Rohm Semiconductor baut seine Dual-Fab-Strategie aus Eine eigene Fertigung ist und bleibt der Qualitätsgarant

Christian André, Rohm Semiconductor: »Wir sehen auch heute noch die Produktion als wichtiges Differenzierungsmerkmal an und fertigen unsere ICs mit 130- und zum Teil auch 90-nm-Strukturen. Außerdem arbeiten wir bereits an einem 65-nm-Prozess, der 2013 fertig sein sollte. Wir sind auch weiterhin der Überzeugung: Je mehr man als Hersteller im Haus behält, desto besser hat man die Qualität im Griff, und das macht sich bezahlt.«
Christian André, Rohm Semiconductor: »Wir sehen auch heute noch die Produktion als wichtiges Differenzierungsmerkmal an und fertigen unsere ICs mit 130- und zum Teil auch 90-nm-Strukturen. Außerdem arbeiten wir bereits an einem 65-nm-Prozess, der 2013 fertig sein sollte. Wir sind auch weiterhin der Überzeugung: Je mehr man als Hersteller im Haus behält, desto besser hat man die Qualität im Griff, und das macht sich bezahlt.«

Rohm Semiconductor war nur indirekt durch die japanische Katastrophe betroffen, die Überflutungen in Thailand haben das Unternehmen dagegen besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen. Wir sprachen mit Christian André, President von Rohm Semiconductor und Chairman von SiCrystal, über die Folgen, Lehren und mögliche Strategieänderungen.

Markt&Technik: Wie stark war die Rohm Gruppe von der Flut in Thailand betroffen?

Christian André: In zwei unserer Backend-Fabriken - eine Lapis- und eine Rohm-Fab - mussten wir die Produktion unterbrechen. Die Lapis-Fab haben wir aufgrund des Standorts und der Drohung weiterer Überflutungen komplett geschlossen. Die Rohm-Fab hingegen konnte bereits im November letzten Jahres die Fertigung wieder aufnehmen.

Welche Schlüsse hat Rohm aus diesem Desaster gezogen?

Wir haben unseren Business-Continuation-Plan genau unter die Lupe genommen. Wir haben die komplette Supply-Chain überprüft, um herauszufinden, ob und wenn ja, welche Risiken mit den einzelnen Standorten verbunden sind. Und wenn Risiken erkannt wurden, mussten entsprechende Maßnahmen gefunden werden, um diese Risiken zu eliminieren.

Wie sehen die konkreten Maßnahmen aus? Haben die Erfahrungen Rohm dazu veranlasst, seine Fertigungsstrategie neu zu überdenken und in Zukunft doch auf Foundry-Dienstleistungen zurückzugreifen? Während der Flutkatastrophe konnte das Unternehmen ja schon ein paar Erfahrungen mit Foundries sammeln.

Ja, während der Flut haben wir den Support von Drittunternehmen in Anspruch genommen, aber das war zeitlich begrenzt. Unsere Fertigungsstrategie hat sich in dieser Hinsicht also nicht geändert, aber in einer anderen Hinsicht: Wir verfolgen in Zukunft eine Dual-Fab-Strategie, aber eben nicht mit Foundry-Kapazitäten, sondern mit unseren eigenen.

Gilt die Dual-Fab-Strategie für alle Produkte?

Ich würde nicht von 100 Prozent sprechen, aber sie gilt auf alle Fälle für die Mehrheit unserer Produkte.

Kurzfristig hat Rohm durch die Flut in Thailand Aufträge an konkurrierende Halbleiterhersteller verloren. Aber wie sieht es langfristig aus? Haben die Kunden heute mehr Angst, sich von einem Lieferanten abhängig zu machen, dessen Produktion in Regionen steht, die Naturkatastrophen besonders ausgesetzt sind?

Es können überall Naturkatastrophen passieren. Letztes Jahr war es Japan und Thailand, aber auch auf den Philippinen oder sogar in den Vereinigten Staaten passieren immer wieder Erdbeben. Das heißt, es gibt eigentlich keinen Hersteller, der nicht in irgendeiner Art und Weise solchen Naturkatastrophen ausgesetzt ist. Und das wissen die Kunden, deshalb muss Rohm auch heute nicht mit irgendwelchen Ressentiments kämpfen. Wir müssen nur sicherstellen, dass wir die richtigen Maßnahmen ergreifen, und das haben wir getan.

Aber Rohm hat doch Umsatz verloren. Auf das Gesamtjahr bezogen, ging der Umsatz von Rohm Semiconductor um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Rohm Semiconductor hat also im Vergleich zur gesamten Halbleiterindustrie deutlich schlechter abgeschnitten.

Ja, natürlich haben wir erst einmal Umsatz verloren. Überlegen Sie: Wir hatten mit den Problemen durch die Flut in Thailand und mit den Auswirkungen des Erdbebens in Japan zu kämpfen. In Japan war zwar keine unserer Fabriken direkt betroffen, aber natürlich hatten wir auch unter den Problemen durch die zerstörte Infrastruktur, durch die Energieknappheit etc. zu leiden. Und alle beiden Katastrophen sind während eines Geschäftsjahres passiert, denn unser Geschäftsjahr läuft von April bis März - das muss Auswirkungen haben. Eigene Schätzungen gehen von einem Umsatzverlust in Höhe von 13 Mrd. Yen aus. Aber diese Umsatzverluste holen wir schrittweise wieder auf. Eines ist aber sicher: Wir haben keinen Kunden verloren.

Können Sie schon abschätzen, wie sich die europäische Krise auswirken wird?

Die europäische Krise wirkt sich natürlich negativ auf die hiesigen Geschäfte aus. Aus Rohms Sicht würde ich aber sagen, dass davon eigentlich nur unsere älteren Produkte betroffen sind. Hier halten wir schon einen sehr hohen Marktanteil, wodurch sich Produktionsdrosselungen oder Verschiebungen natürlich besonders bemerkbar machen. Anders sieht es aber bei den neuen Produkten und auch unseren SiC-Komponenten aus: Die sind von der Krise nicht betroffen, denn die Entwicklungen werden trotz Krise weitergetrieben.

Für die etablierten Halbleiterhersteller dürfte es in Europa also ein schwieriges Jahr werden. Hinzu kommt noch, dass die Lagerbestände ziemlich hoch sind - also nicht gerade rosige Aussichten für Rohm?

Im Halbleitermarkt kann immer alles passieren. Vielleicht ist das zweite Halbjahr unseres Geschäftsjahres ja besser, aber im Markt herrscht keine wirkliche Transparenz, um hier zuverlässige Prognosen zu machen. Aber das sind wir ja gewohnt, die Industrie war schon immer sehr starken Zyklen unterworfen, und dieswerden immer kürzer.