019 ein Wachstum von 4,3 Prozent erwartet. Allerdings macht der MEMS-Markt mit seinem Umsatz von 13,348 Milliarden Dollar auch nur 2,57 Prozent des Gesamtumsatzvolumens des Halbleitermarktes 2019 von rund 519 Milliarden Dollar aus.

Nach wie vor umsatztechnisch wichtigstes Anwendungsfeld für MEMS wird auch 2019 der Bereich Konsumgüter und Mobiltelefone mit einem voraussichtlichen Umsatzvolumen von 5,370 Milliarden Dollar sein. Rang zwei nimmt der Automotive-Bereich mit einem Umsatzvolumen von voraussichtlich 3,350 Milliarden Dollar in diesem Jahr ein. Ein minimales Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr errechnen die Analysten für den Bereich Data-Processing (Bürogeräte, Notebooks, Tablets). Damit wird zumindest vorerst eine Umkehr der Entwicklung in diesem Bereich eingeleitet. Umsatztechnisch sein Maximum erreichte dieses Absatzsegment 2010, als es für ein Umsatzvolumen von 2,193 Milliarden Dollar stand. Für 2019 erwarten die Analysten ein Umsatzvolumen von 1,751 Milliarden Dollar.

Kontinuierlich aufwärts ging es dagegen in den letzten Jahren mit dem Anwendungsbereich Industrie. Lag hier das Umsatzvolumen 2010 noch bei 771 Millionen Dollar, hat es sich bis 2019 auf nun voraussichtlich 1,545 Milliarden Dollar verdoppelt. Ein ähnlich hohes Wachstum konnte in den letzten Jahren der Applikationsbereich Medizinelektronik aufweisen. Gingen 2010 noch MEMS im Wert von 303 Millionen Dollar in dieses Anwendungssegment, werden es 2019 aller Voraussicht nach wohl 656 Millionen Dollar sein. Deutlich zweistellige Zuwachsraten zeigte in den letzten Jahren auch der Anwendungsbereich Wired Communications. Seit 2010 erhöhte sich hier das Umsatzvolumen von 131 Millionen Dollar auf voraussichtlich knapp 300 Millionen Dollar in diesem Jahr.

Ein Blick auf die Stückzahlentwicklung zeigt, dass sich die Zahl der eingesetzten MEMS allein im Consumer- und Mobile-Bereich seit 2010 von 2,6 Milliarden Stück in diesem Jahr wohl auf über 24 Milliarden Stück dramatisch erhöht hat. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der im Automotive-Bereich verbauten MEMS dagegen nur von 703 Millionen Stück auf in diesem Jahr voraussichtlich 1,963 Milliarden Stück. Die Gesamtzahl der 2019 verkauften MEMS dürfte sich nach den Prognosen der Marktforscher von IHS auf 27,776 Milliarden Stück belaufen. Bei einem Umsatzvolumen von voraussichtlich 13,348 Milliarden Dollar ergibt sich daraus rein rechnerisch ein Durchschnittspreis von etwas mehr als 50 US-Cent für einen MEMS-Baustein.

Auf welche Typen entfallen bei über 27 Milliarden MEMS die größten Anteile im neuen Jahr? Mit fast 12,36 Milliarden Stück liegt der größte Anteil bei BAW-Filtern. Platz 2 belegen mit voraussichtlich 5,2 Milliarden Stück die MEMS-Mikrofone. Auf Position 3 folgen mit 3,46 Milliarden Stück Beschleunigungsaufnehmer. Gyroskope und optische MEMS liegen mit jeweils rund 1,6 Milliarden Stück fast gleichauf. Nicht mehr in die Top 5 schaffen es die Magnetometer mit rund 1,2 Milliarden Stück.