Renesas: RZ/G-Linux-Plattform Linux leicht gemacht

Die fünf Kernelemente der RZ/G-Linux-Plattform.
Die fünf Kernelemente der RZ/G-Linux-Plattform.

Renesas Electronics hat mit der RZ/G-Linux-Plattform ein Rund-um-Sorglos-Paket für die Industrie vorgestellt.

Bei der jetzt vorgestellten RZ/G-Linux-Plattform handelt es sich laut Stefan Rank, Senior Staff Engineer, Industrial Solution Business Unit, Renesas Electronics Europe, bereits um die zweite Version. Im Vergleich zu Version 1, mit der das Unternehmen nur Kunden in Japan bedient hat, adressiert Renesas mit der zweiten Version den weltweiten Markt.

Die RZ/G-Linux-Plattform zeichnet sich durch fünf Kernelemente aus, die laut Rank kürzere Entwicklungszeiten und verringerte Kosten ermöglichen:

## RZ/G-Prozessoren: Dabei handelt es sich um eine Familie mit skalierbaren Prozessoren basierend auf Cortex-A7- und -A15-Cores, die mit bis 1,5 GHz getaktet sind. Für Anwendungen, in denen Energieeffizienz groß geschrieben ist, steht eine Dual-Core-A7-Variante zur Verfügung, geht es um höchste Leistung gibt es einen Prozessor mit vier Cortex-A15- und vier Cortex-A7-Kernen. Dazu kommt noch Hardware für 3D-Grafik und ein H.264-Codec, diverse Schnittstellen (USB 3.0, SATA, PCI-e) sowie Security-Funktionen.

## Verified Linux Package: das validierte Software-Framework wird von Renesas gepflegt, was auch das Versions-Management umfasst. Es enthält einen SLTS-CIP-Linux-Kernel (Civil Infrastructure Platform), sprich einen Linux-Kernel mit dem so genannten Super Long-Term Support (SLTS), bei dem die Unterstützung von mehr als zehn Jahren gewährleistet wird. Der Entwickler kann das kostenlose HTML5- (wird von Mozilla gepflegt) oder das QT-Framework für die GUI-Entwicklung nutzen, die beide auf die in den RZ/-G integrierten Hardware-Beschleunigern zurückgreifen können. Rank: »Die Leistungssteigerung durch die Hardware-Beschleuniger ist im Vergleich zur reinen Software-Lösung signifikant.« Dazu kommen noch ein BSP (Board Support Package) und Software für Multimedia-Funktionen (H.264 Codec, 3D-Grafik) sowie für die Hardware-unterstützten (Trusted Secure IP) Security-Funktionen - verschlüsselte Kommunikation, Speicherschutz, Manipulationserkennung und Authentifizierung. Aktuell ist ein BSP-Support für die RZ/G1M-MPU verfügbar, Unterstützung für weitere Produkte aus der RZ/G1-MPU-Serie ist geplant.

## Tools: Den Entwicklern stehen im Rahmen der RZ/G-Linux-Plattform auch diverse Entwicklungs-Tools zur Verfügung. Dazu zählt eine Cloud-Entwicklungsumgebung mit Build-, Verifikations- und Analyse-Tool sowie einem Pin-Konfigurator, die alle aus der e2-studio-IDE heraus genutzt werden können und eine proprietäre Online-Datenbank nutzen, die stetig erweitert wird. Die Tools unterstützen den Anwender bei der Ermittlung potentieller Fehlerquellen und geben während des Debuggings spezifische Fehlerbehebungsempfehlungen. »Das Build-Tool verbindet zum Cloud-Server, wo die Linux-Umgebung verfügbar ist. Es ist kein eigenes Aufsetzen notwendig, alles ist vorinstalliert und konfiguriert«, so Rank. Entwickler, die nicht in die Cloud wollen, können natürlich auch auf ein Yocto-Buildsystem zurückgreifen, allerdings können dann nicht die Cloud-Tools genutzt werden.

## Marktplatz: Hier stehen verifizierte Middleware und vorintegrierte Software-Module zur Verfügung, die laut Rank sofort verwendet werden können, was das Time-to-Market deutlich verkürzt. Die Entwickler können dort beispielsweise Security-Tools, Embedded-Vision-Bibliotheken, Software zur Gesichts- und Spracherkennung aber auch Protokoll-Stacks kaufen und herunterladen.

## Boards: Zur RZ/G-Linux-Plattform gehören auch diverse SOMs (System on Module), Boards und Evaluierungsplattformen von Renesas-Partnern. Dazu zählen beispielsweise das RZ/G1E-Entwicklungs-Kit aber auch diverse RZ/G1H-Q7-SOMs von iWave. Wobei Rank betont, dass sich weitere Boards in der Entwicklung befinden.

Rank weiter: »Die Kombination aus den fünf Kernelementen generiert den Mehrwert für den Kunden. Der Entwickler kann sofort anfangen und ein Image herunterladen. Damit lässt sich die Turn-around-Time um bis zu 40 Prozent reduzieren.« Darüber hinaus betont er, wie wichtig der SLTS für den CIP-Linux-Kernel für die Industriekunden ist. »Typischerweise ist der Support auf zwei Jahre beschränkt, für einen Industriekunden ein Problem, denn sein System weist eine deutlich längere Laufzeit auf. Mit dem SLTS sind jetzt Security- und Realtime-Patches auch langfristig nutzbar«, so Rank.

Industriekunden sind typischerweise eher konservativ, wie verträgt sich das mit der Entwicklung in der Cloud? Die Bedenken kennt Rank, weshalb Renesas drei verschiedene Ansätze ermöglicht:

## Cloud-enabled: In diesem Fall kann der Entwickler mit seinem User-Namen und Passwort direkt mit der Linux-Umgebung in der Cloud arbeiten, die von Renesas gepflegt wird und die mit einer stetig wachsenden Datenbank verknüpft ist. Dazu kommt das verifizierte und ebenfalls gepflegte Linux-Paket mit den oben beschriebenen Tools. Rank: »Dieser Cloud-Ansatz ist für Einsteiger sehr hilfreich. Problematisch kann es aber sein, dass es manchmal in den Unternehmen der Kunden verboten ist, Applikations-Code in die Cloud zu schreiben. Deshalb sehen wir diesen Ansatz mehr als schnellen Einstieg oder für einen Proof-of-Concept.«

## Localized Cloud: In diesem Fall wird die Cloud-Umgebung mit den Tools für eine Momentaufnahme (one time snapshot) genutzt und dann als Status-Quo auf den lokalen PC geladen, so dass kein User-Code in die Cloud geschrieben wird, sondern nur auf dem eigenen PC. Allerdings fällt in diesem Fall die Wartung seitens Renesas weg.

## Lokale Linux-Maschine mit eigenem Yocto, wobei auch hier das Verified Linux Package zum Einsatz kommt.