International Rectifier Klarer Fokus, klare Ziele: IRs Comeback als PowerMOSFET-Champ

Oleg Khaykin, International Rectifier (mit M&T-Chefreporter Eneglbert Hopf): » Unsere Produktion läuft mit hoher Auslastung, aber ich kann weder bei den OEMs, der Distribution noch bei den CEMs einen nennenswerten Lageraufbau beobachten, die Kunden leben von der Hand in den Mund.«

Hohe Fertigungsauslastung, volle Auftragsbücher, Erweiterung der Foundry-Kooperationen – für International Rectifier verlief das Geschäftsjahr 2009/10 glänzend. CEO und President Oleg Khaykin sieht seine Restrukturierungsziele erreicht. Handlungsbedarf besteht für ihn noch im Bereich der Frontend- und Backendfertigung. Sein Ziel für 2011: IRs Rückkehr auf Platz 1 im PowerMOSFET-Markt.

Markt&Technik: Anfang 2009 herrschte Weltuntergangsstimmung, inzwischen erfreut sich nicht nur IR des fünften Wachstumsquartals in Folge. Wurde zu sehr dramatisiert?

Oleg Khaykin: Der September 2010 wird zweifelsohne besser ausfallen als der September 2008, das lässt sich heute schon sagen. Wir bewegen uns weiterhin in den bekannten Zyklen. Wir registrieren ein starkes, weltweites Interesse an unseren Produkten. Getrieben wird die Nachfrage dabei sowohl von OEM-Kunden als auch von der Distribution. Dank dieser starken Nachfrage liegt die Auslastung unserer Fertigung inzwischen wieder über 90 Prozent.

Während Sie auf volle Auftragsbücher verweisen, beklagen Anwender Probleme bei der Bau-elementeversorgung. Wo liegen derzeit die Lieferzeiten von IR?

Wenn wir den Distributionsbereich betrachten, würde ich sagen, der Durchschnittswert liegt bei 12 bis 16 Wochen. Daran hat sich auch in den letzten Wochen nichts verändert. Wir haben unsere Lieferverpflichtungen in den letzten Wochen und Monaten eingehalten. Ich gebe Ihnen aber Recht, dass die Versorgung der Kunden derzeit oft nach dem Prinzip »Von der Hand in den Mund« verläuft. Ich kann derzeit nirgendwo einen signifikanten Lageraufbau feststellen. Das gilt sowohl für die Distribution als auch für OEMs und Auftragsfertiger.

Was wird von Seiten IRs unternommen, um die Liefersituation am Markt zu entspannen? Planen Sie eine Erweiterung Ihrer Produktionskapazitäten?

Ein klares Nein, wenn es um den Aufbau eigener, zusätzlicher Fertigungskapazitäten geht. Wir haben zuletzt die alte Fab in Santa Clara geschlossen und die Fertigung nach San José verlagert. Der Bau einer weiteren eigenen Fab gehört nicht zu unseren Plänen für die Zukunft. Wir werden sicherlich die eine oder andere Maschine kaufen, um Engpässe im Produktionsfluss zu beseitigen, aber kein neues Werk errichten. Stattdessen bauen wir unsere Kooperationen mit Foundries aus. Unser Ziel ist es, den Anteil der eigenen Fertigung, der in der Vergangenheit bei fast 100 Prozent lag, in Zukunft auf etwa 70 Prozent zu reduzieren. Dazu werden wir zukünftig auch mit mehr als zwei Foundries zusammenarbeiten. Doch das geht nicht von heute auf morgen: Sie müssen den Prozess transferieren, sie müssen ihn qualifizieren, und dann muss man den Fertigungsprozess hochfahren, das nimmt alles Zeit in Anspruch.

Rechnen Sie noch für dieses Jahr mit einer Entspannung auf dem Bauelementemarkt?

Hätten Sie mir diese Frage im März gestellt, wäre meine Antwort wohl »ab Juni« gewesen. Nun gehe ich davon aus, dass die derzeitige Marktsituation sich wohl noch bis in das vierte Quartal hinziehen wird.

Ihr Unternehmen scheint auf dem besten Weg zu sein, wieder die 1-Mrd.-Dollar-Umsatzschwelle zu erreichen . . .

Wir gehen davon aus, dass die Umsätze im vierten Quartal wohl ein Volumen von rund 260 Mio. Dollar erreicht haben. Trotz dieser positiven Entwicklung werden wir im Geschäftsjahr 2009/10 aber noch unter der Milliarde Dollar bleiben. Für die Zukunft ist das aber ein durchaus realistisches Ziel. Es hätte auch einen wichtigen psychologischen Effekt für die Mitarbeiter. Auch das Signal, das ein solches Umsatzvolumen an unsere wichtigsten Kunden senden würde, hätte für die Zukunft sicherlich einen verstärkenden Effekt.

Würden Sie die Tatsache, dass IR wieder vor allem als MOSFET-Company gesehen wird, als Ihren größten Erfolg bezeichnen?

Wenn der Trend der letzten Monate sich als stabil erweist, werden wir 2011 wieder ganz klar weltweit die Nummer 1 bei PowerMOSFETs sein. Das war unser erklärtes Ziel, und wir werden es in der vorgegebenen Zeit erreichen. Mindestens ebenso wichtig ist aber auch der Bewusstseinswandel im Unternehmen: weg von einer dogmatischen hin zu einer pragmatischen Haltung. Wir bieten dem Kunden heute nicht nur High-End-Produkte an, wir bieten Lösungen an, sei das nun auf IC- oder auf Modulebene. Wir setzen unser umfangreiches Power-Management-Know-how in den verschiedensten Produkten um. In den letzten zwei Jahren hat sich die Zahl der Neuvorstellungen deutlich erhöht. Effizienz und Effektivität sind für mich der Schlüssel zur Profitabilität.

Wie wichtig war es in diesem Zusammenhang, dass es IR im März-Quartal gelungen ist, erstmals wieder mehr als 100 Mio. Dollar mit diskreten Produkten zu erzielen?

Es zeigt, dass es uns gelungen ist, in diesem Produktsegment wieder eine solide Position bei unseren Kunden erreicht zu haben. Wir stehen wieder oben auf der Produktliste, wenn es um die Auftragsverteilung geht. Wir haben die Marke IR in diesem Segment wieder erfolgreich repositioniert und eine funktionierende Lieferkette installiert. Nun können wir die Früchte dieser Anstrengungen ernten.