Wachstum mit neuen Kondensator-Technologien Mach’s doch einfach mit Keramikvielschicht-Technologie!

Reinhard Sperlich, Murata Elektronik, im Gespräch mit Engelbert Hopf, Markt&Technik
Reinhard Sperlich, Murata Elektronik, im Gespräch mit Engelbert Hopf, Markt&Technik

Murata wird auch in Zukunft seine Stellung als Technologie- und Marktführer im Bereich Keramikkondensatoren verteidigen, wie Reinhard Sperlich, Geschäftsführer der Murata Elektronik, versichert. Die Übernahme des High-Power-Amplifier-Geschäfts von Renesas Electronics soll die Stellung im Kommunikationsbereich verbessern, die Akquisition von VTI Technologies den MEMS-Einstieg im Bereich Automotive und Healthcare voranbringen.

Markt&Technik: Ist Murata gerade auf Einkaufstour? Nach VTI Technologies ist als nächstes die Übernahme des High-Power Amplifier Geschäfts von Renesas Electronics geplant. Welches Ziel verfolgt diese Übernahme?

Reinhard Sperlich: Überdurchschnittliche Wachstumsraten sind im Kerngeschäft mit passiven Bauelementen nicht zu erreichen. Aus diesem Grund verfolgt Murata seit einigen Jahren eine Doppelstrategie: Wir bauen Murata mit neuen Technologien zu DEM »Capacitor House« der Zukunft aus, gleichzeitig erschließen wir neue Tätigkeitsfelder für das Unternehmen. Erstmals umgesetzt wurde diese Strategie 2006 mit der Übernahme von SyChip, oder der Akquisition der Power Electronics Division von C&D Technologies 2007. Die Übernahme des High-Power-Amplifier-Geschäfts von Renesas dient der Stärkung unseres Kommunikations-Geschäfts.

Was heißt das konkret?

Im Handy-Bereich und bei anderen drahtlosen Applikationen werden im Sende- und Empfangsbereich sowohl passive, als auch aktive Bauelemente benötigt. Die entscheidende Frage lautet also: Wer bekommt das Design? Ist diese Entscheidung gefallen, kann das bedeuten, dass es in der Ergänzung mit den jeweiligen aktiven oder passiven Bauelementen zu Kompromissen kommt. Das lässt sich vermeiden, wenn ich in der Lage bin, sowohl den aktiven als auch den passiven Part aus einer Hand anzubieten. Mit der Übernahme des High-Power-Amplifier-Geschäfts von Renesas wären wir der erste Anbieter weltweit, der diese Lösung aus einer Hand anbieten kann.

Mit der Akquisition von VTI Technologies steigen Sie zudem auch ins MEMS-Geschäft ein. Oder war Murata in diesem Bereich bereits tätig?

Wir waren bereits mit entsprechenden Gyroskop-Lösungen auf Keramik- und MEMS Basis im Consumer-Bereich aktiv, aber das war eine sehr beschränkte Aktivität. Mit der Übernahme von VTI Technologies eröffnet sich für uns der Einstieg in die Bereiche Automotive, Healthcare/Medical. Wir haben in den beiden letzten Jahren bereits die Produkte von VTI Technologies über unsere Vertriebswege verkauft und haben dabei festgestellt, dass sie hervorragend zu den zukünftigen Wachstumssegmenten unseres Unternehmens passen.

Sie haben VTI Technologies für 195 Mio. Euro Cash übernommen. Werden Sie das High-Power-Amplifier-Geschäft von Renesas auch für Cash übernehmen?

Die Möglichkeit dazu besteht- aber dies ist noch nicht entschieden und bekannt gegeben. Unser letztjähriger Geschäftsbericht weist liquide Mittel in Höhe von rund 3,0 Mrd. Euro auf. Natürlich werden wir dieses Geld nicht nur für Übernahmen investieren, erhebliche Mittel fließen auch in den Ausbau der Fertigung oder den Aufbau neuer Fabriken, etwa auf den Philippinen.

Sie sprachen von der Bedeutung des Kommunikations-Segmentes für Ihr Unternehmen. Welche Bedeutung haben die einzelnen Anwendungsbereiche heute für Murata und wo erwarten Sie in Zukunft die stärksten Zuwächse?

Kommunikation macht heute etwa 43 % unseres Umsatzes und stellt damit das absolute Schwergewicht unserer Marktpräsenz dar. Auf Platz 2 mit 19% folgt der Markt für Computer-Anwendungen. Fast gleichauf folgen die drei Bereiche Audio-/Video, Automotive sowie Home and Others mit 11 bis 14 Prozent Umsatzanteil. Der Unternehmensumsatz dürfte in diesem Geschäftsjahr bei knapp 6 Mrd. Euro liegen. Mit den höchsten Zuwächsen ist wohl in Zukunft im Automotive- und im Healthcare-Bereich zu rechnen.

Murata wurde lange Zeit nur als Kondensator-Hersteller wahrgenommen. Spätestens mit der Übernahme der Power Electronics Division von C&D Technologies hat sich das geändert. Welche Bedeutung hat das Kondensator-Geschäft heute noch für Murata?

Mit 35 bis 40 Prozent des Umsatzes entfällt immer noch ein großer Teil unseres Umsatzes auf unsere Kondensatoraktivitäten. Keramikbasierte Modul-Lösungen tragen etwa 21 Prozent zum Umsatz bei. Produkte wie EMI-Komponenten, Spulen oder auch Steckverbinder schlagen sich heute mit 20 Prozent im Umsatz nieder. Piezo-bauelemente steuern 13 bis 15 Prozent zum Umsatz bei, und unser Stromversorgungsgeschäft liegt bei 9 Prozent des Gesamtumsatzes.