Konsumelektronik lockt Elmos will in den Markt für Tablets und Smartphones

Dr. Peter Geiselhart, Elmos Semiconductor: »Für uns als kleines Unternehmen ist unser eigener Prozess und unsere eigene überschaubare Fabrik wichtig, denn famit haben wir Zugriff auf Prozess und Entwicklung. Damit können wir uns differenzieren.«
Dr. Peter Geiselhart, Elmos Semiconductor: »Für uns als kleines Unternehmen ist unser eigener Prozess und unsere eigene überschaubare Fabrik wichtig, denn famit haben wir Zugriff auf Prozess und Entwicklung. Damit können wir uns differenzieren.«

Elmos Semiconductor ist als Automotive-Spezialist bekannt, ist mit seinen MEMS-Produkten aber auch in den Märkten für Konsumelektronik aktiv. »Nun wollen wir mit unseren Gestenerkennungs-ICs in Smartphones und Tablets durchstarten«, sagt Dr. Peter Geiselhart, Vorstand für Entwicklung und Vertrieb von Elmos Semiconductor.

Markt&Technik: Elmos hatte sich vor geraumer Zeit zum Ziel gesetzt, das Geschäft mit ASSPs aufzubauen. Heute generiert das Unternehmen zwischen 10 bis 15 Prozent mit ASSPs, was nicht unbedingt viel ist.

Peter Geiselhart: Wir stecken aber auch erst seit drei Jahren deutlich mehr Energie in die Entwicklung von ASSPs, und dafür ist das schon ein ganz guter Start. Zudem kommen jetzt viele Entwicklungen in die Produktion, so dass zu erwarten ist, dass sich der ASSP-Anteil am Umsatz deutlich erhöht. Es gibt aber noch eine weitere interessante Beobachtung: ASSPs senken für die Kunden die Hemmschwelle, schnell in eine Entwicklung einzusteigen. In vielen Fällen führen wir dann zusätzlich die eine oder andere kundenspezifische Modifikation durch, so dass am Ende doch ein kundenspezifisches Bauteil herauskommt, das es ohne unsere ASSPs aber überhaupt nicht geben würde.

Wie werden solche Modifikationen realisiert?

Das kann mithilfe von zusätzlichen Gates, mithilfe von spezifischem Kunden-IP oder in Form von kundenspezifischen Software-Adaptionen sein.

Welche Elmos-ASSPs sind besonders erfolgreich?

Zum Beispiel unsere Schnittstellen-ICs. Interface-Komponenten sind ja per Definition ASSPs, die austauschbar und zertifiziert sein müssen. Wir haben beispielsweise vor kurzem einen komplexen FlexRay-Vierfach-Sternkoppler vorgestellt, der sich bereits großer Beliebtheit erfreut. Der Erfolg mit diesen Schnittstellen-ICs basiert auf der Tatsache, dass Elmos sehr nah an den Trends in der Automobilbranche dran ist und dann auch den Mut hat, solche neuen Themen aufzugreifen.

FlexRay ist aber nicht wirklich neu, der Standard hat nur einfach sehr lange gebraucht, um sich im Markt durchzusetzen.
Elmos gehörte aber nicht zu den Firmen, die hier seit 20 Jahren geforscht haben, sondern Elmos gehört zu den Firmen, die dann, als FlexRay im Markt wirklich gebraucht wurde, das unternehmerische Risiko auf sich genommen haben, diese Produkte zu entwickeln. Das war eine starke und richtige Unternehmensentscheidung.

Wo sehen Sie weitere Wachstumschancen für die ASSPs?

Ein weiterer Bereich ist die gesamte Signalsensorauswertung. Hier verfügt Elmos ebenfalls über viel Know-how. Das spiegelt sich beispielsweise in unseren Ultraschallprodukten für Parkassistenten wider. Hier sind wir die Nummer 1 im Markt. Wir haben unser Know-how in Standardprodukte gegossen, die auf eine sehr gute Nachfrage in Europa und Asien stoßen. In den nächsten 12 bis 24 Monaten werden Sie hier viele Fahrzeugneuanläufe mit unseren Produkten sehen, weil mittlerweile die Ultraschall-Parkhilfe zu einer Standard-Ausrüstung geworden ist. Mit dem Know-how in der Signalauswertung können wir aber auch ganz andere Bereiche adressieren, denn im Grunde ist es gleichgültig, über welche Sensortechnik wir reden, die Signalauswertung ist weitgehend ähnlich. Derzeit entwickeln wir eine ASSP-Familie, wobei erste Varianten bereits verfügbar sind, die es uns ermöglicht, mit vielen Sensorherstellern zusammenzuarbeiten und dadurch integrierte Lösungen zu generieren.

