Die Folgen der Katastrophe in Japan IHS iSuppli: Engpässe und steigende Preise

Das Erdbeben in Japan könnte laut IHS iSuppli zu signifikanten Engpässen im Bereich bestimmter elektronischer Komponenten führen, die Preise könnten dramatisch steigen.

HIS iSuppli zitiert Toshiba, die Nummer 2 unter den Flash-Produzenten, mit den Worten, dass die Lieferungen von NAND-Flash-Speichern aus der Fab in Zentraljapan um 20 Prozent zurückgehen könnten. Die ausgefallene Produktionsmenge könnte aber die Nummer 1 unter den Herstellern, Samsung, zumindest teilweise kompensieren.

Weniger direkte Schäden an Produktionsanlagen seien für drohende Engpässe die Ursache, die Analysten rechnen vielmehr damit, dass die Schäden in der Infrastruktur dazu führen, vor allem an den Verkehrswegen und in der Energieversorgung. Zu den von Lieferengpässen betroffenen Komponenten zählte IHS iSuppli NAND-Flash-Speicher, DRAMs, Mikrocontroller, Standard-Logik, LCDs sowie Bauelemente und Materialien, die für den Aufbau von LCD-Bildschirmen benötigt werden.

60 Prozent der Silizium-Produktion in Japan

Japan ist mit einem Anteil von 60 Prozent an der Weltproduktion der größte Hersteller von Silizium. Wenn Silizium knapp würde, wirke sich das nicht nur auf die NAND-Speicher und die übrigen oben genannten Produktgruppen aus, sondern auch auf alle weiteren Halbleiterprodukte auf Silizium-Basis wie MOSFETs, Bipolar-Transistoren und Kleinsignaltransistoren.

IHS iSuppli rechnet damit, dass über die nächsten zwei Wochen die Lieferungen aus Japan deutlich zurückgehen könnten. Allerdings hätten sich die Lagerbestände in der Lieferkette schon vor der Katastrophe auf einem hohen Niveau eingependelt, es seien also genügend Bestände vorhanden, um den Verlust über die nächsten Wochen abzufedern. Deshalb würden Engpässe vor Ende März/Anfang April nicht spürbar. Danach könnten die Anwender aber mit Lieferproblemen und gestiegenen Preisen bis hinein ins dritte Quartal zu kämpfen haben.

Im Moment wirkt sich die Katastrophe »psychologisch« aus, die Preise steigen. Für NAND-Speicher höherer Speicherkapazitäten hätten die Anwender auf dem Spot-Markt bereits um 10 Prozent mehr zu bezahlen als vor dem Beben. Die Preise für DRAMs sind seien seit vergangenem Freitag um 7 Prozent geklettert, allerdings könnten OEM-Kunden im DRAM-Bereich weiter mit eher stabilen Preisen rechnen.

Kaum direkte Schäden in Halbleiterwerken

Die meisten Hersteller elektronischer Komponenten betreiben ihre Werke im Süden von Japan, der weder vom Erdbeben noch von Tsunamis direkt betroffen war. Trotzdem stünden auch sie vor Transportproblemen. Das betrifft die Auslieferung der fertigen Produkte genauso wie den Transport der dafür erforderlichen Rohmaterialien. Unterbrechungen in der Energieversorgung führten zu einem reduzierten Ausstoß.  

Dem Epizentrum des Erbebens nahe liegt ein Werk von Hitachi für die Produktion von kleineren und mittelgroßen LCD-Bildschirmen. Das Unternehmen hat die Fertigung vorläufig unterbrochen, um eventuelle Schäden zu ermitteln. Selbst wenn keine Schäden festgestellt würden, leide die Fab laut iSuppli voraussichtlich unter den Stromausfällen. Hitachi liefert die dort gefertigten LCDs unter anderem an Nintendo für Spielekonsolen und an LG für Handys.

Am Rande der vom Erdbeben betroffenen Zone liegt ein Werk von Panasonic, das LCD-Bildschirme (6. Generation) für Fernseher der eigenen Marke sowie für chinesische Hersteller produziert. In diesem Werk könnte die Fertigung temporär betroffen sein.

Nach Auskunft von HIS iSuppli befinden sich die Hersteller von Komponenten für die LCD-Produktion wie Glas, Farbfilter und Polarisationsfilter außerhalb der Erdbebenzone und seien nicht von Schäden betroffen. Aber auch hier gilt: die Auswirkungen der Unterbrechungen in der Energieversorgung sind schwer vorher zu sagen.