IHS iSuppli Halbleiterprognose nach unten korrigiert

Die Prognosen für das Umsatzwachstum im Halbleitermarkt und die dazugehörigen Korrekturen
Die Prognosen für das Umsatzwachstum im Halbleitermarkt und die dazugehörigen Korrekturen

Erst Gartner, jetzt IHS ISuppli: Beide Marktforschungsunternehmen haben mittlerweile ihre Prognosen für das laufende Jahr über das zu erwartende Halbleiterwachstums nach unten korrigiert.

Auch die Gründe für die Korrektur sehen gleich aus: das sich verschlechternde wirtschaftliche Umfeld und der zunehmende Pessimismus auf der Consumer-Seite, was die weltweite Nachfrage nach Elektronik negativ beeinflusst. War IHS ISuppli im August dieses Jahres noch davon ausgegangen, dass der weltweite Halbleitermarkt in diesem Jahr um 4,2 Prozent wachsen wird, so sollen es jetzt nur noch 2,9 Prozent sein, was zu einem Gesamtvolumen von 313,3 Mrd. Dollar führt. Dale Ford, Vice President, Electronics Supply Chain and Semiconductors bei IHS: »Der anhaltende Einfluss einer schwachen und stagnierenden Wirtschaftslage wird sich auch 2012 auf den Halbleitermarkt auswirken, so dass wir davon ausgehen, dass im nächsten Jahr nur noch ein Wachstum von 3,4 Prozent möglich sein wird.«

Diese Entwicklung spiegelt auch die Korrektur des GDP-Wachstums wider (GDP: Gross Domestic Product). Im März war noch von einem Plus von 3,7 Prozent ausgegangen worden, im September hieß es dann, dass nur noch ein Plus von 3,0 Prozent erwartet wird.

Es bestehen manche Ähnlichkeiten zwischen heute und dem Downturn von 2008/2009. Dieser hatte damals zur Folge, dass der Halbleiterumsatz im Jahr 2008 um 5,3 Prozent und im Jahr 2009 sogar um 11,6 Prozent zurückging. Aber Ford beruhigt die Gemüter, denn er ist der Überzeugung, dass die Halbleiterhersteller in diesem Jahr mithilfe einer schnellen Anpassung ihrer Geschäftsstrategie verhindern können, dass ihre Umsätze schrumpfen. »Keiner hat die schmerzhaften Rückgänge im Speichermarkt 2008 und 2009 vergessen, deshalb arbeitet die gesamte Versorgungskette der Halbleiterindustrie bereits daran, die Lagerbestände und Produktionskapazitäten zu reduzieren. Aufgrund dessen glauben wir, dass der Halbleitermarkt trotzdem noch im einstelligen Bereich wachsen kann.«

Die japanischen Halbleiterhersteller hatten in diesem Jahr mit den Auswirkungen der Tsunami-Katastrophe im Frühjahr zu kämpfen. Doch mittlerweile haben alle Hersteller ihre Produktionen wieder im Griff, und Ford geht sogar davon aus, dass die mittlerweile erfolgte Erholung des japanischen Marktes einschließlich steigender Nachfrage im japanischen Markt den Halbleiterherstellern einen moderaten Aufschwung im zweiten Halbjahr bescheren wird.

Aber trotz der Erholung in Japan hält Ford die Möglichkeit einer erneuten weltweiten Rezession für real. IHS glaubt, dass die Wahrscheinlichkeit dafür derzeit bei 40 Prozent liegt. Wenn die Wirtschaft in diesem Jahr allerdings noch in eine Rezession schliddert, dann erwartet Ford, dass der Halbleitermarkt in diesem Jahr stagniert. Viel schlimmer wären allerdings die Auswirkungen auf die gesamte Elektronik-Supply-Chain im nächsten Jahr, denn mit einer erneuten Rezession würde sowohl die Nachfrage als auch das Halbleiterangebot instabil, woran sich auch bis 2013 nichts ändern soll.

Auf die Wachstumsmärkte bezogen, erklärt Ford, der Halbleiterumsatz werde in der drahtlosen Kommunikation dank Smartphones und Tablets in diesem Jahr um 16,7 Prozent wachsen. Auch der Umsatz mit Halbleiter für die Datenverarbeiten soll noch ein niedriges einstelliges Wachstum aufweisen, obwohl die Notebook-PCs unter dem Druck der Tablets durchaus gelitten hätten. Die Nachfrage nach Halbleitern in der Industrieelektronik war ebenfalls gut, so dass hier auch ein Wachstum erwartet wird. Schlecht sieht es dagegen für die bedrahtete Kommunikation und die Consumer- und Automotive-Elektronik aus: In allen drei Bereichen erwartet Ford einen Umsatzrückgang für die Halbleiterindustrie.

Für die einzelnen Produktbereiche wiederum prognostiziert Ford ein starkes zweistelliges Wachstum, wenn es um NAND-Speicher, Bildsensoren, LEDs und andere Sensoren geht. Der Umsatz mit DRAMs allerdings soll um mindestens 18 Prozent zurückgehen.