Das Freescale Technology Forum 2010 Freescale läuft zu alter Form auf

Im letzten Jahr hatte es sich Freescale Semiconductor verkniffen, ein amerikanisches Freescale Technology Forum (FTT) zu veranstalten; stattdessen wurde ein virtuelles Forum inszeniert - laut Freescale mit Erfolg. Dennoch: In diesem Jahr hat Freescale an seine FTF-Tradition in Orlando wieder angeschlossen und läuft zu alter Form auf.

Das Jahr 2009 wird als »das Jahr mit der schlimmsten Krise nach 1945« in die Geschichte eingehen. Alle wurden gebeutelt - im Falle Freescale aber wurde viel diskutiert, ob das Unternehmen überhaupt eine Chance auf Überleben hat. Denn nicht nur, dass die Krise Freescale aufgrund seiner Abhängigkeit von der Automobilindustrie besonders hart traf, das Unternehmen ist aufgrund des »Private-Equity-Abenteuers« mit dem Blackstone-Konsortium mit enormen Schulden belastet.

Aber auf dem diesjährigen FTF sendet Freescale ganz klar die Message aus: Wir haben die Krise überstanden. Und wenn jetzt der eine oder andere Wettbewerber hofft, dass das Unternehmen zumindest geschwächt ist, der wird wohl enttäuscht werden. Diesen Eindruck dürften zumindest die anwesenden Teilnehmer mit nachhause nehmen. Das heißt nicht, dass Freescale nicht gelitten hätte. Der im letzten Jahr eingefahrene Umsatzeinbruch war sicherlich schmerzhaft. Aber das Unternehmen hat einige Veränderungen durchgeführt, die zumindest mittel- bis langfristig von Erfolg gekrönt sein dürften.

Dabei geht es nicht nur um Maßnahmen zur Kostensenkung, wobei auch hier einiges bewegt wurde, sondern auch um Mittel und Wege, die Effizienz des Unternehmens zu steigern. Effizienz ist ein oft strapaziertes Wort, doch Rich Beyer, Chairman und CEO von Freescale Technology, konkretisiert, dass Freescale seine Produktentwicklung zum Teil deutlich beschleunigen konnte.
Damit lassen sich nicht nur die Entwicklungskosten senken, sondern das Unternehmen ist somit auch in der Lage, Produkte auf den Markt zu bringen, die noch kein Konkurrent anbieten kann. In diesem Zusammenhang verweist Beyer auf die QorIQ-Netzwerkprozessoren aus dem Hause Freescale, die dank ihrer Einzigartigkeit sehr erfolgreich im Markt seien.

Raus aus der Krise

Doch nicht nur die Fokussierung und die Effizienzsteigerung lassen Beyer heute wohl besser schlafen als noch vor einem Jahr. Denn bei allem vorsichtigen Optimismus sieht auch Beyer derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass der stattfindende Aufschwung in Kürze beendet sein könnte. Er geht vielmehr davon aus, dass auch das zweite Halbjahr von kräftiger Nachfrage gekennzeichnet ist. Und selbst für nächstes Jahr hält er ein zumindest gesundes Wachstum für wahrscheinlich.

Der Markt wächst, jetzt braucht es nur noch die Produkte, um daran partizipieren zu können. Und auch hier nutzt das Freescale sein Technology Forum, um eine Vielzahl von Neuerungen vorzustellen. In diesem Zusammenhang sei beispielsweise auf die neue MCU-Familie »Kinetis« verwiesen, die den Freescale-Einstieg in die Cortex-M-Welt von ARM darstellt.

Xtrinsic

Aus der Sensorecke wiederum stammt die Entwicklung von Xtrinsic. Tom Deitrich, Senior Vice President und General Manager für Cellular Products and RF, Analog & Sensor bei Freescale, positioniert Xtrinsic als intelligente Sensorlösungen, die nicht nur den Sensor, sondern auch Auswertelogik und anpassbare Software umfasst. Dank der Rechenkapazität im Sensor können diese Lösungen auch vollkommen unabhängig von einem externen Prozessor arbeiten und komplexe Berechnungen im Sensor ausführen.

Als erste Variante innerhalb der Xtrinsic-Familie präsentiert Deitrich den MMA9550L, ein Bewegungssensorplattform. Darin ist ein 3-Achsen-Beschleunigungssensor, ein Rechenkern, und Speicher enthalten. Darüber hinaus hat Freescale eine Software-Suite für Touch-Lösungen entwickelt und auf den Namen »Xtrinsic Touch Sensing Software Suite 2.0« getauft. Diese Software lässt sich mit allen 8- und 32-Bit-Controller von Freescale verbinden, so dass sich damit kapazitive Touchsensorfunktionen realisieren lassen. 


QorIQ – wir lassen’s krachen

Lisa Su, Senior Vice President und General Manager, Networking and Multimedia, bei Freescale Semiconductor, präsentierte auf dem FTF die Neuigkeiten aus der Networking-Ecke. Sicherlich absolutes Highlight ist der neue e5500-Kern, der auf der bewährten Power-Architektur aufbaut, aber in diesem Fall die erste 64-Bit-Variante darstellt und mit einer maximalen Taktfrequenz von 2,5 GHz arbeiten kann.

Der neue Prozessorkern basiert auf der e500-Core-Technologie und kann entweder im 64- oder im 32-Bit-Modus arbeiten, wodurch auch bereits geschriebene Software auf den Prozessoren mit dem neuen Kern weiter laufen kann. Laut Su kommen die Prozessorkerne auf eine Rechenleistung von 3,0 DMIPS/MHz. Su erwartet, dass selbst bei einer Taktung mit 2,2 GHz die Leistungsaufnahme bei 30 W liegen wird und das bei einer Rechenleistung von 13.200 DMIPS.

Die ersten Produkte, die mit dem e5500-Core ausgestattet sind, heißen P5010 und P5020. Beim ersten Prozessor handelt es sich um eine 64-Bit-Single-Core-Lösung, beim zweiten um einen 64-Bit-Dual-Core-Prozessor. Der neue Prozessorkern soll aber nicht nur die Basis für die neue P5-Plattform darstellen, sondern auch in zukünftige Generationen der QorIQ-Architektur einfließen.

Erste Muster der neuen Kommunikationsprozessoren erwartet Su noch in diesem Jahr, die Qualifikation soll im zweiten Halbjahr 2011 abgeschlossen sein.

Außerdem kündigte Su die P3-Plattform an, die eine Erweiterung des 32-Bit-Angebots darstellt. Die Prozessoren sind mit vier Prozessorkernen des Typs e500 aus der Power-Architektur-Prozessorkernfamilie ausgestattet. Der Baustein läuft mit einer Taktfrequenz von maximal 1,5 GHz und verbraucht weniger als 12 W, liefert aber eine Rechenleistung von 2,5 DMIPS/MHz. Muster sollen noch in diesem Jahr vorliegen, die Qualifikation soll im zweiten Halbjahr nächsten Jahres abgeschlossen sein.