Kommentar Gute Zeiten für ICs!

Heinz Arnold, Chefredakteur
Heinz Arnold, Chefredakteur HArnold@markt-technik.de

Der Halbleitermarkt schrumpft mal wieder – aber das ist vor allem der Überkapazität im Bereich der Speicher-ICs zuzuschreiben. Ohne die Speicher-ICs wächst der Markt sogar.

Die meisten Marktforschungsfirmen prognostizieren dem Halbleitermarkt dieses Jahr einen Rückgang. Jüngst gesellte sich IDC zu dieser Gruppe: Mit einem Minus von 2,3% auf 324 Mrd. Dollar rechnen die Analysten. Und das nach einem leicht negativen Verlauf im vergangenen Jahr. Ein Schuldiger ist schnell gefunden: Der Umsatz mit Chips für Computer wird in diesem Jahr laut IDC um 6,2% sinken. Das trifft vor allem die Speicherhersteller, weil der Nachfragerückgang auf Überkapazitäten trifft. Um 20% werde deshalb der Umsatz mit DRAMs einbrechen, der Umsatz im NAND-Speichersegment um 10%. Soviel übrigens zu der Vermutung, dass das Zeitalter der Zyklen in der Halbleiterindustrie überwunden sei.

Genau dies ist aber der Lichtblick: Der Einbruch der Speicher überdeckt die Tatsache, dass sich der übrige Halbleitermarkt gar nicht so schlecht entwickelt – auch wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen: Um die Speicher-ICs bereinigt, wird der Markt immerhin um 2% zulegen. Denn in vielen Marktsektoren ist der Appetit nach Chips weiterhin stark, das gilt für die Industrie genauso wie für den Consumer-Markt und Automotive.

In diesem Zusammenhang ist ein Blick auf die Top-20-IC-Hersteller interessant. IC Insights hat gerade die Zahlen für das erste Quartal 2016 veröffentlicht. Dass SK Hynix und Micron mit einer Umsatzentwicklung von –30 bzw. –28% tief einbrechen, wundert nicht. Die Pure-Play-Foundries, die IC Insights in ihre Betrachtung mit aufnimmt, müssen ebenfalls Federn lassen: TSMC fällt um 12% zurück, GlobalFoundries um 5% und UMC um 9%.

Dagegen ist Intel/Altera um 9% gewachsen und verteidigt damit den ersten Platz souverän vor Samsung, die praktisch nicht zulegen konnte. Besser als Intel erging es unter den Top 20 nur NVidea mit +15%, Mediatek mit +12% und Apple mit +10%. Und auch Infineon kann sich über ein deutliches Plus von 7% freuen, was umso interessanter ist, als außer den genannten Firmen kein weiteres Unternehmen im ersten Quartal Zuwächse erzielen konnte und die Top 20 insgesamt um 6% weniger Umsatz erwirtschaftet haben als im ersten Quartal 2015.

Doch, wie gesagt, prinzipiell sehen die Aussichten für die Halbleiterindustrie nicht schlecht aus. Die stürmische Entwicklung der Halbleiterindustrie über die vergangenen 40 Jahre hat die vierte industrielle Revolution ausgelöst – und sie wird die Nachfrage nach Chips weiter nach oben treiben.

Stichwort 40 Jahre: Über diesen Zeitraum begleitet die Markt&Technik die technische und wirtschaftliche Entwicklung auf dem Elektronikmarkt Woche für Woche. In unserer Jubiläumsausgabe zum 40. Geburtstag (erscheint am 24. 6. 2016) beleuchtet die Redaktion der Markt&Technik die Entwicklung der verschiedenen Branchen in der Elektronikindustrie und zieht Lehren aus ihrer teils verschlungenen und immer wieder überraschenden Geschichte. Und wir wagen zusammen mit vielen Experten aus der Industrie einen weiten Blick in die Zukunft: Wie wird sich die Branche über die kommenden Jahrzehnte entwickeln? Freuen Sie sich also auf die Essenz aus 40 Jahren Elektronikindustrie – und auf die Visionen über das, was uns noch erwartet. Die Redaktion verspricht: Die Jubiläumsausgabe zum 40. Geburtstag der Markt&Technik durchzublättern, wird auch in einigen Jahren mit Sicherheit noch Freude bereiten und Aha-Erlebnisse auslösen!