2. Markt&Technik Supply Chain Summit Flexibilität = Schlanke Prozesse statt hoher Bestände

Der 2. Markt&Technik Supply Chain Summit
Der 2. Markt&Technik Supply Chain Summit

Kürzere Marktzyklen, wirtschaftliche Unwägbar­keiten, unklare Haftungsfragen und nicht zuletzt das »digitale« Bestellverhalten der Kunden ma­chen den Zulieferern das Leben schwer und stel­len die Supply Chain vor eine Zerreißprobe. »Wir brauchen mehr Transparenz und Flexibilität in der Lieferkette«, fordern deshalb die Teilnehmer des 2. Markt&Technik Supply Chain Summits.

Wie ist es um die Sicherheit in der Lieferkette be­stellt? Dies sollte die Studie »Sup­ply Assurance« von PRTM/PwC und Markt&Technik ans Licht brin­gen. Das Ergebnis ist ernüchternd: »90 Prozent der Studienteilnehmer berichten von einem starken bis sehr starken Anstieg des Supply- Chain-Risikos«, erklärt Michael D’heur, Principal von PRTM/PwC, der die Er­gebnisse der Studie auf dem Supply Chain Summit vorstellte. Die »Schmerzpunkte«, die die Studienteilnehmer identifiziert haben, sind laut D’heur vielfältig:

● Die Haftungsverantwortlichkeiten entlang der Supply Chain sind unklar.

● Komponenten werden kurzfristig abgekün­digt.

● Es besteht keine durchgängige Transparenz über alle Stufen der Lieferkette.

● Viele Unternehmen können nicht schnell genug auf Nachfrageschwankungen reagieren.

Hinzu kommen noch die Sorgen der Indus­trie um die Euro-Finanzkrise und die Rohstoff­versorgung, insbesondere die Knappheit und die Preissteigerung bei den Seltenen Erden, wie ZVEI-Chefwirt Dr. Andreas Gontermann schildert. Und auch wenn die wirtschaftlichen Aussichten für die Elektronikindustrie laut Gontermann mit um die 5 Prozent Wachstum für 2012 nicht schlecht sind, wird doch »die Volatilität immer mehr zur Normalität«.

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Der 2. Markt&Technik Supply Chain Summit

Der 2. Markt&Technik Supply Chain Summit.

Und eben das stellt die Akteure der Liefer­kette vor enorme Herausforderungen: angefan­gen beim Halbleiterhersteller über den Distribu­tor bis zum OEM und den EMS. Die Unterneh­men müssen also deutlich flexibler werden und besser zusammenarbeiten, wenn sie die Risiken in der Lieferkette in den Griff bekommen wol­len. »Viele Unternehmen verstehen Fire-Figh­ting als Flexibilität, das hat aber nichts mit struktureller Flexibilität zu tun«, stellt D’heur klar. »Es muss uns gelingen, die Flexibilität in die Unternehmensstrukturen zu integrieren und nicht nur über Flexibilität zu sprechen.«

Doch wo fängt man im eigenen Unterneh­men am besten an? Die Basis ist nach Ansicht von Dr. Detlef Roß ein funktionierendes Risiko­management. »Doch das unterschätzen die Un­ternehmen häufig«, so Roß. Vielmehr betreibe jeder für sich irgendwie Risikovorsorge. »Dabei entsteht aber kein Nutzen für die gesamte Or­ganisation erklärt Roß. Aber Risikomanage­ment ist Chefsache und muss auch als solche behandelt werden. Es gibt allerdings keinen Standard, den die Firmen als Leitfaden für das Risikomanagement heranziehen könnten. Seit kurzem bietet die Norm ISO 31000 hierzu aber zumindest Rahmenvorgaben für eine Risiko-Strategie und einen Risikoprozess und die kon­krete Umsetzung im Unternehmen. Zertifizier­bar ist diese Norm allerdings noch nicht.

Kann man die vielfältigen Risiken der Liefer­kette versichern? Mit dieser Frage beschäftigte sich Dr. Anja Mayer, Rechtsanwältin der Kanzlei Wilhelm Partnerschaft von Rechtsanwälten. Mit Hilfe von Versicherungen lassen sich Risiken zumindest reduzieren und Deckungslücken in den Lieferbeziehungen schließen. »Gegen eine Reihe von Risiken und Störungen der Lieferket­te können sich Unternehmen unter Berücksich­tigung ihrer Zulieferer-/Abnehmerstruktur ver­sichern«, so Mayer, »aber die Versicherbarkeit von Supply-Chain-Risiken stößt an Grenzen.« So sind Nuklearschäden wie im Fall Fukushima grundsätzlich nicht versichert, Schäden infolge von Naturkatastrophen nur begrenzt. Entschei­dend ist laut Dr. Anja Mayer vor allem eine risi-kobewusste Vertragsgestaltung: »Auf keinen Fall einen komplexen Vertrag unterschreiben, den man nicht 100-prozentig versteht!«, so ihre Bot­schaft.