Corona – Innovationsbremse? »Forschung und Entwicklung ist wichtiger denn je«

Luc Van den hove, imec: »Forschung und Entwicklung gehört zu den Themen, die wir in einer Krise am meisten brauchen und die nicht reduziert werden sollten. Denn F&E hilft uns, aus diesem Abschwung herauszukommen.«

Die Corona-Krise hat auch bei den meisten Halbleiterherstellern sichtbare Spuren hinterlassen. Kosten müssen gedrosselt werden, doch die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten gehen weiter. Das zumindest bestätigt Luc Van den hove, President und CEO vom imec, gegenüber der Markt&Technik.

Markt&Technik: Das imec konnte seine Fab auch während der Corona-Krise zu 100 Prozent auslasten. Wie haben Sie das geschafft?

Luc Van den hove: Zunächst möchte ich betonen, dass unsere größte Sorge seit dem Ausbruch der Pandemie der Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter gegolten hat. Dementsprechend ist Telearbeit zum Standard geworden. Etwa 80 Prozent unserer Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus und machen das auch sehr effizient. Ein Vorteil für uns: Die Infrastruktur, die Heimarbeit ermöglicht, wurde bereits vor der Krise eingerichtet, sodass es für uns überhaupt kein Problem war, auf Heimarbeit umzustellen.

Und jetzt zu Ihrer Frage. Ja, wir waren und sind in der Lage, die Fab auch während der Krise offen zu halten, und zwar indem wir eine Reihe von Maßnahmen rigoros umgesetzt haben. Diejenigen, die sich auch weiterhin auf dem imec-Gelände befinden müssen, befolgen strenge Richtlinien, einschließlich hygienischer Maßnahmen, Social Distancing etc. Kleinere Labore wiederum können jeweils nur von einem Forscher belegt werden, Aufzüge dürfen nur einzeln benutzt werden, wir haben die Pausenräume völlig neu angeordnet, um die wenigen Mitarbeiter, die noch vor Ort sind, in sicherem Abstand voneinander zu halten. Jeder, der Symptome zeigt, darf natürlich nicht hinein, und natürlich sorgen wir dafür, dass Hochrisikoflächen wie Türgriffe und Aufzugsknöpfe regelmäßig gereinigt werden. Und die Tatsache, dass ein Reinraum offensichtlich schon durch die Filter, die Verwendung von Reinraumkitteln usw. eine sehr sichere Umgebung ist, macht es natürlich möglich, ihn am Laufen zu halten.

Aber auch die Flexibilität und das Engagement unserer Fab-Mitarbeiter haben uns geholfen, zu 100 Prozent ausgelastet zu bleiben.

2019 war für die Halbleiterindustrie bereits ein schwieriges Jahr. Die Corona-Krise hat den Druck auf die Halbleiterhersteller noch weiter erhöht, einschließlich unterbrochener Lieferketten, sinkender Umsätze, logistischer Probleme, rückläufiger Umsätze und weniger ausgelasteter Kapazitäten. Befürchten Sie, dass dies dazu führen wird, dass einige Unternehmen ihre F&E-Aktivitäten, die typischerweise längerfristiger Natur sind, zurückziehen oder aufschieben werden?

Die Kontinuität unserer Geschäfte ist natürlich wichtig für uns, denn nur dann können wir ein gesundes Forschungs- und Innovationszentrum bleiben. Und ja, wir arbeiten mit vielen Partnern bei F&E-Aktivitäten zusammen und haben typischerweise langfristige F&E-Beziehungen mit ihnen. Diese bleiben auch in Zeiten des Abschwungs bestehen. Dementsprechend sehen wir selbst in Krisenzeiten typischerweise keinen Rückgang oder eine Verringerung des Engagements unserer Partner. Hinzu kommt noch: Wie wir alle wissen, investieren die stärksten Unternehmen typischerweise in Zeiten des Abschwungs, um gestärkt aus einer Krise hervorzugehen; dies gilt auch für den Bereich Forschung und Entwicklung.

Außerdem setzt das imec auf ein Modell, das sehr effektive F&E-Aktivitäten auch in Hinblick auf die Kosten ermöglicht, daher sind unsere Programme auch jetzt gesund. Natürlich ist es derzeit schwer vorherzusagen, wie lange diese Krise dauern und welche langfristigen Folgen sie haben wird, aber wir haben bislang keinerlei Anzeichen dafür gesehen, dass Corona sich negativ auf unsere Aktivitäten auswirken wird.

Und es kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: Wir arbeiten im Dienst der High-Tech-Industrie, und es ist ganz klar, dass dies eine der Branchen ist, die am wenigsten vom Coronavirus betroffen ist, weil diese Technologie in dieser Krise am meisten gebraucht wird. Die einzige Möglichkeit, die wir haben, ist weitermachen, einerseits um die Krise auflösen zu können, andererseits um auch Probleme während der fortdauernden Krise zu lösen. Denn die digitale Innovation ermöglicht gerade auch während einer Pandemie die Fortsetzung vieler Aspekte unseres täglichen Lebens: Telearbeit, Home-Schooling, neue Diagnosemöglichkeiten, die Umsetzung von Social Distancing durch Apps oder Geräte, Kontaktverfolgung und so weiter. Es ist ganz klar: Technologie wird mehr denn je benötigt, und deshalb sind wir weniger betroffen.