Warum RF-Power an Cree geht Infineon: Kein Ausstieg aus 5G

Ulrich Pelzer, Infineon: »Überall, wo es um 5G geht, sind wir sehr gut aufgestellt. Spätestens, wenn 5G auf Frequenzen von über 20 GHz beginnt, können wir richtig loslegen.«
Ulrich Pelzer, Infineon: »Überall, wo es um 5G geht, sind wir sehr gut aufgestellt. Spätestens, wenn 5G auf Frequenzen von über 20 GHz beginnt, können wir richtig loslegen.«

Jetzt kommt doch zusammen, was gut zusammen passt, nur ganz anders als Infineon sich das ursprünglich vorgestellt hat. Cree kann nun gestärkt in den 5G-Markt einsteigen.

»Einer der Gründe, wieso wir an einer Übernahme von Wolfspeed interessiert waren, war der enorme Vorteil, den eine gemeinsame Arbeit von Wolfspeed und Infineon im RF-Power-Geschäft bedeutet hätte. Das von Wolfspeed angebotene GaN-auf-SiC-Frontend passt sehr genau zu unseren LDMOS- und Backend-Kapazitäten. Leider haben die US-Behörden den Deal nicht erlaubt. Aber die grundlegende Idee dahinter blieb bestehen, und wir sind heute immer noch genauso wie damals davon überzeugt. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, einen neuen Anlauf für den Deal zu starten – nur umgekehrt mit Cree als Käufer«, sagt Ulrich Pelzer, CFO der Power Management & Multimarket-Division von Infineon Technologies im Gespräch mit Markt&Technik.

850 Mio. Dollar wollte Infineon für Wolfspeed ausgeben. Nun kauft umgekehrt die Cree-Tochter Wolfspeed das RF-Power-Geschäft von Infineon für 345 Mio. Euro. Doch hatte das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS), ein Ausschuss der US-Regierung, der die ausländischen Investitionen in den USA überprüft, Infineons Pläne auf den Kopf gestellt, als es sein Veto eingelegte: Das Engagement der Münchner könnte amerikanische Interessen gefährden, weil der geplante Kauf von Wolfspeed durch Infineon ein Risiko für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika darstelle. Bedeutsam aber wäre die Übernahme aber vor allem für den zivilen Markt und insbesondere für den ersten Schritt im Aufbau der neuen 5G-Infrastruktur gewesen.  

Doch für alles was darüber hinaus geht sieht sich Infineon für den Aufbau von 5G weiterhin sehr gut aufgestellt. »Der Verkauf bedeutet keinesfalls, dass sich Infineon aus dem 5G-Rennen verabschieden will«, erklärt Ulrich Pelzer. Denn das RF-Power-Geschäft, das Infineon an Cree verkauft, betrifft nur LDMOS und GaN-auf-Siliziumkarbid-Komponenten, die hohe Verstärkungsleitungen bis teilweise 1.000 W bei Frequenzen bis 6 GHz erreichen.

In diesem Bereich ergänzen sich die Produktspektren der Cree-Tochter Wolfspeed und Infineon hervorragend. Weil die US-Regierung dem Kauf von Wolfspeed durch Infineon aber einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, analysierte das Unternehmen nüchtern. Ergebnis: Jetzt wollen die Münchner Cree und Wolfspeed – mit beiden Firmen besteht eine gute Zusammenarbeit – stärken, anstatt alleine gegen eine starke Wolfspeed und die übrigen Wettbewerber ein eher vergebliches Rennen überhaupt erst zu beginnen. Diese Strategie – abgeben, was alleine nicht mehr bestehen kann – hatte in der Vergangenheit schon recht gut geklappt. Der spektakulärste Fall war bisher der Verkauf von Wireless Solutions (Baseband-ICs) 2010 an Intel gewesen – für 1,4 Mrd. Dollar. Auch in diesem Fall hatte Infineon eine als nicht mehr wettbewerbsfähig betrachtete Position aufgegeben, um sich besser auf die Kernbereiche fokussieren zu können – und ist nicht schlecht damit gefahren.