Cypress Semiconductor »Ich glaube nicht an künstliche Intelligenz«

Hassane El-Khoury, Cypress Semiconductor: »Vor 15 Jahren wurde die Kaufentscheidung für ein Auto noch aufgrund der PS-Zahl getroffen, vor fünf bis acht Jahren wiederum ging es darum, wie hoch der Spritverbrauch des Motors ist. Und heute sind Fragen, wie viel Komfort und Annehmlichkeiten das Auto bietet, für die Kaufentscheidung ausschlaggebend. Und genau hier sind wir aktiv.«

Hassane El-Khoury ist seit gut zweieinhalb Jahren CEO und President von Cypress Semiconductor. Er hat das Unternehmen deutlich umgekrempelt und bislang wohl richtig gelegen. Markt&Technik sprach mit ihm über die Zukunft von Cypress, über KI und den immer wichtiger werdenden Automotive-Markt.

Markt&Technik: Cypress hat Ende letzten Jahres mit SK Hynix System IC ein Joint-Venture für NAND-Flash gegründet, weil sich das Unternehmen auf seine Kernkompetenzen fokussieren will. Warum hat Cypress nicht das gesamte Geschäft an SK Hynix verkauft?

Hassane El-Khoury: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zu desinvestieren. Man kann den Bereich zum Beispiel verkaufen und sich damit aller Probleme entledigen. Dieser Weg ist aber normalerweise mit Risiken für die Kunden verbunden. Wir wollten aber nicht die vollständige Kontrolle über den Bereich verlieren. Besonders im Automotive-Markt ist es wichtig, dass sich für die Kunden nichts ändert. Und mit dem JV haben wir genau das erreicht: Unsere Kunden müssen nicht neu qualifizieren.

Sie gehen davon aus, dass MCUs und Connectivity für die nächsten drei Jahre die größten Wachstumstreiber für Cypress sein werden. Connectivity soll sogar noch schneller als der Markt wachsen. Warum?

Geht es um Connectivity, erwarten wir mehr, weil wir bereits Marktanteile gewinnen und stärker als der Markt gewachsen sind. Im ersten Jahr, nachdem wir das Wireless-Internet-of-Things-Business von Broadcom übernommen hatten, sind wir im Bereich Connectivity um 46 Prozent gewachsen. Das war natürlich hauptsächlich durch die Übernahme begründet, aber auch im Jahr danach konnten wir um 20 Prozent zulegen, also Marktanteile gewinnen. Und das wird sich fortsetzen.

Basiert das überdurchschnittliche Wachstum vor allem auf den Kombo-Chips von Cypress?

Ja, der große Treiber sind unsere Kombo-Chips, sie stehen für ungefähr 50 Prozent des Umsatzes in diesem Bereich, weil sie genau das bieten, was der Markt braucht. Kein anderer Hersteller hat diese Kombination derzeit im Portfolio.

Die MCUs wachsen weit weniger schnell.

Da muss man genau auf die Berechnungsmethode schauen: Sobald ein Controller über Connectivity verfügt, wie unsere Wireless-MCUs, rechnen wir ihn insgesamt zum Bereich Connectivity. Nun zu den MCUs: Unsere 32-bit-Typen sind um 33 Prozent gewachsen, der 32-bit-MCU-Markt wuchs nur um 15 Prozent. Warum liegt unser gesamter CAGR trotzdem unterhalb des Marktdurchschnitts? Weil wir einige Altlasten mit uns führen. Durch den Merger mit Spansion kamen viele Controller in unser Portfolio. Einen Teil davon fahren wir jetzt runter. Es ist aber ganz klar: In den Bereichen, in die wir investieren, liegen unsere Wachstumsraten deutlich höher als der Marktdurchschnitt. Im Bereich der 32-bit-MCUs dürften wir, gemessen am Wachstum, die Nummer 1 sein. Und insgesamt liegen wir im MCU-Ranking auf Platz 5 oder 6. Damit bin ich ziemlich zufrieden.

Wieviel trägt USB zum überdurchschnittlichen Wachstum im Connectivity-Bereich bei?

USB ist nicht so groß ist wie der Wireless-Connectivity-Bereich. Die Wachstumsraten liegen aber ähnlich hoch. Die letzten zwei Quartale haben wir den Umsatz mit USB C verdoppelt, allerdings von einem kleinen Ausgangswert kommend. Wir sind weltweit die Nummer 1 bei USB und wir sind die Nummer 1 bei USB C.

USB C wandert nicht nur in PCs, sondern auch in Drucker, Fernseher etc. Alles geht auf USB C über. Wenn man sich die Wachstumsraten der verschiedenen USB-Generationen anschaut, dann hat USB C die beiden Vorgängervarianten um den Faktor 4 übertrumpft. Das zeigt die deutlich höhere Durchdringungsrate von USB C im Vergleich zu den Vorgängern.

Ich gehe davon aus, dass die Wachstumsraten von USB C in den nächsten fünf Jahren ziemlich hoch sein werden. Bei Typ C haben wir 30 bis 35 Prozent Marktanteil. Und Automotive wird der nächste Markt für Typ C sein. Bereits heute erzielen wir 30 Prozent unseres Umsatzes im Automobilbereich, bei USB C sind wir Marktführer, das heißt, dass wir davon ausgehen, dass wir vom USB-C-Boom im Fahrzeug besonders profitieren werden. Für 2021/2022 rechnen wir mit ersten nennenswerten Umsätzen mit USB C im Auto.

Sie erwarten außerdem, dass Cypress neue Anwendungen im Fahrzeug gewinnt und damit der von Cypress gelieferte Halbleiter-Content deutlich steigen wird.

Wenn Sie sich einen BMW der 7er-Serie von 2017 ansehen, dann sind in diesem Fahrzeug Halbleiter für knapp 80 Dollar von Cypress verbaut, und dieses Fahrzeug ist bereits in der Produktion. Der Großteil unserer Halbleiter wandert in Infotainment und Body-Anwendungen, dazu zählen wir Connectivity, Touch-Controller, MCUs für Instrumenten-Cluster, Speicher, PMICs etc.