Corona – Innovationsbremse? »Forschung und Entwicklung ist wichtiger denn je«

Dem Gesundheitswesen wird große Aufmerksamkeit geschenkt...

Die Corona-Krise betrifft natürlich nicht nur die Halbleiterindustrie. Sind Auswirkungen auf andere Entwicklungsaktivitäten vom imec zu spüren, beispielsweise bei der Photovoltaik, GaN, Sensoren oder im Gesundheitswesen?

Wir sehen eigentlich überhaupt keine Anzeichen für eine Reduzierung der F&E-Aktivitäten, das gilt für alle Bereiche. Das Gesundheitswesen gehört sicherlich zu den Bereichen, denen in dieser Krise große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das imec hatte bereits in diesem Bereich eine umfassende Strategie erarbeitet, die das Pandemie-Thema einschloss, denn das Gesundheitswesen war schon vor der Pandemie einer unserer am stärksten wachsenden Bereiche, was natürlich unsere Strategieentscheidungen beeinflusst.

Innovationen sind wichtig, und das sehen wahrscheinlich die meisten so, aber für einige Unternehmen dürfte es schwierig sein, dies gerade jetzt umzusetzen. Ein Beispiel ist die Automobilindustrie. Einerseits sind in diesem Sektor die Umsätze eingebrochen, andererseits befindet sich diese Branche in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, was eine hohe finanzielle Belastung im Entwicklungsbereich bedeutet. Könnte das imec hier als Innovationsdrehscheibe fungieren?

Stimmt, der Automobilsektor ist besonders schwer getroffen, und gleichzeitig sind hier mehr Innovationen notwendig. Dementsprechend bin ich überzeugt, dass die gemeinschaftliche Forschung in diesem Bereich unerlässlich ist, nur so kann die Branche die Herausforderung meistern. Wir versuchen auch, diesen Ansatz umzusetzen, und arbeiten an verschiedenen Themen, die dieser Industrie helfen können, sei es unser GaN-Programm, unser Radarprogramm …

Inwieweit hat Corona die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Forschungsinstitutionen weltweit verändert?

Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Forschungseinrichtungen war schon immer sehr wichtig, aber diese Krise macht sie noch wichtiger. Zusammenarbeit ist eine der treibenden Kräfte hinter den Innovationen, weshalb wir die Zusammenarbeit mit unseren verschiedenen Partnern fortsetzen. Wir waren an vielen europäischen Projekten beteiligt, haben mit Institutionen wie Fraunhofer und CEA Leti sowie mit vielen Universitäten rund um den Globus zusammengearbeitet und setzen diesen Weg während und auch nach der Krise fort.

Kann KI helfen, die Pandemie zu beenden?

Gegenwärtig wird KI auf unterschiedliche Weise zur Bekämpfung der Pandemie eingesetzt. Zum Beispiel in der epidemiologischen Forschung, sprich: in der Überwachung lokaler Ausbrüche, bei der Vorhersage der Auswirkungen von Regierungsentscheidungen etc. Auch bei der Untersuchung von Viren, z.B. bei der Untersuchung ihrer DNA und der Simulation von Molekülen, und bei der Suche nach der Wiederverwendung von vorhandenen Medikamenten zur Bekämpfung von Covid-19 oder dessen Folgen kommt KI zum Einsatz. Eine sehr große Zahl von Medikamenten wird an Zellen getestet und die Ergebnisse durch maschinelles Lernen ausgewertet.

Derzeit finden keine Messen und Konferenzen statt. Wie kann der wichtige Wissensaustausch mit Partnern und anderen Forschern aufrechterhalten werden?

Wie die meisten Unternehmen richten auch wir uns auf virtuelle Veranstaltungen aus. In der Vergangenheit haben wir immer das reale Leben mit virtuellen Meetings und Konferenzen kombiniert, sodass die Umstellung auf vollständig digitale Veranstaltungen eigentlich ein natürlicher Prozess war. Vor Kurzem hatten wir unsere alle zwei Jahre stattfindende technische Partnerwoche. Dabei handelt es sich um eine interne Veranstaltung, bei der wir unsere Partner über unsere neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Normalerweise wird diese Veranstaltung an unserem Hauptsitz in Leuven abgehalten, aber dieses Jahr haben wir eine Online-Version dieser einwöchigen Veranstaltung organisiert, und das mit Erfolg: Mit fast 100 verschiedenen Partnern, die an der Konferenz teilnahmen, war die Teilnehmerzahl sehr hoch, und wir haben viel positives Feedback erhalten. Dasselbe gilt für Handels- und Pressekonferenzen, die wir auf Online-Formate umgestellt haben. Aber klar: Online-Konferenzen werden natürlich niemals den persönlichen Austausch ersetzen, daher freuen wir uns jetzt schon sehr darauf, unsere Partner im wirklichen Leben wieder zu treffen, aber unter den gegebenen Umständen glaube ich, dass wir es nicht besser hätten machen können.