Hersteller überdenken Just-in-Time-Strategie Lagerberstände der Chiphersteller steigen weiter

 Seit dem dritten Quartal 2009 steigen die Lagerbestände der Halbleiterhersteller stetig an.
Seit dem dritten Quartal 2009 steigen die Lagerbestände der Halbleiterhersteller stetig an.

Die Lieferanten von Chips - ohne Berücksichtigung der DRAM-Unternehmen - hielten im ersten Quartal 2011 Lagerbestände von 80,3 Tagen vor, im vierten Quartal 2010 hatte der Wert noch bei 79,4 Tagen gelegen. Das hat die Marktforschungsfirma IHS iSuppli ermittelt.

Ein solch hoher Lagerbestand hatte sich seit dem ersten Quartal 2009 nicht mehr gebildet, als er 82,4 Tage erreichte. »Ein hoher Lagerbestand kann sich für die Halbleiterhersteller negativ auswirken, kommt aber nach der Katastrophe in Japan gerade recht, um Lieferengpässe zu verhindern oder abzuschwächen«, sagt Sharon Stiefelanalyst für den Halbleitermarkt bei IHS.

Der Lagerbestand gemessen in Tagen ist seit dem dritten Quartal 2009 stetig angestiegen, ebenso wie der Wert des Lagerbestands gemessen in Dollar. Im ersten Quartal bezifferte IHS ihn auf 26,2 Mrd. Dollar.

In Japan sind inzwischen die meisten Werke, die direkt von den Auswirkungen des Erdbebens betroffen waren oder wegen Energieengpässen die Produktion herunter fahren mussten, wieder zur Fertigung auf normalen Niveau zurück gekehrt. Wo sehr starke Schäden zu beklagen waren, konnte die Hersteller ihre Produktion inzwischen in andere Werke oder externe Foundries auslagern.

Laut IHS bereiten sich die Hersteller jetzt auf wachsende Nachfrage im zweiten und vor allem dritten Quartal vor, so dass die Lagerbestände auch im zweiten Quartal weiter steigen würden.

Trotz der voraussichtlich steigenden Lagerbestände sei es schwierig, daraus direkte Schlüsse auf die künftige Versorgungssituation zu ziehen. »Wenn die internen Lagerbestände zurück gehen, könnte die Lieferkette nicht schnell genug gefüllt werden, um den Bedarf der Anwender zu decken«, warnt Stiefel. 

Stiefel geht davon aus, dass viele Hersteller ihre bisherige Just-in-Time-Strategie überdenken werden. Die Kosten, die sich über Just-in-Time sparen ließen, müssten den Kosten gegenüber gestellt werden, die aus Katastrophen wie in Japan folgen. Denn fehlt nur eine wichtige Komponente, können die Hersteller ihre Produkte nicht ausliefern und verlieren ihre Präsenz bei Kunden, die ihren Bedarf dann unter Umständen über andere Quellen decken können.