Optimismus trotz Eintrübung Frohe Infineon-Botschaft aus dem Merkel-Flugzeug

Auf dem Rückflug von Japan sprach Dr. Reinhard Ploss, CEO von Infineon, einige muntere Worte live aus dem Flugzeug von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Trotz eines rückläufigen Quartals und Gegenwind aus der Weltwirtschaft korrigiert Infineon die Wachstumsprognose nur leicht nach unten.

Bemerkenswert war die Pressekonferenz zum ersten Quartal des Finanzjahres 2019 von Infineon aus mehreren Gründen: Zum ersten Mal wurde CEO Dr. Reinhard Ploss live zugeschaltet und sprach aus dem Flugzeug der Bundeskanzlerin, das sich gerade auf dem Rückweg von Japan befand. Das zeigt zumindest: Die Technik funktioniert.

Zweitens sprach Ploss wohl nicht nur deshalb so frohgemut seine Botschaft aus dem Flieger. Frohgemut klang er vor allem, weil vieles für Infineon weiter rund läuft – trotz einer nicht weg zu diskutierenden Eintrübung des Geschäfts.

So musste Infineon im ersten Quartal des Finanzjahres 2019 einen Umsatzrückgang um 4 Prozent gegenüber dem vorausgegangenen Quartal auf 1,97 Mrd. Euro hinnehmen, wie Finanzvorstand Dominik Asam erläuterte, der vor seinem Wechsel zu Airbus letztmalig die Quartalszahlen für seinen bisherigen Arbeitgeber bekannt gab.

Leistungshalbleiter weiter stark nachgefragt

Zwar hat Ploss  den Stimmungswechsel in der Weltwirtschaft zum Jahreswechsel zur Kenntnis nehmen müssen – »wir stellen uns darauf ein« –, dennoch korrigiert Infineon die Wachstumsaussichten für 2019 nur relativ leicht von 11 auf 9 Prozent herunter. Denn trotz der sich abkühlenden Weltkonjunktur, insbesondere dem Rückgang der verkauften Autos in China und dem schwächelnden Smartphone-Markt sowie Lagerbereinigungen im Bereich der Server, kann sich Infineon weiter über teilweise boomende Sektoren freuen. Das trifft für die Elektromobilität, dem autonomen Fahren und den Energiesektor zu, hier herrscht sogar auf dem Gebiet der Photovoltaik rege Nachfrage, was eher ungewöhnlich für die Jahreszeit ist.

Deshalb kann Infineon in einigen Bereichen vor allem der Leistungshalbleiter die Nachfrage nicht vollständig bedienen, es herrscht nach wie vor Allokation. Das verwundert nicht, sind doch in China trotz Rückgang der Kfz-Produktion insgesamt die Neuzulassungen von E-Fahrzeugen um 60 Prozent gestiegen, für dieses Jahr rechnet Helmut Gassel, Chief Marketing Officer, mit einem weiteren Plus im hohen zweistelligen Bereich. Zudem boomt weltweit die Entwicklung des autonomen Fahrens weiterhin und schließlich nimmt der Anteil der Elektronik und Leistungshalbleiter pro Auto weiterhin zu.

»Deshalb werden wir trotz einer sich flach entwickelnden Zahl der produzierten Autos weiterhin um 10 Prozent in 2019 wachsen«, ist Gassel überzeugt. Sehr positiv werde sich auch der Aufbau der 5G-Infrastruktur auf den Absatz der Leistungshalbleiter auswirken. Daran würde auch die Tatsache nichts ändern, dass mit Huawei ein guter Kunde von Infineon wegen Sicherheitsbedenken von der Teilnahme am Aufbau ausgeschlossen werden könnte. Infineon bediene – wie auf dem Gebiet der Smartphones übrigens auch – viele Kunden und sei auf einzelne nicht angewiesen. Dass die Diskussion um Hawei zu einem größeren Thema für Infineon werden könnte, glaubt er jedenfalls nicht.

Moderate Senkung der Investitionen

Dennoch reagiert Infineon sofort auf die neue Situation, geht mit Neueinstellungen vorsichtig um und fährt die für 2019 geplanten Investitionen zurück, zunächst um 100 bis 200 Mio. Euro – was rund 10 Prozent ausmachen dürfte. »Wir haben in der Boom-Zeit ja auch nicht gerade zimperlich investiert«, so COO Jochen Hanebeck. Davon sind aber strategische Projekte wie der Aufbau der 300-mm-Fertigng in Villach, der Ausbau von Back-End-Fertigungen und R&D-Projekte, etwa rund um SiC, nicht betroffen.

Dass es Infineon recht gut geht, zeigt auch die Marge von 18,2 Prozent. »Die Fertigung läuft wie ein Uhrwerk«, so Dominik Asam.  

Für die Zukunft stimmt ihn außerdem positiv, dass Infineon in wichtigen Zukunftsmärkten präsent ist, darunter Energie-Effizienz, Mobilität, Security und Big Data.

Besonders freut ihn, dass die Relevanz für Infineon als Hersteller von Halbleitern deutlich gewachsen sei. EU-Forschungsprojekte zeigten das genauso wie einige Auszeichnungen, die Infineon im vergangenen Jahr gewonnen hat.