Kommentar Intel braucht Mut und Furchtlosigkeit

Heinz Arnold, editor-at-large Markt&Technik, HArnold@weka-fachmedien.de
Heinz Arnold, Editor-at-Large von Markt&Technik

Ganz leicht dürfte der Weg nicht werden. Aber der bisherige Interims- und neue permanente Chef freut sich drauf. Einige Hürden kennt er schon länger.

Bob Swan hat den Posten des permanenten CEO von Intel nicht angestrebt – so ließ er jedenfalls kürzlich verlauten. Der Aufsichtsrat sah ihn anfangs dort ebenfalls nicht. Sonst hätte er nicht über sieben Monate – offenbar vergeblich – einen neuen Chef gesucht. Ob die vorsichtige Suche nach neuen Führungskräften zur künftigen Strategie des Aufsichtsrats wird? Der Nachfolger von Bob Swan, Todd Underwood, wird zwar CFO – aber wiederum mit dem Zusatz »Interim« auf der Visitenkarte. Jetzt wird also nach einem permanenten CFO gesucht - besonders vorbereitet sieht das nicht aus, mutig und furchtlos schon mal gar nicht.  

Genau das verlangt aber Bob Swan in einem Vier-Punkte-Kurzprogramm: Mut und Furchtlosigkeit. Zudem hat er vier Felder identifiziert, auf denen dringender Handlungsbedarf bestehe. Ob damit auch die neuen Prozesstechniken gemeint sind, deren Einführung nicht mehr so glatt über die Bühne geht, wie aus früheren Zeiten bekannt? Explizit nennt Bob Swan als Beispiele akuten Handelsbedarfs Märkte, die Intel adressieren könnte, in denen das Unternehmen aber nur geringe Marktanteile hätte. Er meinte wohl, dass die Marktanteile schon vor längerer Zeit hätten wachsen müssen. Adressierbar waren die Märkte bisher eben für andere Firmen, etwa ARM.

Dass sich der Markt weg vom PC entwickelt, dass die Welt datenzentrisch wird, dürfte ebenfalls kein Geheimnis mehr sein. Intel zu einem datenzentrierten Unternehmen zu führen, was ebenfalls ein Punkt seines Kurzprogramms ist, hatte sein Vorgänger auch schon versucht. Da dürfte es vor allem auf den dritten Aktionspunkt ankommen: Intel muss liefern. Genau darin liegt natürlich die Kunst. Die Chips für die vernetzte Welt zu entwickeln, die die Anforderungen der Kunden erfüllen – sowohl was die Leistungsfähigkeit als auch was den Preis angeht.

Eine wesentliche Rolle spielt dabei alles, was unter dem Begriff »künstliche Intelligenz« (KI) zusammengefasst wird. Intel ist eifrig damit beschäftigt, KI-Chips zu entwickeln – sowohl aus eigener Kraft als auch über Zukäufe. Das Unternehmen hat sich auf diesem Gebiet einige sehr interessante und vielversprechende Firmen einverleibt. Was an sich nichts bedeuten muss – gerade Intel ist dafür bekannt, aus Übernahmen nicht immer das Optimum herausgeholt zu haben.

Es wird also interessant zu sehen sein, wie sich der Markt für KI-Prozessoren zwischen etablierten Firmen und Newcomern aufteilen wird. Die Speicher-ICs werden ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Dringend gesucht sind die Nachfolger für die nichtflüchtigen Flash-Speicher, auch um neue Speicherarchitekturen zu realisieren. Hier spielt Intel mit der 3D XPoint-Technik schon mit.

Solche neuen Speichertechniken sind aber auch die Grundlage dafür, neue verteilte Speicherarchitekturen für komplexe KI-Chips zu realisieren. Erst sie könnten die vielen smarten Techniken, von denen alle sprechen, Wirklichkeit werden lassen – vielleicht sogar vollautonomes Fahren. Hier wären der Mut und die Furchtlosigkeit gefragt, die Swan in seinen vier Punkten nannte, um sich auf die Entwicklung von Dingen zu stürzen, die bisher als unmöglich galten. Wir dürfen also gespannt sein, was Mut und Furchtlosigkeit alles bewegen können – falls sie tatsächlich gefragt sind.