Chinas IC-Industrie Keine Chips ohne US-Technik

Blick in den Reinraum einer Halbleiter-Fab.
Blick in den Reinraum einer Halbleiter-Fab. Ohne Equipment aus den USA kann kaum produziert werden.

Ohne Zugang zu EDA-Tools und Equipment aus den USA können chinesische IC-Designer die nationalen Ziele des Landes nicht erreichen.

Denn wenn die Designer keine Updates mehr für ihre Entwicklungsprogramme bekommen, dann könnten sie auch keine neuen ICs mehr entwerfen. Mit diesen Worten zitiert die Nikkei Asian Review einen leitenden Mitarbeiter von NextVPU, einen in Shanghai ansässigen Hersteller von KI-Chips.

Die chinesische Regierung hatte das Ziel ausgegeben, 40 Prozent der Chips für die chinesische Industrie bis 2020 rund 70 Prozent der Chips  im eigenen Land zu entwerfen und zu fertigen, bis  2025 sollen es sogar 70 Prozent sein. Allerdings sind die chinesischen Hersteller – wie die Hersteller in der übrigen Welt auch – auf EDA-Tools, Maschinen für die Halbleiterfertigung, die dafür erforderlichen Materialien und IPs angewiesen, die zu einem großen Teil von amerikanischen Herstellern kommen. Die Lieferkette in der Halbleiterindustrie ist hochkomplex, so dass auch Systeme, die nicht von US-Unternehmen kommen, doch einen erheblichen Anteil an US-Technologie enthalten können – und umgekehrt. Um selber alles Herstellern zu können, wird China laut IC Insights noch Jahrzehnte benötigen.

Die chinesischen Anbieter haben es auch im eigenen Land schwer, weil die Leistungsfähigkeit den internationalen Wettbewerbern hinterherhinkt, vor allem aber, weil das Vertrauen in die relativ jungen Firmen fehlt. Viele Anwender setzen deshalb eher auf die etablierten Firmen. Bis jetzt hatten sie es jedenfalls häufig getan.

Am vergangenen Wochenende hat das Handelsministerium der USA allerdings weitere chinesische Firmen auf die »Entity-List« gesetzt, auf die Huawei bereits gelandet war. Diesmal hat es den Supercomputer-Hersteller Sugon, der Chips von AMD, Intel und Nvidia einsetzt. Neben weiteren drei Sugon-Töchtern ist auch das Wuxi Jiangnan Institute of Computing Technology auf der Liste gelandet. Nun dürfen US-Unternehmen auch diese Firmen nicht mehr beliefern.

Der weite Weg zur Unabhängigkeit

Laut den Analysten von TrendForce haben chinesische Unternehmen im vergangenen Jahr nur 15 Prozent der benötigten Chips selber entworfen.  

Von den ICs im Wert von 155 Mrd. Dollar, die 2018 in China verarbeitet wurden, haben Hersteller in China laut IC Insights selber 15,5 Prozent (24 Mrd. Dollar) produziert.  Davon fertigten Unternehmen mit Hauptsitz in China ICs im Wert von 6,5 Mrd. Dollar (27 Prozent), was nur 4,2 Prozent am Gesamtmarkt (155 Mrd. Dollar) entspricht. Den Rest produzierten ausländische Firmen mit eignen Fabs in China wie TSMC, SK Hynix, Samsung und Intel. IC Insights schätzt, dass von den ICs im Wert von 6,5 Mrd. Dollar, die chinesische Firmen gefertigt haben, ICs im Wert von 5,5 Mrd. Dollar aus Foundries wie SMIC stammen und die restlichen 1 Mrd. Dollar von IDMs.

IC Insgihts prognostiziert, dass die chinesische IC-Produktion bis 2023 auf 45,2 Mrd. Dollar steigt. Die Produktion aus China käme 2023 auf einen Anteil von nur 8,4 Prozent an einem Markt von dann 538 Mrd. Dollar Umsatz. Die chinesische IC-Produktion würde dann ungefähr 10 Prozent am Weltmarkt ausmachen.