Silicon Laboratories IoT im Blut

Tyson Tuttle, Silicon Labs: »Früher lief die Entwicklung der Hardware- und Software-Plattformen getrennt ab. Geht es um IoT, glaube ich nicht, dass dieser Ansatz noch funktioniert. Ich bin vielmehr überzeugt, dass IoT die Integration von Hard- und Software erforderlich macht.«

Silicon Labs hat schon auf IoT-Anwendungen gesetzt, als der Begriff noch weit von dem Hype entfernt war, der mittlerweile damit verbunden ist. Markt&Technik sprach mit Tyson Tuttle, CEO von Silicon Labs, über das IoT-Geschäft, über RISC‑V und vieles mehr.

Markt&Technik: Silicon Labs hat in den letzten Quartalen sehr gute Zahlen vorgelegt. Inwieweit trägt das IoT-Geschäft dazu bei?

Tyson Tuttle: Nicht nur unsere Ergebnisse waren gut, auch unsere Prognosen. Das IoT-Business wuchs im zweiten Quartal sequenziell um 13 Prozent, einschließlich Übernahmen. Im dritten Quartal belief sich das sequenzielle Wachstum auf 8 Prozent. Im Jahresvergleich dürfte das IoT-Geschäft um rund 26 Prozent zulegen, und das ausschließlich organisch. Die Profitabilität in diesem Bereich ist mittlerweile ebenfalls sehr gut. Unser langfristiges Ziel ist es, dass das IoT-Geschäft um 20 Prozent pro Jahr wächst, und zwar ausschließlich organisch. Und wir sprechen derzeit von einem Geschäft mit mehr als 500 Mio. Dollar pro Jahr. Das heißt, dass die Umsätze in diesem Bereich jährlich um zirka 100 Mio. Dollar zulegen sollen. Ich denke, die 20 Prozent sind machbar. Die Herausforderung besteht darin, die finanzielle Stärke zu haben, um die R&D-Ressourcen bereitzustellen, mit der die gesamte Plattform entwickelt werden kann, also Software, Chips, Entwicklungs-Tools etc.

Wir haben bereits die erste komplette Plattform vorgestellt und arbeiten an der zweiten Serie. Die zweite Herausforderung besteht darin, die schiere Anzahl von Kunden zu unterstützen. Dementsprechend haben wir unsere Vertriebsorganisation verändert und wir arbeiten am Customer-Support, an der Community und an der Einfachheit im Design. Man muss sich immer fragen: Wie mache ich es für den Kunden einfach? Denn wenn die Entwicklung einfach ist, kann er sich auf andere Dinge konzentrieren und wir müssen ihn auch nicht mehr an die Hand nehmen. Für den letzten Punkt ist XPress ein gutes Beispiel.

Die Bruttomarge von Silicon Labs liegt bei zirka 60 Prozent. Gilt das auch für das IoT-Geschäft?

Wir geben nicht die einzelnen Zahlen für die verschiedenen Bereiche bekannt, aber das IoT-Geschäft liegt in diesem Bereich. Die Margen für die Module sind etwas geringer, weil hier der Anteil von Drittfirmen etwas höher ist. Wir haben in das IoT-Geschäft investiert und Firmen übernommen, das zahlt sich jetzt aus. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wie schnell das Geschäft wächst.

20 Prozent sind ein ambitioniertes Ziel; jetzt bedeutet das 100 Mio. Dollar mehr Umsatz, bei 1 Mrd. sind das schon 200 Mio. Dollar. Die Frage ist trotzdem, ob das Geschäft nicht noch schneller wachsen könnte. Außerdem stellt sich im IoT-Geschäft noch eine Frage: Wie ist es möglich, Software zu monetarisieren oder Dienste-Support, Device-Management und Updates etc. zu verkaufen? Ich bin überzeugt, dass die Software die nächste Generation von Dingen definiert. Das IoT erzeugt neue Geschäftsmodelle; es geht nicht mehr darum, ein Gerät zu verkaufen, sondern um zukünftige Umsatzströme.

Sie haben erklärt, dass IoT-Geräte besonderen Einschränkungen unterliegen. So müsse die Leistungsaufnahme im µW-Bereich liegen, die Batterielaufzeit rund 10 Jahre betragen und die Kosten im 10-Dollar-Bereich liegen. Bei den kürzlich vorgestellten Xpress-Modulen reden wir aber vom Cortex-M4, also weit weg von µW….

Nein, der Prozessor läuft ja nicht ständig. Wir reden hier von Systemen, die nur kleine Einschaltdauern aufweisen, also im Bereich von 0,01 Prozent. Das heißt, dass der Prozessor vielleicht alle 10 Minuten mal aufwacht, einen Wert liest und dann wieder schlafen geht. Wobei selbst dann der Prozessor nicht angeschaltet werden muss, weil Messungen auch unabhängig vom Prozessor durchgeführt werden können. All diese Anwendungen müssen mit einer Knopfzelle laufen und die muss zehn Jahre halten. Man macht also alles, um zu vermeiden, dass die CPU starten muss, und nutzt viele Techniken, um Energie zu sparen. Aber man braucht einen leistungsstarken Prozessor, der, wenn er läuft, die Aufgaben schnell und effizient bearbeiten kann. Außerdem ist klar, dass in den meisten dieser verbundenen Anwendungen der Leckstrom, sprich: Standby-Strom, und der Strom, der für die Übertragung benötigt wird im Funk, die eigentlichen limitierenden Faktoren sind.

Der Cortex-M4 ist also durchaus ein vernünftiger Core für Low-Power-Anwendungen, der auch einige architektonische Vorteile aufweist, beispielsweise beim Power-Management, Memory-Management, dem Datenerhalt etc.