Trotz Corona In China haben eigene Chips erste Priorität

Dass IC-Fabs selbst in der Sperrzone Wuhan weiter in Betrieb blieben und bleiben, zeigt, welch enormen Stellenwert China in den Aufbau einer eigenen IC-Industrie legt.

Ganz Wuhan lag seit dem 23. Januar 2020 still, nirgendwo durfte mehr produziert werden. Doch es gab Ausnahmen: Chip-Fabs wie Yangtze Memory Technologies. Obwohl sonst niemand in das Sperrgebiet aus- oder einreisen durfte, wurden gesunde Mitarbeiter von außerhalb in speziellen Wagons der Hochgeschwindigkeitszüge nach Wuhan und dann zum Werk von Yangtze Memory Technologies gebracht. Dort hatten bereits Arbeiter in rotierenden Schichten ausgeharrt, die eigentlich nur die Fertigung über das chinesische Neujahrsfest hätten aufrecht erhalten sollen. Sie durften das Werksgelände nicht verlassen und mussten 10 bis 12 Stunden pro Tag arbeiten – nun wurden sie abgelöst.

Die neu angekommenen Arbeitskräfte mussten auf dem Werksgelände in speziell eingerichteten Unterkünften eine Woche in Quarantäne verbringen. Erst dann durften sie in die Produktionen, wie Nikkei Asian Review berichtet.

Denn die Speicher-IC-Fab war eine der ganz wenigen Produktionen in Wuhan, die nicht geschlossen wurden. Mit spezieller Erlaubnis der Behörden konnten Waren und Arbeitskräfte in die Fab gelangen. Yangtze Memory suchte und stellte während der Zeit sogar neue Mitarbeiter in praktisch allen Bereichen von der Fertigung bis zum Marketing ein.

Dahinter steht das unbedingte Ziel Chinas, sich von der Abhängigkeit der Chiplieferungen aus den USA und anderer westlicher und asiatischer Länder zu befreien und eine eigene Chipindustrie aufzubauen. Denn bisher sind die großen chinesischen Systemhersteller wie Huawei, ZTE, Alibaba und Lenovo zum großen Teil auf den Import der wichtigen ICs angewiesen.

Schon 2014 hatte China den »China Integrated Circuit Industry Investment Fund«, kurz »Big Fund« aufgesetzt, über den rund 20 Mrd. Dollar in den Aufbau der chinesischen IC-Industrie fließen sollten. Bis 2020 sollten 40 Prozent der von der chinesischen Industrie benötigten Chips aus eigener Produktion kommen, bis 2025 rund 70 Prozent. Wie IC Insights ermittelt hat, kann die chinesische IC-Industrie derzeit nur rund 4 Prozent des heimischen Bedarfs decken.

Yangtze Memory wurde 2016 gegründet, hinter dem 24-Mrd.-Dollar-Projekt stehen die Tsinghua Unigroup, die Provinz Hubei und der »Big Fund«. Die Speicher-Fab soll bei Fertigstellung über eine Kapazität von 300.000 Wafern pro Monat verfügen – was 20 Prozent der globalen NAND-IC-Produktion entspräche. Zudem will Yangtze Memory auch in Chengdu in der Provinz Sichuan eine Fab mit einer Kapazität von 300.000 Wafern pro Monat errichten. Gerade hat Yangtze Memory die Fertigung von 64-Layer-3D-NAND-Flash-ICs aufgenommen. Dass das Unternehmen weiter aufholen kann, ist wahrscheinlich.