Leti Innovation Days 2019 Europa ist bei KI auf keinen Fall zu spät!

Emmanuel Sabonnadière (rechts), der CEO des französischen Forschungsinstituts Leti

Es wird viel darüber geschrieben, dass Deutschland beziehungsweise Europa den Anschluss bei KI (künstliche Intelligenz) bereits verloren hat. Emmanuel Sabonnadière, CEO des französischen Forschungsinstituts Leti, hält das für schlichten Humbug.

Er ist nicht nur überzeugt davon, dass Europa bei Edge-KI die Nase vorn hat, er hält das auch bereits für bewiesen.

Sabonnadière: »Um Modelle zu entwickeln, sind enorme Datenmengen und eine sehr hohe Rechenleistung erforderlich. In diesem Bereich, sprich Cloud, sind die Chinesen und Amerikaner aktiv, also wenn es um die Entwicklung der Modelle geht. Danach muss entschieden werden, wie dieses Modell im Edge implementiert wird. China und die USA verlassen sich auch nach der Erstellung des Modells auf die Cloud. Europa hat gesetzliche Vorgaben, was die Privatsphäre und die Nutzung von Daten anbelangt. Wir müssen also einen anderen Weg gehen und der lautet Edge-KI. Und dieser Ansatz passt hervorragend zu unseren Endanwendungen in Europa.«

Als Beispiel verweist er auf die Automobilindustrie, in der Europa dank seiner OEMs durchaus führend ist. Geht es um autonomes Fahren mit Level 3, 4 oder 5, ist mehr KI notwendig, »in diesem Fall im Edge, sprich Fahrzeug, weil hier die Latenzzeiten entscheidend sind«, so Sabonnadière weiter. Außerdem sei bei autonomen Fahrzeugen wichtig, dass sie nicht abhängig von anderen Fahrzeugen lernten, denn jeder Autofahrer fahre anders, und diese Daten müssten dann auch lokal genutzt werden, um die Modelle zu adaptieren. Das, was für die Automobilindustrie gelte, sei auch im Gesundheitswesen der Fall. »Eine Analyse muss natürlich auf persönlichen Daten basieren«, so Sabonnadière.

Ein Beispiel, wie erfolgreich KI in Europa genutzt werden kann, ist seiner Meinung nach das Startup Diabeloop. Das Unternehmen hat zusammen mit Leti ein System entwickelt, das ein gesichertes Mobiltelefon mit leistungsstarken Algorithmen, einen subkutanen Sensor und eine subkutane Insulin-Pumpe umfasst. Damit steht den Patienten mit Typ-1-Diabetes ein Komplettsystem zur Verfügung, das den Umgang mit Diabetes deutlich vereinfacht und damit den Patienten ein einfacheres und komfortableres Leben ermöglicht. »Dieser Ansatz lässt sich für viele Anwendungen duplizieren«, ist Sabonnadière überzeugt.

Welche Anforderungen müssen erfüllt werden, um diese Anwendungen umzusetzen? Rechenleistung, Speicher und Sensoren. Alles drei könne in einer Schaltung realisiert werden oder mithilfe eines 3D-Ansatzes, ein Bereich, in dem Leti bereits seit Jahren aktiv ist und diverse Erfolge verzeichnen kann. Darüber hinaus gibt es noch weitere Forschungsaktivitäten, die für Edge-KI wichtig sind. Beispielsweise haben Forscher von CEA-Leti und der Stanford University eine Schaltung entwickelt, bei der die Multi-Bit-Technologie von RRAM (Resistive RAM) mit Silizium-Recheneinheiten kombiniert wurde. Ein Proof-of-Concept-Chip mit folgenden Eigenschaften wurde bereits realisiert: 18 kB On-Chip-RRAM auf einem 16-bit-Mikrocontroller mit 8 kB SRAM auf Basis eines 130-nm-Silizium-CMOS-Prozesses.