Globalfoundries Dresden Kurzarbeit jetzt – hohe Stückzahlen bald

Dr. Thomas Morgenstern, Globalfoundries: »Wir befinden uns gerade auf einem guten Weg von »More Moore« zu einer »More-than-Moore«-orientierten Fertigung, die besonders auf die Bedürfnisse der europäischen Industrie ausgerichtet ist.«
Dr. Thomas Morgenstern, Globalfoundries: »Wir befinden uns gerade auf einem guten Weg von »More Moore« zu einer »More-than-Moore«-orientierten Fertigung, die besonders auf die Bedürfnisse der europäischen Industrie ausgerichtet ist.«

»Wir sind mitten im Strategiewechsel, die FD-SOI-Technik erfüllt die Erwartungen«, sagt Dr. Thomas Morgenstern, SVP und GF von Globalfoundries Dresden im Gespräch mit Markt&Technik.

Doch noch könnten die neuen Kunden das wegbrechende Geschäft nicht kompensieren. Denn Globalfoundries will in Dresden nicht weiter im klassischen »More-Moore«-Rennen der Großen mitmachen und sich stattdessen in Richtung vieler kleinerer und mittlerer Kunden orientieren. Typische Märkte sind hier unter anderem Automotive, IoT, Industrie 4.0 und Logistik, die Globalfoundries zuvor weniger im Visier hatte. »Wir haben jetzt die Zertifizierung für den Automotive-Markt erhalten, worauf wir besonders stolz sind«, so Morgenstern. Ferner hat das Unternehmen den 22-nm-FD-SOI-Prozess entwickelt, der jetzt in Dresden hochfährt - für eine Vielzahl von Kunden aus Europa und aller Welt, wie Morgenstern erklärt.

»Deshalb haben wir aber auch einen großen Kunden verloren, mehrere kleinere Neukunden können den Stückzahlverlust nicht im Moment nicht ausgleichen«, erklärt er weiter. Deshalb habe sich Globalfoundries dazu entschlossen am Standort Dresden in Kurzarbeit zu gehen. Hier sind rund 3.500 Mitarbeiter beschäftigt. Weil die Verhandlungen mit dem Betriebsrat dazu im Moment laufen, könne das Unternehmen derzeit nichts über Beginn und Dauer der Kurzarbeit sagen.  

Globalfoundries war in Dresden als Hersteller von CPUs von AMD gestartet, dann kamen weitere Prozessoren für Computer und Kommunikations-Geräte hinzu. Dieser Marktsektor zeichnet sich durch hohe Stückzahlen aber wenige Akteure aus.

Doch es ist einerseits sehr kostenintensiv, die jeweils neusten Prozesstechniken mit den jeweils geringsten Strukturgrößen zu entwickeln, andererseits macht man sich von  wenigen Kunden abhängig. Deshalb wollte sich Globalfoundries in Dresden aus diesem Markt verabschieden.

Mit Hilfe der neu entwickelten FD-SOI-Technik  gefertigte Chips zeichnen sich durch ihre geringe Energieaufnahme sowie durch vergleichsweise moderate Fertigungskosten aus. »Wir befinden uns also gerade auf einem guten Weg von »More Moore« zu einer »More-than-Moore«-orientierten Fertigung, die besonders auf die Bedürfnisse der europäischen Industrie ausgerichtet ist«, erklärt Morgenstern.

Allerdings handelt es sich eben um eine neue Technik, die den entscheidenden Durchbruch im Massenmarkt noch vor sich habe, auch wenn die Zahl der kleinen und mittleren Kunden derzeit steige. Insgesamt reicht sie noch nicht aus, um die Lücke zu kompensieren, die die Kunden aus den Bereichen Computing und Kommunikation hinterlassen haben. »Noch nicht«, sagt Morgenstern, denn er ist sich sicher, dass die Talsohle zügig durchschritten werden kann, weil die Zahl der Neukunden weiter schnell wachse und sich dies auch auf absehbare Zeit in schneller steigenden Stückzahlen nieder schlagen sollte.

Insgesamt hatte Dr. Thomas Caufield, seit März 2018 CEO von Globalfoundries, dem Unternehmen ein Kostensparprogramm verordnet, in dessen Zuge insgesamt 5 Prozent der Mitarbeiter weltweit abgebaut werden sollen.