Das heißt, dass in naher Zukunft mit weiteren Produktankündigungen zu rechnen ist?

Selbstverständlich, die Sensorauswertung ist eines unserer Kompetenzfelder. Ich möchte jetzt nicht konkret über neue Produkte reden, nur so viel: Die Ultraschalltechnik treiben wir technologisch weiter. Neuentwicklungen befinden sich bereits im Prototypenstadium, und wir reden mit uns langjährig begleitenden und technisch führenden Kunden. Die Sensorauswertung ist für uns aber nicht nur im Automotive-Markt interessant. Es gibt viele Unternehmen, die sich auf die Produktion von Sensorelementen spezialisiert haben. Was ihnen fehlt, ist die Möglichkeit, die zur Sensorsignalauswertung notwendige Mikroelektronik zu integrieren. Und da kommt Elmos ins Spiel. Darauf werden wir uns stärker fokussieren, sowohl für die Automobilindustrie als auch auf weitere Märkte.

Wie soll hier das Geschäftsmodell aussehen?

Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Wenn wir über den richtigen Vertriebskanal verfügen, kann es sein, dass solche kombinierten Produkte als Elmos-Produkte verkauft werden. Wir werden aber auch standardisierte Sensorauswerte-Chips verkaufen, so dass der Umsatz über Fremdfirmen entstehen kann. Unser Kerngeschäft ist die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von integrierten Schaltkreisen und nicht das Packaging.

Inwieweit ist Power-Management ein Thema für Elmos?

Ein wichtiges, hier haben wir schon eine ganze ASSP-Familie entwickelt, die auf einem intelligenten Spannungsreglerkonzept beruht. Die ICs generieren unterschiedliche Versorgungsspannungen und eignen sich für verschiedene Mikrocontroller.

Gibt es hier Weiterentwicklungen?

Ja, wir sprechen von embedded Solutions, für die eine intelligente Spannungsversorgung, entsprechende Leistungsmodule, Schnittstellen und die eine oder andere Zusatzfunktion erforderlich sind. Und schon landen wir bei System Basis Chips - kurz SBCs - fürs Autos. Die verschiedenen Funktionen in intelligente Systeme zu integrieren, darum geht es. Mit den richtigen SBCs lassen sich enorme Kosten auf Systemebene einsparen. Um diese SBCs richtig zu machen, braucht man Applikations-Know-how. Und das haben wir im Automotive-Markt, deshalb laufen die Entwicklungen auch schon.

Mit dem Tochterunternehmen Silicon Microstructures bietet Elmos auch MEMS an. Wandern diese Produkte vorwiegend in den Automobilmarkt, oder ist das Unternehmen damit auch im Consumer-Bereich aktiv?

Unser Umsatz in diesem Bereich kommt aktuell rund zur Hälfte aus der Automobil-Branche; die andere Hälfte setzt sich aus Geschäften im Konsummarkt, in der Industrie und in der Medizintechnikbranche zusammen.

ST und Bosch sind hier ja auch sehr aktiv und erfolgreich. Wie kann Elmos gegen die Großen konkurrieren?

Unsere Reifendrucksensoren haben gezeigt, dass sie technisch gut sind und auch preislich konkurrieren können. Wir müssen uns da nicht verstecken und konnten uns hier auch gegen die großen Wettbewerber durchsetzen. Das zeigt, dass wir uns auf wettbewerbsfähigem Niveau bewegen. Im Vergleich zu den Großen gehen wir aber nicht so in die Breite, sondern wir sind stärker spezialisiert. In den Bereichen, in denen wir aktiv sind, müssen wir aber Produkte anbieten, die sich technologisch unterscheiden und trotzdem preislich konkurrenzfähig sind. Das ist unsere Chance. Wenn wir hier Me-too-Produkte anböten, könnten wir nicht konkurrieren. Deshalb sind wir mit unseren MEMS weltweit führend in den Reifendruckmesssystemen.