Geoff Lees, NXP Semiconductors »In derselben Liga wie Snapdragon, AMD und Nvidia«

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Sie erwähnten vorher, dass NXP dann in derselben Liga wie Nvidia spielen wird, aber einen leistungsfähigen Prozessor zu entwickeln, der 200 W verbraucht, kann ja nicht das Ziel von NXP sein, oder?

Nein, Nvidia ist ein besonderer Fall. Immer wenn das Unternehmen eine Volumenanwendung adressiert, geht es um das High-End. Es sieht danach aus, als würde sich Nvidia jedes Mal nach einem erreichten Meilenstein nicht darauf konzentrieren, das Ganze in die Breite zu bringen, sondern eher darum, den nächsten Meilenstein zu nehmen. Vor drei Jahren dachten wir zum Beispiel, dass Tegra ein allgemein eingesetzter Automotive-Prozessor wird. Aber er ist in keinem einzigen System zu finden. Nicht wegen der Leistungsaufnahme, sondern weil Nvidia vielmehr daran interessiert ist, den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen. Nvidia hat beispielsweise 600 oder 800 mm2 große Deep-Learning-Engines entwickelt, mit denen sie jetzt in allen Super-Computern vertreten sind. High-End ist ihr Geschäftsmodell, nicht Volumen.

i.MX 10 ist die Nachfolgegeneration nach i.MX 8?

Im Automotive-Bereich ja. Für Mscale/Media ist es die i.MX-9-Familie. Für diese Familie haben wir bereits im letzten Jahr Cortex-A55 lizenziert, derzeit entwickeln wir Video- und AR/VR-IP, die wir für diese Video-Plattform brauchen, und zwar intern. Die i.MX-10-Familie wiederum wird auf dem nächsten großen Prozessorkern von ARM basieren.

Cortex-A77?

Nein, die Generation danach.

Gibt es schon einen konkreten Zeitplan?

Bevor Kechichian zu NXP kam, hatten wir einige Bedenken, was machbar ist. Jetzt denken wir in einem größeren Rahmen. Wir sehen die jüngsten Roadmaps von TSMC und Samsung mit 5 nm und EUV – plus/minus einem halben Knoten. Und ich bin mir sicher, diese Technologien werden in ein paar Jahren sehr konkurrenzfähig sein.

5 nm mit EUV, ist das nicht noch etwas weit entfernt?

Nein, TSMC fertigt jetzt schon 7-nm-SoCs. Die Foundry hat bereits 5-nm-PDKs entwickelt und die wichtigsten Kunden arbeiten bereits mit diesen Strukturgrößen. Das heißt nicht, dass wir jetzt sofort mit 5-nm-Entwicklungen anfangen, aber wir planen derzeit, Mitte nächsten Jahres ebenfalls auf die 5-nm-PDKs von TSMC zurückzugreifen.

Ist i.MX-10 nur für Automotive-Anwendungen gedacht? Oder ist geplant, dass die erste Familie eine reine Automotive-Familie wird und weitere Familien folgen, die in andere Marktsegmente wandern sollen?

Gute Frage – wir wollen eine gemeinsame Plattform entwickeln, keine gemeinsamen Chips. Das heißt, dass jede Business-Group ein und dieselbe Plattform nutzen wird, auf der Cluster mit CPU-Cores der nächsten Generation, das GPU-System, das Video-System integriert sind. Die jeweiligen SoCs, die wir basierend darauf entwickeln werden, fallen dennoch unterschiedlich aus. Beispielsweise ist davon auszugehen, dass unser Networking-Team eine digitale Many-Core-Processing-Engine entwickelt; wir von der MCU-Group wiederum werden vielleicht die Hälfte einer dieser Cluster nutzen und das zum Kernstück unserer i.MX-10-Produkte machen.

Es ist klar, dass wir spezifische Hardware entwickeln werden. Denn i.MX 10 wird sicherlich mehr Grafikfunktionalität benötigen als eine digitale Networking-Engine. Auch dürften bei uns die Anforderungen an eine Machine-Learning-Engine höher ausfallen, ähnlich den Anforderungen, die ein SoC für ADAS-Anwendungen im Automotive-Markt erfüllen muss. Aber alle Entwicklungen basieren auf derselben Allgemeinarchitektur.

Der Vorteil einer gemeinsamen Plattform besteht darin, dass wir Entwicklungen nicht doppelt machen und dass wir viel komplexere Entwicklungen realisieren können. Denn anstatt auf nur 500 Ingenieure in meiner MCU-Group kann ich in Zukunft auf 2500 Ingenieure zurückgreifen.