ZVEI sieht Deutschland noch führend KI-Anstrengungen müssen erhöht werden!

ZVEI-Pressekonferenz auf der HMI 2019 in Hannover.
ZVEI-Pressekonferenz auf der HMI 2019 in Hannover.

In der Industrie 4.0 ist Deutschland laut ZVEI noch führend. Doch auch die Politik müsse lernen, in Ökosystemen zu denken.

»Mehr kann immer getan werden«, sagt Michael Ziesemer, Präsident des ZVEI zu der gegenwärtigen Situation rund um Industrie 4.0 und KI in Deutschland. »Was die Digitalisierung der Industrien angeht, haben wir die Nase vorn.«

Das unterstreicht Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung: »Bei Industrie 4.0 schaut die Welt auf Deutschland und in diesen Tagen nach Hannover. Wir haben mit der Plattform, dem Labs Network sowie dem Standardization Council ein Ökosystem Industrie 4.0 geschaffen, das weltweit seinesgleichen sucht. Folglich wollen alle mitmachen – die USA, China, Japan und so manches Land mehr.«

Dass die deutsche Industrie auf diesem Gebiet im weltweiten Wettbewerb zurückgefallen sei, kann er nicht erkennen. Auch Ziesemer erklärt, das Gegenteil sei der Fall: »Industrie 4.0 geht jetzt in breitem Umfang in den Markt, auch KI wird integriert und es werden bereits große Menge von Daten gesammelt, um Big Data umzusetzen.« Mit Blick auf den Wettbewerb lässt er sich sogar einen kleinen Seitenhieb auf die angelsächsische Welt nicht entgehen: »Was dort bisweilen unter dem Begriff KI betrieben wird, ist teilweise hanebüchen.«

Allerdings sieht er hierzulande durchaus auch Handlungsbedarf: »An der Kommerzialisierung hapert es noch.« Hier sei auch die Politik gefragt, die den Rahmen dafür abstecken muss, um etwa die dazu erforderliche Infrastruktur zielführend aufbauen zu können«, erklärt Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, gerade in der KI-Frage gelte das. »Die Politik muss lernen, in Ökosystemen zu denken, und auch einmal damit anfangen, sich selber digitale Geschäftsmodelle zu geben«, so Mittelbach weiter.

Womit wir schon bei 5G angekommen wären. Als einen »riesengroßen industriepolitischen Erfolg«, wertet Ziesemer, dass es dem ZVEI gelungen sei, »einen Teil der so eminent wichtigen Frequenzen aus der Auktion herauszuhalten und für die Industrie frei zu halten. 5G kommt damit dort an, wo es seine Stärken am besten ausspielen kann: in den Unternehmen.« Dabei will er öffentliche und private Netze nicht gegeneinander ausspielen. In kritischen Bereichen der Produktion aber könnten öffentliche Netze und die dort herrschenden Wettbewerbsbedingungen, denen die Telekommunikationsunternehmen unterliegen, nicht die richtigen Antworten geben. Andererseits führten proprietäre Systeme immer in eine Sackgasse, deshalb sei die bekleidende Standardisierung der öffentlichen und privaten Netze so wichtig.

Was das konkret bedeutet, hat auf der HMI die 5G-ACIA-Arbeitsgemeinschaft des ZVEI vorgeführt – auf Basis des 5G-Standards und von KI werde Industrie 4.0 einen neuen Schub erfahren. Vor einem Jahr gegründet, ist die 5G Alliance for Connected Industries and Automation auf 47 Mitglieder gewachsen, um für Automation und Anwenderindustrien eine gemeinsame Sprache zu finden. »Dass jetzt die Entscheidung getroffen wurde, ein Viertel der jetzt zur Verfügung stehenden Frequenzen für lokale Anwender freizuhalten, gebe nun Hunderten von Unternehmen die Möglichkeit, den Aufbau der Infrastruktur voranzutreiben, ohne dabei im gleichen Wettbewerb zu stehen wie Telekommunikationsunternehmen«, freut sich auch Dr. Klaus Mittelbach.

Dabei hielt er es auf der diesjährigen HMI für angebracht, sehr dediziert auszusprechen, »was vor wenigen Jahren auszusprechen noch nicht notwendig gewesen wäre«. Nämlich, dass »den digitalen Herausforderungen marktwirtschaftlich und nicht mit industriepolitischen Interventionismus« begegnet werden dürfe: »Privaten Investitionen ist grundsätzlich Vorrang vor staatlichen Investitionen und vor allem Subventionen einzuräumen.«

Die Elektroindustrie sei aber wettbewerbsstark, zurecht selbstbewusst und wolle sich messen, deshalb sei sie in Hannover, deshalb sehe der ZVEI laut Mittelbach auch speziell im Austausch mit China mehr Chancen als Gefahren: »Uns ist ein starkes China lieber als ein schwaches.«

Stark ist China auf jeden Fall schon jetzt, vor allem was die Investitionen in Gebiete angeht, in denen die chinesische Regierung das Land auf Spitzenpositionen katapultieren will. IoT gehört dazu und insbesondere auch in KI fließen hohe Beträge.

Damit Deutschland auf dem Gebiet der KI weiter vorne mitmischen kann, müsste also auch hierzulande kräftig investiert werden. Gerade auf diesem Gebiet nun tadelt Mittelbach die Bundesregierung: »Dass bis 2025 dafür nur noch 1 Mrd. Euro bereit stehen und andere Fördertöpfe geschröpft werden sollen, um die angekündigten 3 Mrd. Euro zu erreichen, ist alles andere als ambitioniert und kein gutes Zeichen.« Um den Anschluss auf dem Feld der KI nicht zu verlieren – von den fünf größten KI-Standorten weltweit befinden sich zwei in den USA, zwei in China und nur einer in Europa – nicht zu verlieren, müssten die Anstrengungen deutlich erhöht werden, nicht nur in Deutschland auch in Europa.