Kommentar Enttäuschung bei Broadcom – und weltweit?

Hier hört US-Präsident Donald Trump Hock Tan, dem CEO von Broadcom, spricht auf einer Veranstaltung im Weißen Haus in Washington noch wohlgelaunt zu. Jetzt hat er die geplante 146- Milliarden-Dollar Übernahme von Qualcomm gestoppt, weil er dadurch die nationalen Sicherheit der USA gefährdet sieht.
Die Stimmung zwischen Donald Trump und Hock Tan, dem CEO von Broadcom, war hier noch gut. Aber Stimmungen können sich ja schnell mal ändern.

Broadcom will Qualcomm nun nicht mehr übernehmen und ist darüber »enttäuscht«. Was aber sagt dies über die US-Wirtschaftspolitik?

»Enttäuscht« dürfte gar kein Ausdruck sein: Hock Tans Gefühlsleben über den aus seiner Sicht unerfreulichen Ausgang des Übernahmeversuchs von Qualcomm ist damit sicherlich nur unzureichend beschrieben. Und den Grund, aus dem Präsident Trump die Übernahme offiziell nicht genehmigte – die Sicherheit der USA gefährdet – sagt erst mal wenig aus.

Dass ein Unternehmen wie Qualcomm auch ICs im Programm führt, die in militärisches Gerät wandern, hätte wohl kaum allein den Ausschlag dafür geben können, einer an sich amerikanischen Firma, die nur aus steuerlichen Gründen in Singapur sitzt – das den USA keinesfalls feindlich gesonnen ist – die Übernahme von Qualcomm zu verbieten.

Dahinter steht eine ganz andere Furcht, die Präsident Trump und die USA umtreiben – und sicherlich nicht nur sie: China. In dem Fall der Übernahme von Qualcomm durch Broadcom erschien offenbar für die nationale Sicherheit vor allem wichtig: Dass China nicht zum dominierenden Faktor innerhalb der 5G-Welt aufsteigt – an deren Spitze sich die USA (noch) sehen, gerade durch Firmen wie Qualcomm. Chinesische Firmen haben schon bewiesen, was in ihnen steckt, allen voran Huawei, die den Weltmarkt für die Telekommunikations-Infrastruktur aufgerollt hat. Die Furcht hinter der Broadcom-Übernahme war wohl, dass Hock Tan, der mehr als Investor denn als High-Tech-Innovator handelt, die R&D-Budgets und die Innovationsfreude der Ingenieure von Qualcomm allzu stark beschnitten hätte. Ohne über irgendwelche finsteren Mächte im Hintergrund spekulieren zu müssen – das alleine hat in den Augen des CFIUS und von Trump schon ausgereicht, zu befürchten, dass die USA ins Hintertreffen geraten könnten. Denn es geht ja nicht nur um 5G, sondern auch um Maschine Learning, KI, autonomes Fahren, IoT und der digitalen Transformation im Allgemeinen.

Selbst dass sich Hock Tan als amerikanischer Superpatriot geoutet hat, der den Firmensitz in die USA zurückverlegen und viel Geld in die Ausbildung amerikanischer Ingenieure stecken will, um zur Wettbewerbsfähigkeit auf dieser Ebene beizutragen, hat nichts mehr genützt.

Was die Geschichte auf jeden Fall zeigt: Protektionismus steht hoch im Kurs, nicht nur in China. Die USA verknüpfen derzeit nationale Sicherheit sehr eng mit dem wirtschaftlichen Wohl des Landes insgesamt. Wenn Trump dann noch im einen oder anderen Fall seine Unterstützer erfreuen kann, die ihn wegen seines Versprechens, Amerika wieder groß zu machen, gewählt haben – umso besser.

Aber welche Länder und welche Branchen die US-Regierung gerade mit welchen Maßnahmen bedenken will und welche Effekte das auf andere Länder – ob Freund oder Feind – haben wird, bleibt bei einer solchen Politik unbestimmt. Ein Gefühl der Unsicherheit macht sich breit: Protektionismus gepaart mit Unsicherheit – insgesamt keine guten Aussichten für die Weltwirtschaft.