Drohender US-Bann Huawei hamstert ICs für ein Jahr

Huawei steht in vielen westlichen Ländern wegen Sicherheitsbedenken unter Beschuss.
Die USA bedrohen Huawei auf zwei Ebenen: Noch gefährlicher als der Ausschluss vom US-Markt ist für das größte chinesische Unternehmen der drohende Bann, der es von der Lieferung von Komponenten abschnitte, die mit Hilfe amerikanischer Technik hergestellt werden.

Huawei will Komponenten auf Lager legen, um sich trotz US-Bann für ein Jahr versorgen zu können. China wird sich jetzt erst recht unabhängig machen wollen. Das ist schwierig.

Das habe das Unternehmen, das im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 93 Mrd. Euro kam,  gegenüber Kunden schon vor sechs Monaten angekündigt und sich damit auf eine weitere Eskalation vorbereitet wie Nikkei Asian Review erfahren haben will. Insgesamt will Huawei ICs und andere Komponenten außerhalb der USA eingelagert, um ein Jahr Lieferbann überstehen zu können.

Außerdem versucht Huawei, mehr und mehr ICs selber herzustellen. Besonders abhängig ist das Unternehmen ebenso andere chinesische Firmen noch von den High-End-HF- und den photonischen Chips. Das wird sich auf absehbare Zeit kaum ändern lassen.

Die Eskalation treiben die USA auf zwei Ebenen voran: Am vergangenen Mittwoch hatte Präsident Trump ein Dekret herausgegeben, nach dem sich die USA im nationalen Notstand befänden und keine Technik im eigenen Land einsetzen sollten, die von ausländischen Feinden benutzt werde, um in den USA zu spionieren. Wer genau dazu zu zählen sei, soll über die kommenden 150 Tage geklärt werden. Entsprechende Geräte dürfen amerikanische Firmen nicht kaufen. Das Dekret wendet sich zwar nicht gegen spezielle Firmen, es ist aber kein Geheimnis, dass insbesondere Huawei (wie zuvor schon ZTE) im Visier der Amerikaner steht. Seit 2012 kann Huawei praktisch kaum noch Equipment in den USA verkaufen, alle großen amerikanischen Telefongesellschaften werden keinerlei Infrastrukturausrüstung  von Huawei für den Aufbau von 5G kaufen.

Die größte Drohung

Schwierig wird es für Huawei aber vor allem wegen der zweiten amerikanischen Eskalationsstufe: Ebenfalls am vergangenen Mittwoch gab das amerikanische Handelsministerium eine Liste von Firmen heraus (Entity List), die eine Gefahr für die amerikanischen Sicherheit darstellten. Die Unternehmen auf der Liste dürfen nicht mehr von amerikanischen Firmen beliefert werden. Huawei steht auf der Liste. Derzeit ist lediglich unklar, wann die Bestimmungen gegen die Firmen auf der Liste in Kraft treten werden. Dann werden die dort aufgeführten Unternehmen eine besondere Genehmigung benötigen, um von Firmen, die amerikanische Technik verwenden, weiterhin beliefert werden zu können

Was das bedeutet hatte, ZTE erfahren, über die die USA im vergangenen Jahr einen Lieferbann verhängt hatten. Das Unternehmen hatte ohne Komponenten aus den USA binnen kurzem kaum noch Geräte fertigen können und geriet an den Rand des Bankrotts bevor die USA die Maßnahmen nach Konsultationen auf höchster Ebene wieder aufhoben.

Huawei hat zwar große Anstrengungen unternommen, ich von Zulieferern aus den USA unabhängig zu machen, aber es dürfte noch einige Zeit dauern, bis es soweit ist. Die Chip-Tochter HiSilicon lässt die ICs vor allem bei TSMC fertigen. Ein wesentlicher Teil des Intellectual Property kommt von ARM, eine britische Firma, in die sich die japanische SoftBank eingekauft hat. Die USA können auf diese Unternehmen in den Ländern ihrer Verbündeten zumindest Druck ausüben. Nikkei Asian Review berichtet, dass bei Huawei-Zulieferern wie Sony und TSMC bereits Krisensitzungen abgehalten wurden, um zu besprechen, welche Konsequenzen die noch vage gehaltenen amerikanischen Ankündigungen für sie nehmen könnten.

Abhängig nur von Chips? Equipment und EDA fehlen auch

Umso wichtiger dürfte es für China werden, das Ziel von »Made in China 2025«umzustzen und bis in sechs Jahren 75 Prozent der benötigten ICs selber herzustellen. Wie verwundbar China ist, hatte nicht nur die Episode mit ZTE gezeigt. Weniger bekannt wurde, dass ein aufstrebender chinesischer DRAM-Hersteller, der Ende 2018 die Produktion in einer eigenen Fab hochfahren wollte, nicht mehr von amerikanischen Firmen beliefert werden durfte: Fujin Jinhua Integrated Circuit steht in Verdacht, in den USA Firmengeheimnisse von Micron gestohlen zu haben. Das zeigt, dass die chinesische Industrie nicht nur von amerikanischen Chiplieferungen abhängig ist, sondern auch von Maschinen zur Fertigung der Chips: Ohne Maschinen keine eignen ICs.

Zudem sind auch die meisten EDA-Unternehmen in den USA angesiedelt, ohne die es kaum möglich ist, die Chips zu entwerfen, um sie dann in den Fabs mit Hilfe der entsprechenden Maschinen zu fertigen.

Die Abhängigkeiten sind sind also vielfältig und der Weg zur Unabhängigkeit von amerikanischen und westlichen Zulieferern dürfte selbst für China und selbst mit hohen Investitionen schwer werden.