Die Vision wird real KI gibt Chiplets Schwung

Offenes Ökosystem

Wären dazu Silizium-Interposer erforderlich?

Nicht alle auf Chiplets basierende Produkte benötigen Silizium-Interposer. Andererseits wird es auch Produkte geben, die nur über Interposer funktionieren können. Noch ist nicht klar, ob Interposer standardisiert werden können oder ob sie überhaupt standardisiert werden müssen. High-Bandwidth-Memory ist ein Beispiel für ein offenes Multi-Chiplet-Produkt, das Interposer verwendet. Aber selbst innerhalb dieses wohlbekannten Alltagsprodukts sind die Designs der Interposer nicht offen.

Wann wird die Chiplet-Umgebung soweit gediehen sein, dass die ersten Anwender mit ihren ersten Chiplet-Designs starten können?

Wir erwarten den ersten Draft der ODSA schon im vierten Quartal dieses Jahres. Dann sollten die ersten Test-Chips mit Interface Mitte 2020 kommen und erste Chiplet-Produkte werden vermutlich Mitte 2021 auf den Markt kommen.

Derzeit gibt es zwei Gruppen, die sich zum Ziel gesetzt haben, ein Ökosystem rund um Chiplets aufzubauen: Common Heterogeneous Integration and IP Strategies (CHIPS) und Open Domain Specific Accelerator (ODSA), hinter der Netronome und die Open Compute Project Foundation stehen. Was ist der Unterschied zwischen beiden Initiativen?

Die beiden Initiativen ergänzen sich und sie adressieren unterschiedliche Designanforderungen. CHIPS hat einen speziellen, auf einem Interposer basierenden PHY-Layer ausgewählt. Die aus der DARPA hervorgegangene Initiative arbeitet mit EDA-Tools, die sich noch auf der Stufe der akademischen Forschung befinden, und das Silizium wird mithilfe der fortschrittlichsten und damit auch teuersten Prozesstechniken gefertigt, wie sie für den Einsatz im Verteidigungsbereich üblich sind.

Die ODSA konzentriert sich auf die Definition der Schnittstelle oberhalb des PHY-Layer. Das sollte die Entwicklungs-, Design- und Fertigungskosten senken und müsste die Integration in reale Industrieumgebungen über die Open Compute Project Foundation beschleunigen. Die ODSA wird von den Fortschritten innerhalb von CHIPS genauso profitieren wie umgekehrt CHIPS von ODSA.

Firmen wie AMD, Intel, Nvidia und Xilinx sowie die großen Foundries verfolgen ebenfalls das Chiplets-Konzept. Wollen sie nur ihr eigenes Süppchen kochen oder können sie auch zum offenen Ansatz von ODSA und CHIPS beitragen?

Viele offene Software-Konzepte, beispielsweise Hdoop, sind ursprünglich innerhalb großer Unternehmen definiert worden. Dasselbe dürfte für den neuen Ansatz der Chiplets gelten. Ingenieure von Intel, Xilinx, XP und anderen Herstellern besuchen und beteiligen sich an den Meetings der ODSA und OCP. Wir erwarten, dass das offene Ökosystem von ihrem tiefen Design-Wissen profitieren wird, auch wenn die Entwicklungen innerhalb der Unternehmen zunächst auf Basis proprietärer Schnittstellen durchgeführt werden.