InvenSense Einigung im Streit um MEMS-Patente mit STMicroelectronics

Nachdem STMicroelectronics und InvenSense im Mai 2012 damit begannen, sich vor verschiedenen Gerichten in den USA mit Klagen wegen Patentrechtsverletzungen bei MEMS zu überziehen, haben sich beide Unternehmen nun auf eine gegenseitige Kreuzlizenzierung der betreffenden Patente geeinigt.

Sowohl STMicroelectronics, der weltgrößte Hersteller von MEMS für Consumer- und Mobile-Anwendungen, als auch InvenSense, der führende Anbieter von Motion-Tracking-Sensor-Lösungen on Chip, betonen, dass sie keine gegenseitigen Forderungen in Bezug auf die nun beendeten Prozesse erheben.

Für InvenSense dürfte diese Einigung einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung eines deutlichen Ausbaus der MEMS-Aktivitäten darstellen. Zu diesem Zweck hatte das Unternehmen, das den Großteil seines MEMS-Umsatzes bisher mit Gyroskopen gemacht hat, vor einigen Wochen bekannt gegeben, für 100 Millionen Dollar die MEMS-Mikrofon-Sparte von Analog Devices zu übernehmen.

Behrooz Abdi, President und CEO von InvenSense, zeigte sich anlässlich der Übernahme zwar überzeugt, »dass unser Fabless Geschäftsmodell und die Marktführerschaft bei Motion-Tracking-Lösungen uns auch in den nächsten Jahren ein signifikantes Wachstum ermöglicht, Audio hat sich jedoch schnell zu einer ergänzenden Technologie zu Bewegung, als Mittel der Interaktion mit kontextabhängigen Geräten und Anwendungen entwickelt«.

Abdi verwies in diesem Zusammenhang etwa auf die steigende Anzahl von MEMS-Mikrofonen im Mobilfunkbereich, »dort kommen auf jedes High-End-Telefon inzwischen bereits 2 bis 3 Mikrofone«. Vor diesem Hintergrund stellte das Unternehmen zu Jahresbeginn das weltweit erste MEMS-Mikrofon mit 70 dB Signal-Rausch-Abstand (SNR) für die Unterhaltungselektronik vor. Angesichts der Tatsache, dass ein SNR von 59 dB noch vor drei Jahren als absolut Leading-Edge galt, stellen 70 dB einen absoluten technologischen Durchbruch bei MEMS-Mikrofonen dar und InvenSense etabliert sich damit als führender Anbieter von Audio-Performance.

In Zukunft dürften die etwa 30 bis 40 Mitarbeiter aus dem Analog-Device-Kernteam, die im Rahmen des Verkaufs der MEMS-Mikrofon-Aktivitäten an InvenSense das Unternehmen wechseln, dazu beitragen, diese Stellung noch weiter auszubauen. Mit einem Abschluss der Übernahme rechnen InvenSense und Analog Devices etwa im Oktober dieses Jahres.

Laut Jérémie Bouchaud, Director und Senior Principal Analyst für MEMS und Sensoren bei IHS, verspricht sich InvenSense, dessen Umsatz für 2013 er auf rund 250 Millionen Dollar taxiert, durch die Übernahme des ADI-MEMS-Mikrofon-Geschäfts neben der beschleunigten Entwicklung seines Audio-Portfolios und der Ergänzung seines MEMS System-on-Chip Angebots für bestehende Kunden aus den Bereichen Mikroelektronik, Spielkonsolen und tragbare Geräte, vor allem den Zugang zu neuen Märkten.

Der 100-Millionen-Dollar-Deal mit Analog Devices war der erste Schritt zur Stärkung der Marktposition im MEMS-Bereich, die Cross-Lizenzierungs-Vereinbarung mit STMicroelectronics der nächste. Weitere Akquisitionen mit dem Ziel einer breiteren Aufstellung im MEMS-Bereich könnten folgen. IHS-Analyst Bouchaud, erwartet entsprechende Aktivitäten vor allem in MEMS- und Sensor-Segmenten, in denen InvenSense bislang nicht tätig ist.