Corona-Auswirkungen nicht abschätzbar Infineon zieht Jahresprognose zurück

Die Infineon Zentrale im Landkreis München – der Campeon.
Infineon erwartet, ein umfassendes Update zur wirtschaftlichen Entwicklung zum nächsten regulären Termin der Quartalskommunikation am 5. Mai geben zu können.

Wegen der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie zieht Infineon Technologies ihre bisherige Prognose für das Geschäftsjahr 2020 zurück.

Ursprünglich hatte Infineon einen Umsatzanstieg von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr angenommen (plus oder minus 2 Prozentpunkte). »Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie können jedoch zu einer Abweichung von den bisherigen Erwartungen führen und zu einem spürbaren Umsatzrückgang im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr«, teilte das Unternehmen jetzt mit.  

Für das laufende Quartal, das zum 31. März endet, erwartet Infineon, dass der Umsatz um das untere Ende des prognostizierten Bandes herum liegen wird.

»Oberste Priorität hat für Infineon, Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unserer Geschäftspartner zu schützen«, erklärt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Die schnelle und konsequente Umsetzung von Vorsichtsmaßnahmen, um hohe hygienische Standards zu gewährleisten und nicht notwendige soziale Kontakte zu vermeiden, habe dazu beigetragen, die Fortführung der Geschäftstätigkeit von Infineon sicherzustellen.

Produktion und Logistik laufen zum größten Teil

Alle größeren Fertigungsstandorte weltweit produzieren laut Infineon derzeit weiter, einige bei reduzierter Auslastung. Darunter sind auch Werke in Regionen wie Malaysia oder Kalifornien, in denen von den Behörden besonders strenge Ausgangseinschränkungen verhängt wurden.

Die Versorgung mit Rohmaterialien sei derzeit stabil. »Logistikketten inklusive alternativer Transportrouten wurden sichergestellt, um unsere Kunden weiterhin zu beliefern«, so Infineon. Darüber hinaus würden Forschung & Entwicklung, das Marketing, Vertrieb und Verwaltung weitergeführt, zu einem großen Teil durch Arbeit aus dem Home Office.

Doppelschock belastet zweites Halbjahr

Doch würden die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie das zweite Halbjahr des Geschäftsjahrs 2020 belasten. Die Zahl der produzierten und verkauften Fahrzeuge wird nach Einschätzung von Marktforschern im Vergleich zum Jahr 2019 deutlich zurückgehen. Ursache ist ein kombinierter Schock sowohl auf Angebots- als auch auf Nachfrageseite: Große Autohersteller und Zulieferer haben angekündigt, ihre Fertigung in Europa und den USA vorübergehend herunterzufahren, während sich die Situation in China wiederum langsam zu normalisieren scheint.

Darüber hinaus wird die Nachfrage der Verbraucher durch die Ausgangseinschränkungen in vielen Ländern negativ beeinflusst. Ebenso werden derzeit die Markterwartungen für diverse industrielle Anwendungen deutlich zurückgenommen.

Geschäftsfelder, die sich gut entwickeln

Daneben kann sich Infineon über Geschäftsfelder freuen, die sich in den aktuellen Marktturbulenzen vergleichsweise gut halten. Dazu gehören Produkte für die Kommunikation und Rechenzentren, getrieben durch den zunehmenden Bedarf an Online-Anwendungen zur Zusammenarbeit sowie durch den gestiegenen Datenverkehr. Steuerliche und sonstige Maßnahmen zur Bereitstellung von Liquidität, die derzeit von den Regierungen und Zentralbanken ergriffen werden, könnten aber erst nach einer gewissen Zeit ihre Wirkung entfalten.

Profitabilität wird sinken

Der zu erwartende verminderte Umsatz wird auch die Profitabilität von Infineon im Geschäftsjahr 2020 belasten, weil Leerstandskosten im Vergleich zu den bisherigen Annahmen höher liegen werden. Gleichzeitig führt Infineon die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Kostensenkung fort, Schritte zur Sicherung der Profitabilität und zur Stärkung des Cash-Flows erhalten hohe Priorität.

Langfristige, strukturelle Wachstumstreiber – darunter die Elektromobilität, das Internet der Dinge (IoT) oder Erneuerbare Energien – seien weiterhin intakt, es bestehe sogar die Möglichkeit, dass sie sich nach der Überwindung der Corona-Krise beschleunigt entwickeln werden. Weil aber derzeit nicht absehbar ist, wie lange und wie stark sich die Pandemie wirtschaftlich auswirken wird, sind auch die spezifischen Folgen für Umsatz und Ergebnis für das Geschäftsjahr 2020 nicht verlässlich abzuschätzen oder genauer zu quantifizieren.

Wie Infineon weiter mitteilt, beobachte das Management die Entwicklungen sehr genau und sei bereit, weiterhin schnell und flexibel zu handeln. Zum Management der Corona-Krise wurden gesonderte Maßnahmen ergriffen. Infineon erwartet, ein umfassendes Update zur wirtschaftlichen Entwicklung zum nächsten regulären Termin der Quartalskommunikation am 5. Mai geben zu können.