32-Bit-Controller Kein neuerlicher Preiskampf

Der Preisdruck auf dem Mikrocontroller-Markt schien in den letzten Jahren nachgelassen zu haben. Doch jetzt erklärte Rob Lineback von IC Insights, dass der ASP für 32-Bit-MCUs in diesem Jahr um 15 Prozent gesunken ist, im Durchschnitt 7 Prozent pro Jahr.

Die Preisverfälle seien hier höher als bei 16- und 8-Bit-MCUs, sodass zu erwarten sei, dass die 32-Bitter bald billiger als die 16-Bit-Varianten sind. Hat der Preisdruck also wieder altbekannte Formen angenommen?

Nein. Keiner der befragten Halbleiterhersteller beurteilt die Situation wie IC Insights. Die Beurteilung, warum die Marktanalyse von IC Insights so ausgefallen ist, fällt von Hersteller zu Hersteller allerdings recht unterschiedlich aus. Armin Derpmanns, General Manager bei Toshiba Electronics Europe, glaubt beispielsweise, dass der Preisverfall in erster Line die generischen MCUs betrifft. Derpmanns: »Viele der 32-Bit-MCUs nutzen ARM-Cores, die für den Kunden eine einfachere Möglichkeit schaffen, den Hersteller zu wechseln, da hier Software wiederverwendet werden kann.« 8- und 16-Bit-MCUs sind dagegen proprietäre Implementationen eigener Cores, die somit nicht den gleichen Gesetzen unterliegen und damit stabiler im Preisgefüge liegen. – Norbert Siedhoff, Managing Director bei Microchip Technology, glaubt nicht, dass die Preiserosion bei den 32-Bit-Varianten so hoch ist, wie IC Insights errechnet hat. Die Preise würden bei laufenden Geschäften typischerweise nicht so weit sinken, da sich die Kosten ja auch nicht so stark verringern.

Hinzu kommt in diesem Jahr noch, dass die Kapazitäten eng waren, sodass die Preise sogar eher nach oben gingen. Siedhoff: »Auf keinen Fall ist eine Preisreduzierung von 7 Prozent typisch; bei den laufenden Geschäften sind die Preise relativ stabil.« Bei neuen Projekten, wo man eventuell mal aggressiver herangehe, kann es schon mal sein, dass sich die Preise leicht verringern. Aber: »Es ist unmöglich, dass der Preis im Durchschnitt um 7 Prozent pro Jahr sinkt, weil so viele neue Projekte kommen ja nicht zum Bestandsgeschäft dazu, dass damit der Schnitt so gesenkt werden könnte. Wenn die Preise im Schnitt überhaupt runter gehen, dann 1 bis 2 Prozent, aber nicht so wesentlich«, so Siedhoff.

Wobei Preisdruck überall im Automotive-Markt spürbar ist, so jedenfalls Stephan Reitemeyer, Senior Director der Automotive Solution Business Unit bei Renesas Electronics Europe. Wohl aber zum Aushalten, denn er erklärt auch: »Wir sehen erste Signale, dass Kunden sich über die Wertigkeit der Lieferkette Gedanken machen. Gleichzeitig entwickelt sich ein Bewusstsein, dass der Kostenanteil an einer ECU nicht primär durch den Mikrocontroller geprägt ist.« Zudem würde durch die anhaltenden Merger und Akquisitionen in der Halbleiterindustrie allen Beteiligten klar, dass es immer weniger Hersteller im Mikrocontroller-Markt gebe »und dass man den Preisdruck deshalb auch nicht überziehen darf«, so Reitemeyer weiter.

Und auch Jürgen Weyer, Vice President Automotive Sales & Marketing EMEA bei NXP Semiconductors, bestätigt, dass der vor einigen Jahren herrschende massive Preisverfall so nicht mehr existiert, die Situation hat sich entspannt »und das, obwohl der Großteil dessen, was heute verkauft wird, 32-Bit-Varianten sind«, so Weyer. NXP fertigt noch 16-Bit-Controller und diese MCUs werden auch noch lange geliefert, aber an der Fertigung dieser Controller ändert sich nichts mehr; die werden auch in Zukunft mit Hilfe von älteren Prozessen gefertigt, wodurch das Preisgefüge in diesem Leistungssegment ein anderes ist. »Klar, der MCU-Markt ist immer noch sehr wettbewerbsintensiv, aber die 32-Bit-MCUs bieten auch viele Wachstumsmöglichkeiten. Und im Automotive-Bereich ist eine gewisse Preisentwicklung sowieso vorgegeben, das erwarten die Kunden.

Aber die Preisverfälle wie vor ein paar Jahren haben sich nicht fortgesetzt.« – Geoff Lees, Senior Vice President & General Manager Microcontrollers von NXP Semiconductors, führt die Schätzungen der Analysten bezüglich der ASP-Entwicklung denn auch mehr auf Veränderungen des Produktmixes in Richtung Produkte mit niedrigeren Kosten und höheren Volumina zurück als auf einfache Preiserosion. Auch er weist darauf hin, dass in diesem Jahr allein die Kapazitätsbeschränkungen in der Industrie zu einer relativ stabilen Preisgestaltung auf vergleichbarer Basis beigetragen hätten.

Michael Anfang, Vice President Marketing & Application Automotive EMEA bei STMicroelectronics, liefert denn noch eine einleuchtende Erklärung dafür, wie IC Insights auf diese Zahlen kommt: »Was jetzt ans Tageslicht kommt, wurde vor Jahren gestaltet. Wenn wir heute über Preise reden, dann geht es um Projekte, die 2020/21 auf den Markt kommen. Die Zahlen von IC Insights spiegeln also letztendlich die Preiserosion wider, die wir schon vor Jahren durchlaufen mussten und was uns schlussendlich auch dazu gebracht hat, zu sagen, dass es so nicht mehr weiter geht.«