Fujitsu Electronics landet bei Kaga Innovationsbeschleuniger für Entwicklung von Subsystemen

Klaus-Peter-Dyck: »Fujitsu bildet den gesamten Entwicklungsprozess vom Design über die Beschaffung der Komponenten bis zur Produktion ab.«
Klaus-Peter-Dyck: »Fujitsu bildet den gesamten Entwicklungsprozess vom Design über die Beschaffung der Komponenten bis zur Produktion ab.«

Kaga übernimmt Fujitsu Electronics zu 70 Prozent. Das werde dem Spezialdistributor neuen Schub geben, um die Produktentwicklung für die Anwender beschleunigen zu können.

Bisher gehört Fujitsu Electronics zu 100 Prozent der Mutterfirma Fujitsu. Das wird sich Anfang nächsten Jahres ändern. Bis dann soll Kaga 70 Prozent an Fujitsu Electronics Europe übernommen haben.

Die japanische Kaga, die insgesamt 15 Werke betreibt, steht auf drei Säulen: Die Firma stellt unter der eigenen Marke Taxan beispielsweise Projektoren her, arbeitet als EMS und ist mit dem Kauf von 70 Prozent der Fujitsu Electronics nun auch in der Distribution tätig. Das ist laut Dr. Klaus-Peter Dyck, Senior Manager Marketing & Application von Fujitsu, genau der passende Partner. Denn Fujitsu Electronics ist seit der Ausgliederung aus Fujitsu ein Distributor der besonderen Sorte, der weniger mit den etablierten großen Distis in Wettbewerb tritt, sondern sich Hersteller für seine Linecard herauspickt, die in ihrem jeweiligen Gebiet etwas Einzigartiges offerieren. Dazu zählen unter anderem Ambiq micro, die Controller mit besonders niedriger Leistungsaufnahme entwickelt hat, E-Peas, ein Spezialist für Energy-Harvesting, Everpro, Hersteller von AOC-LWL-Kabeln, die USB 3 über 50 m übertragen können, sowie 3D Global, die Bildschirme fertigen, die 3D-Bilder wiedergeben, ohne dass der Betrachter dazu eine Brille benötigt.

Fujitsu hat sich nun laut Dyck zum Ziel gesetzt, die verschiedenen Produkte der Hersteller ihrer Linecard zu Systemen zu verbinden. »Die Idee dahinter: Wir bilden den gesamten Entwicklungsprozess vom Design über die Beschaffung der Komponenten bis zur Produktion.« Damit wirke Fujitsu als Innovationsbeschleuniger; die Anwender könnten so schneller und kostengünstiger als bisher marktreife Produkte entwickeln. Ein Beispiel dafür ist ein Low-Power-GNSS-Modul, in dem der entsprechende Chip von Sony steckt sowie ein Verstärker und NAND-Speicher, der Positionen zwischenspeichert und dafür sorgt, dass die MCU nicht kontinuierlich laufen muss und das Modul damit wenig Strom aufnimmt.

Ein weiteres Beispiel ist ein System zur Überwachung des Trocknungsprozesses von Lebensmitteln. Ein wesentliches Element dabei ist die Energy-Harvesting-Einheit von E-Peas, die in diesem Fall auf das Ernten von Energie aus HF-Strahlung optimiert ist. Eine Antenne in der Salami-Räucherkammer verteilt die Strahlung und die Sensoren an jedem Salamihaken können autark das Gewicht der Salami registrieren. So erkennen sie über den Gewichtsverlust den Wasserverlust und können damit den optimalen Reifegrad der Salami ermitteln. »Für die Betreiber hat sich die Investition in das System innerhalb von drei bis sechs Monaten amortisiert, das überzeugt«, sagt Dr. Klaus-Peter Dyck.

Über die Übernahme durch Kaga verspricht er sich jetzt zusätzlich Zugang zu weiteren interessanten Bauelementen, um Subsysteme realisieren zu können, sowie neue EMS-Kapazitäten: »Das ergänzt unser Know-how im Bereich der Systementwicklung vom Design über die Beschaffung der Bauelemente bis zur Fertigung der Produkte sowohl in der Prototypenphase als auch in großen Stückzahlen.« Umgekehrt bekomme Kaga, die bisher vor allem in Japan bekannt ist, Zugang zu den globalen Aktivitäten von Fujitsu. Das bestehende Netzwerk aus spezialisierten lokalen EMS-Unternehmen beispielsweise in Deutschland und Europa sowie aus asiatischen EMS-Firmen könne das von Kaga jetzt sinnvoll ergänzen. Auf diese Weise können wir unsere Strategie, besondere Subsysteme für die Kunden zu entwickeln, auf der Leiterplatte zu realisieren und in die Produktion zu bringen, auf globaler Ebene und auf lokale Märkte zugeschnitten weiter ausbauen, freut sich Klaus-Peter Dyck.

Fujitsu Electronics Europe auf der electronica 2018: Halle B5.117