Das Potenzial der Speicher-ICs KI ermöglichen, Kosten für autonomes Fahren drücken

Dr. Reinhard Weigl, Micron: »Über virtuell geteilte Speicher auf Basis von SR-IOV-Funktionen lassen sich erhebliche Kosteneinsparungen für autonomes Fahren erzielen, das damit dem Massenmarkt einen Schritt näher kommt.«

Speicher für KI, Kostensenkungen für autonomes Fahren und die Langzeitverfügbarkeit von Speicher-ICs zählen zu den Schwerpunkten, die Micron sich im Automotivebereich für 2020 gesetzt hat.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir jetzt den Tiefpunkt erreicht haben und dass es ab der zweiten Jahreshälfte wieder zu einem eher ausgeglichenen Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage kommt«, sagt Dr. Reinhard Weigl, Geschäftsführer von Micron Semiconductor Deutschland. Die Lagervorräte seien jetzt abgebaut. Dann wäre das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Speichermarkt wieder einigermaßen im Gleichgewicht. Jetzt sieht er für dieses Jahr ein solides Wachstum auf der Bedarfsseite.

Nun sind Umsatzrückgänge zwischen 20 und 30 Prozent in einer Abschwungphase für Hersteller von Speicher-ICs nichts Ungewöhnliches. Dennoch ist dieser Zyklus für Micron etwas ganz Besonderes, wie Weigl erklärt: »Obwohl wir im Geschäftsjahr 2019 in einem Down-Trend waren, konnten wir jedes Quartal den Cash-Flow positiv halten und solide Ergebnisse erzielen. Wir sehen eine schrittweise Verbesserung, besonders in der zweiten Jahreshälfte. Eine positive Ausnahme gab es 2019 auch: »Im Automotive-Bereich hatten wir ein kontinuierliches Umsatzwachstum, unabhängig von Zyklen.« Was sich auch ganz unabhängig am Aktienkurs ablesen lässt: Die Börse honoriert offenbar die Performance von Micron, denn die Kurse befinden sich fast schon auf einem All-Time-High, während eines Abschwungs ebenfalls ein ungewöhnliches Ereignis.

Das hätte unter anderem daran gelegen, dass auch die übrigen großen Speicherhersteller vernünftig investiert hätten. Vernünftig heißt in diesem Falle: Sie richteten ihre Investitionen in neue Kapazitäten an dem zu erwartenden Bit-Wachstum aus: »Niemand hat überstürzt gehandelt«, so Weigl. Wer sich schon länger mit dem Speichermarkt beschäftigt, weiß, dass dies in der Vergangenheit auch schon anders gewesen ist, als Firmen im Abschwung kräftig Geld investiert hatten – woher es auch immer kam –, um dann vom einsetzenden Aufschwung und der Nachfrage nach den neusten IC-Generationen sehr früh zu profitieren, nämlich dann, wenn die Preise eben am höchsten sind.

Dass nun aber die Zyklen aus dem Speichergeschäft verschwinden, wie es über die vergangenen Jahrzehnte immer mal wieder prognostiziert wurde, glaubt Weigl nicht: »Meine persönliche Meinung ist, dass sich die Frequenz der Zyklen erhöhen wird, die Amplituden aber zurückgehen.« Das gebe der Speicher-IC-Industrie insgesamt die Hoffnung, in Zukunft besser durch die Zyklen zu kommen, denn die Speicherhersteller mussten in Abschwungzeiten nicht nur kräftige Umsatzeinbußen, sondern auch horrende Verluste hinnehmen.

Auf der technischen Seite stürmt die Entwicklung mit hoher Geschwindigkeit voran. Zu den Highlights für dieses Jahr zählt Weigl die neuen 3D-Xpoint-SSDs, die Micron in diesem Jahr einführen wird: »Sie werden die schnellsten auf dem Markt erhältlichen SSDs sein, wie auch in unabhängigen Tests ermittelt wurde.«

Was die NAND-Flash-Speicher anginge, so würde Micron in diesem Jahr sogar Speicher mit weit mehr als 100 Layern auf den Markt bringen. Insgesamt werde der größte Teil der NAND-Speicher in der 3D-Technik gefertigt werden.

Dieser Trend ist nicht mehr aufzuhalten, insbesondere am Konsumgütermarkt. Doch es gibt nach wie vor viele Anwender in der Industrie und insbesondere in der Automobilindustrie, die gerne NAND-Speicher-ICs mit geringeren Kapazitäten einsetzen würden. Was aber geschieht, wenn die kleinste Kapazität eines NAND-ICs die benötigte Dichte der kleinsten Speicherkarten übersteigt? Auch wenn die planaren Techniken für die Fertigung kleinerer Speicherdichten noch einige Zeit parallel zu den 3D-Typen weiter laufen wird – irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem größere 3D-Typen billiger sind als die in alten 2D-Prozessen hergestellten Versionen mit kleineren Kapazitäten. Die Vermutung liegt nahe, dass spätestens zu diesem Zeitpunkt viele zu den dann günstigeren 3D-Typen wechseln und die überschüssigen Speicherkapazitäten einfach brach liegen lassen werden.

Doch es gibt durchaus Anwendungsgebiete mit beachtlichen Umsätzen, die nicht so einfach wechseln können und auf langfristigere Lieferfähigkeit angewiesen sind. Für diese Kunden hat Micron eine Besonderheit aufgebaut: Die Fab 6 in Virginia, die ausschließlich für die Fertigung von Legacy-Produkten betrieben wird. »Schon das dürfte einzigartig sein«, freut sich Weigl.