Interview Globales Design im Wandel - Wie reagiert die EDA-Branche?

Glenn Dukes, Synopsys: »Wichtig ist es, dass wir uns wirklich klar darüber werden, was genau und wie wir etwas konstruieren wollen, und dabei den Prozess so weit wie möglich automatisieren«.
Glenn Dukes, Synopsys: »Wichtig ist es, dass wir uns wirklich klar darüber werden, was genau und wie wir etwas konstruieren wollen, und dabei den Prozess so weit wie möglich automatisieren«.

Die Wachstumsfaktoren für globales Design haben sich gewandelt. Synopsys ist davon zweifach betroffen: Das EDA-Unternehmen nutzt globales Design und bietet gleichzeitig Werkzeuge dafür an. Wir sprachen mit Glenn Dukes von Synopsys über Chancen und Anforderungen des globalen Designgeschäfts.

Wurden früher Chipdesign-Firmen in Regionen gelockt, die niedrigere Fixkosten boten, beschäftigen Unternehmen heute globale Designteams, weil sie die besten Talente für den Auftrag haben wollen - egal wo sich diese Talente befinden. Nun, da sich die neuen Märkte gerade positiv entwickeln, verringern sich zwar die Kostenvorteile, aber der Talentvorsprung nimmt spürbar an Bedeutung zu.

Als Folge dieses gewandelten Schwerpunkts wird weltweite Entwicklung praktisch eine Notwendigkeit für expandierende Designfirmen. Und noch etwas hat sich geändert: War es früher für Chipfirmen schwierig, globales Design erfolgreich ohne zahlreiche Face-to-Face-Meetings umzusetzen, hat die moderne Kommunikationstechnik Abhilfe gebracht.  Wir sprachen mit Glenn Dukes, Vice President Synopsys Professional Services.


Markt&Technik: Was bedeutet diese Entwicklung für Synopsys?

Glenn Dukes: Bei Synopsys sehen wir globales Design von beiden Seiten. Einerseits bieten wir unseren weltweiten Kunden Support und Services, andererseits nutzen wir selbst globales Design - sowohl in der IP-Entwicklung als auch als Berater bei der Zusammenarbeit mit den Designteams der Kunden.

Das klingt etwas allgemein; was hat Synopsys konkret unternommen?

Unsere globale Präsenz ist mit den Bedürfnissen unserer Kunden gewachsen. 1995 eröffneten wir beispielsweise unser erstes Büro in Indien, um nah am Kunden zu sein. Der Kosten- und Zeitaufwand für die Leitung ausgelagerter Teams ist allerdings hoch, und es ist nicht die effizienteste Art, die finanziellen Ressourcen einer Firma zu nutzen. Unsere Erfahrung hat uns über die Jahre - sowohl intern als auch als Dienstleistungsunternehmen - eine wertvolle Einsicht in die Herausforderungen gegeben, denen Firmen gegenüberstehen, wenn sie global werden.

Wie und wohin hat Synopsys denn noch weitere Teams ausgelagert?

Synopsys hat zum Beispiel bedeutende Investitionen in Armenien getätigt, was zu großen IP- und PDK-Entwicklungsteams führte. Eines unserer letzten Service-Projekte band Synopsys-Berater aus dem Pazifikraum, den USA, aus Großbritannien, Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten ein. Das Projekt forderte die gesammelten Fähigkeiten und Erfahrungen der Ingenieure in den unterschiedlichsten Regionen, und die befanden sich an sechs verschiedenen Orten.

Wäre es nicht besser, wenn das Entwicklerteam im wahren Sinne des Wortes »die Köpfe zusammenstecken« kann?

Um eines klarzustellen: Ein gemeinsamer Standort für globale Teams ist für kurze Phasen von enormem Vorteil. Meiner Erfahrung nach ist ein gemeinsamer Standort besonders beim Beginn neuer Designprojekte nützlich, weil er sowohl die Teambildung unterstützt als auch ein breites Verständnis der Zielvorgaben und Pläne sicherstellt. Für kurze Zeiten ist ein gemeinsamer Standort extrem wertvoll, beispielsweise in Projektphasen, in denen noch viele Unklarheiten bestehen oder ein breites Spektrum an Kreativität geboten ist. Designteams, die sich an einem gemeinsamen Ort befanden, konnten jahrelang mit legeren Managementabläufen arbeiten. Ausgelagerte Teams zu leiten, fordert ein Mehr an Disziplin beim Management.

Was ist im Zuge dieser Globalisierung für den Erfolg eines EDA-Unternehmens entscheidend?

Der richtige Einsatz von Technologie ist fundamental, um globale Entwicklung zu ermöglichen. Daten zu zentralisieren, schafft Transparenz - jeder arbeitet mit denselben Werkzeugen, Abläufen und Entwicklungsdaten. Zentraler Zugang auf die Daten über ein gemeinsames Rechenzentrum kann viele potenzielle Probleme entschärfen, die ansonsten für das Datenmanagement und die Revisionskontrolle hinderlich wären.

Die Nutzer brauchen einen sicheren Zugang, um auf die Entwicklungsdaten zugreifen zu können. Wir nutzen dazu eine im eigenen Haus entworfene Entwicklungstechnologie zur Zusammenarbeit namens Design Sphere Access (DSA), die eine Infrastruktur zur Verfügung stellt, mit der Computerfarmen, Revisionskontrolle und sicherer Remote-Zugriff auf die Daten verwaltet werden können. DSA bietet den Entwicklungsteam-Mitarbeitern - egal ob von Synopsys oder den Ingenieure der Kunden - über eine sichere Thin-Client-Infrastruktur Zugang zu den Daten aus dem Rechenzentrum. Gemeinsamer Zugriff auf Daten und Revisionskontrolle ist die Basis dieser Infrastruktur.