ZVEI: Der Halbleitermarkt 2017/2018 Europa wächst – und verliert

Stephan zur Verth, ZVEI: »Vor einem Jahr haben wir noch ein Wachstum von 3,3 Prozent prognostiziert – inklusive der Speicher! Nun haben wir das Wachstum kurz vor Jahresende noch einmal von 16 auf 19 Prozent nach oben korrigiert! Es ist eben schwierig, in einem komplexen Umfeld Vorhersagen zu machen!«
Stephan van Verth, ZVEI: »Wenn Qualcomm NXP tatsächlich wie geplant übernehmen kann, dann ist das neue Unternehmen ein Amerikaner, was den Marktanteil Europas auf 7 Prozent drücken wird.«

Mit 15,3 Prozent auf 14 Mrd. Dollar wird der deutsche Halbleitermarkt in diesem Jahr wachsen; in Europa sind es plus 16 Prozent auf 38 Mrd. Dollar.

Diese Zahlen sehen zwar hervorragend aus, allerdings wachsen andere Weltregionen noch viel schneller und das bedeutet: Europa verliert Marktanteile. Denn der weltweite Markt wächst um 19 Prozent, wobei China mit einem Plus von 24 Prozent an der Spitze liegt, gefolgt von Amerika mit 21 Prozent. Schlechter als Europa schneiden nur noch Japan mit –13 Prozent und der Rest der Welt mit –15 Prozent ab. Dass Europa Marktanteile nicht gewinnt, zeichnet sich schon länger ab. Im Jahr 2001 haben europäische Unternehmen am Gesamtmarkt für Halbleiter (139 Mrd. Dollar) einen Anteil von 11 Prozent erreicht; 2006 (248 Mrd. Dollar) waren es 12 Prozent, 2011 (300 Mrd. Dollar) 9 Prozent und 2016 (339 Mrd. Dollar) 10 Prozent.

Die Übernahmen im Halbleitersektor tragen nun dazu bei, dass Europa deutlich Anteile verlieren wird: »Wenn Qualcomm NXP tatsächlich wie geplant übernehmen kann, dann ist das neue Unternehmen ein Amerikaner, was den Marktanteil Europas auf 7 Prozent drücken wird«, erklärt Stephan zur Verth, Vorsitzender der Fachgruppe Halbleiter-Bauelemente im ZVEI-Fachverband Electronic Components and Systems. Noch dramatischer verlief der Verlust der Marktanteile für Japan: Hielten japanische Unternehmen 2001 noch 28 Prozent am Halbleiter-Weltmarkt, so sank er 2006 auf 22 Prozent, ging 2011 auf 18 Prozent zurück und brach 2016 auf 11 Prozent ein.

Das dürfte für Europa aber eher ein schwacher Trost sein, zumal die Politik jetzt die Relevanz der Hableiter als sehr hoch einschätzt. Der Wille, den Bereich auf nationaler und europäischer Ebene künftig effizienter als bisher zu fördern, ist jetzt jedenfalls da. Wir dürfen auf die Resultate gespannt sein.

Speicher sind der Treibstoff

Dass sich alle Weltregionen – unabhängig von den Verschiebungen untereinander – über einen stark wachsenden Halbleitermarkt freuen dürfen, liegt vor allem an den Speicher-ICs, deren Bedarf höher lag als die Produktion, sodass die Preise kräftig stiegen. So schaffte der Halbleitermarkt weltweit von 339 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr 2017 sogar den Sprung über die 400-Mrd.-Dollar-Schwelle.

Diesen Effekt herausgerechnet, ergibt sich ein Zuwachs, der mit 6 Prozent deutlich niedriger liegt und doch etwas höher als normal. Aber was ist normal? Dazu ein Blick auf die langfristigen Trends: Lag das durchschnittliche Wachstum des IC-Markts zwischen 1991 und 2001 noch bei 10 Prozent pro Jahr, so sank es zwischen 2002 und 2009 auf 7 Prozent pro Jahr und landete im Zeitraum seit 2010 bei 4 Prozent pro Jahr. Für 2018 schätzt der ZVEI das Wachstum des Weltmarktes recht optimistisch auf 5 Prozent, was dann einem Umsatz von 423 Mrd. Dollar entspräche. Für Europa prognostiziert Stephan zur Verth ein Wachstum von 3,5 Prozent auf 39 Mrd. Dollar.