Texas Instruments Frischer Wind in Freising

Stefan Bruder, Texas Instruments: »TI hat die Philosophie, vom Startup bis zum Weltkonzern alle Kunden direkt zu unterstützen und zu betreuen. Besonders Startups mit ihrer hohen Innovationskraft können wir mit unserem Systemgedanken helfen, damit diese Unternehmen Systeme schneller realisieren können und ein kurzes Time-to-Market realisieren.«

Seit Mai 2018 ist Stefan Bruder President EMEA bei Texas Instruments und damit Nachfolger von Jean-François Fau. Markt & Technik hat sich mit ihm getroffen und unter anderem nach seinen Zielen für TI und den Freisinger Standort gefragt.

Markt & Technik: Sie sind beachtlich jung für die Position.

Stefan Bruder: Das habe ich schon öfter gehört und auch in Kundengesprächen fällt der Altersunterschied manchmal auf. Ich glaube aber nicht, dass das Alter allein entscheidend ist. Ich bin bereits seit 13 Jahren bei TI und verfüge somit über einiges an Erfahrung. Außerdem kann ich dank meines Alters vollkommen neue Aspekte ins Gespräch bringen, die in der älteren Generation vielleicht gar nicht gesehen werden. Das in Kombination mit meinem sehr erfahrenen Team bringt sicherlich Vorteile für TI.

Worin sehen Sie als neuer EMEA-President Ihre Hauptaufgabe?

Meine Hauptaufgabe liegt darin, unsere Kunden zu unterstützen. Wir fokussieren uns bekanntermaßen auf zwei Applikationsbereiche: Industrie und Automotive. Beide Märkte sind in der EMEA-Region, für die ich zuständig bin, überaus wichtig. Also geht es mir um den Auf- und Ausbau neuer und bestehender Kundenbeziehungen sowie darum, mit Kunden in neuen Bereichen gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Was verstehen Sie unter neuen Bereichen?

Zum Beispiel macht der Industriemarkt derzeit enorme Veränderungen durch, denken Sie nur an Industrie 4.0. Bei diesem Thema sind wir dabei und treiben entsprechende Innovationen voran. Im Automobilbereich wiederum geht es um Themen wie ADAS, Elektrifizierung und autonomes Fahren. Auch hier entwickeln wir innovative Produkte, mit denen solche Systeme erst ermöglicht werden.

Gibt es noch weitere Ziele, die Sie sich für die nächsten zwei, drei Jahre gesetzt haben?

Ja. Wir möchten Startups stärker fördern, denn dabei handelt es sich meistens um sehr innovative Unternehmen mit einer entsprechend hohen Dynamik. Da diese oft aus Universitäten heraus entstehen, arbeiten wir eng mit diversen Universitäten, wie beispielsweise der TU München, zusammen.

Ist Deutschland in Hinblick auf Startups wirklich interessant?

Absolut. Es wird meist mehr über deutsche Startups berichtet, die im Bereich Software oder Dienstleistungen aktiv sind. Als Halbleiterhersteller sind für uns natürlich aber solche Startups besonders interessant, die entsprechende Produkte einsetzen. Zum Beispiel gibt es besonders in der Freisinger und Münchner Gegend, aber auch in Stuttgart oder Nordrhein-Westfalen viele Startups, die im Elektronikbereich tätig sind. Wir versuchen überall da aktiv zu sein, wo Elektronik entwickelt wird, und das deckt sich nicht immer mit den Regionen, auf denen eine hohe Medienaufmerksamkeit liegt.

Letztendlich helfen wir diesen Startups, von der Idee schnell zum Produkt zu gelangen. Hier können wir besonders gut unser System-Know-how und unsere Expertise, aber natürlich auch unser breites Produktspektrum nutzen.

Wir haben in München mit dem TechMatch bereits ein erfolgreiches Startup-Event durchgeführt und werden es nächstes Jahr wiederholen. Außerdem haben wir in diesem Jahr zum ersten Mal einen Hackathon veranstaltet. Das ist zwar kein spezifisches Startup-Event, dennoch waren auch ein paar sehr interessante Startups vertreten.

Früher war der Freisinger Standort autonom, dann wurde umstrukturiert und das gesamte Marketing nach USA verlegt. Können Sie hier in Deutschland noch Innovationen treiben?

Durchaus, was viele Beispiele belegen. Wir beschäftigen am Freisinger Standort zirka 1500 Mitarbeiter, ein Großteil davon arbeitet in der Freising-Fab, kurz F-Fab. Wir nutzen diese Fab auch, um Innovationen bei Endprodukten voranzutreiben.

Ein Beispiel: Predictive Maintenance oder Robotik. Wir entwickeln hier Systeme, um unsere Fab ständig weiter zu optimieren und Ausfallzeiten zu reduzieren. Dieses Wissen nutzen wir gleichermaßen, um unsere Produkte so weiterzuentwickeln, dass sie in den Endsystemen unserer Kunden denselben Nutzen bringen können. Der Freisinger Standort ist hierbei federführend und wird als Innovationstreiber gesehen, sodass die hier entwickelten Technologien weltweit eingesetzt werden.

Darüber hinaus ist die F-Fab ein wichtiger Bestandteil unserer weltweiten Fertigung. Wir investieren weiter in diese Fab, um die Kapazitäten auszubauen und zu optimieren – in Zeiten, in denen Kapazitäten eher knapp sind, ein wichtiger Schritt.