Weitere US-Sanktionen befürchtet Huawei hamstert Komponenten

Huawei bereitet sich auf eine Verschärfung der US-Sanktionen vor und legt Vorräte auf Lager: Die USA könnten weiter an der Schraube drehen.

Weil Huawei befürchte, dass die USA die Technologiesanktionen verschärfen könnten, lege das Unternehmen jetzt größere Lagerbestände für Komponenten an, die für den Einsatz in den Telekommunikationsgeräten von Huawei vorgesehen sind. Das will die Nikkei Asian Review aus mehreren Quellen erfahren haben. Die Lagerbestände sollten für ein Jahr ausreichen. Denn Huawei rechnet trotz der Entspannung im Handelskrieg zwischen den USA und China damit, dass die USA die Sanktionen gegen schon im kommenden Monat verschärfen könnten.

Ren Zhengfei, Gründer und CEO von Huawei erklärte am Dienstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, dass Huawei auf weitere Sanktionen vorbereitet sei und dass deren Auswirkungen auf das Unternehmen nicht signifikant sein würden.

Hinter der Befürchtung, dass die USA den Druck auf Huawei erhöhen könnte, steht offenbar auch das Verfahren gegen Meng Wanzhou in Kanada. Sie ist CFO von Huawei und die Tochter von Ren Zhengfei. Noch in dieser Woche soll entschieden werden, ob Kanada sie an die USA ausliefern werden. Dort ist sie wegen Betrugs und Verstoßes gegen die Iran-Sanktionen angeklagt.

Derzeit gilt die Regel, dass Produkte von Firmen außerhalb der USA nach China geliefern werden dürfen, solange der US-Gehalt in den Geräten 25 Prozent nicht überschreitet. Das wäre bei den Chips, die beispielsweise TSMC für die Huawei-Tochter HiSilicon fertigt, der Fall. Allerdings könnten die USA den Anteil des US-Gehalts deutlich absenken, um die Sanktionen zu verschärfen.

Außerdem haben die USA noch ein weiteres Mittel in der Hand: Sie könnten die Ausfuhrbeschränkungen auch auf die Hersteller der Maschinen ausdehnen, mit denen die ICs gefertigt werden. Viele von ihnen sitzen in den USA, und ohne deren Maschinen können Fabs weltweit nicht produzieren.  

Derzeit versucht Huawei laut Nikkei Asian Review viele ihrer Zulieferer zu überzeugen, in China Fertigungen aufzubauen. Umgekehrt wollen die USA TSMC überzeugen, eine Fertigung in den USA zu errichten, auch wenn TSMC sich offiziell keinem Druck aus den USA ausgesetzt sieht.

Insgesamt beträgt das Einkaufsbudget von Huawei rund 70 Mrd. Dollar pro Jahr. Mit Smartphones generierte Huawei im vergangenen Jahr rund 50 Prozent des Umsatzes in Höhe von 124 Mrd. Dollar. Jetzt wolle Huawei sich vor allem die Bauelemente für den Einsatz in der 4G- und 5G-Infrastruktur wie Basisstationen und Router sichern. Smartphones hätten nicht die erste Priorität. Die USA fürchten, dass Huawei in diesen Geräten Hintertürchen einbauen könnte, die es chinesischen Stellen erlaube, zu spionieren und zu hacken.