Covid-19-Auswirkungen im ersten Quartal Einbruch der Auto- und Smartphone-Verkäufe

So prognostiziert Trendforce die Auslieferungen verschiedener Produkte im ersten Quartal 2020. Der Civid-19-Ausbruch wirkt sich teils erheblich aus.
So prognostiziert Trendforce die Auslieferungen verschiedener Produkte im ersten Quartal 2020. Der Covid-19-Ausbruch wirkt sich teils erheblich aus.

Mit einem Absturz der Verkaufszahlen von Autos um bis zu 30 Prozent in China und 14 Prozent weltweit rechnet Trendforce für das erste Quartal. Weitere Produkte wie Smartphones werden ebenfalls leiden.

Der Ausbruch von Covid-19 hat sich bisher vor allem auf die Lieferketten in der Automobilindustrie ausgewirkt. Wegen Engpässen in der Lieferkette und nachlassender Nachfrage der Endkonsumenten rechnet Trendforce damit, dass der Markt im ersten Quartal 2020 in China um 25 bis 30 Prozent einbrechen werde. Weil auch der globale Markt unter Einschränkungen zu leiden habe, die den chinesischen Markt treffen, prognostiziert Trendforce im ersten Quartal für den weltweiten Markt einen Rückgang um 14 Prozent.

Auch auf den Smartphone-Markt hat Covid-19 bereits einen stark messbaren Effekt: Im ersten Quartal 2020 wird die Zahl der ausgelieferten Smartphones laut Trendforce gegenüber dem Vorjahresquartal um 12 Prozent sinken. Es wird damit das schwächste erste Quartal seit fünf Jahren sein. Auch Zulieferteile wie passive Bauelemente und Kameramodule sind von Engpässen betroffen und könnten die Smartphone-Produktion auch im zweiten Quartal weiter negativ beeinflussen.

Weil die Lieferketten global vernetzt sind, wird der Covid-19-Ausbruch nicht nur das Bruttoninlandsprodukt Chinas, sondern die gesamte Weltwirtschaft nach unten ziehen. Sollte sich die Krankheit sogar noch weiter verbreiten anstatt eingedämmt zu werden, werde sie sich zu einer Herausforderung für die weltweite Smartphone-Industrie entwickeln. Trendforce prognostiziert für 2020 aktuell 1,381 Mrd. Einheiten. Das entspräche gegenüber 2019 einem Rückgang von 1,3 Prozent und den geringsten Ausstoß seit 2016. Weil aber noch keineswegs klar ist, wie sich Covid-19 weiter entwickeln wird, könne die Zahl am Ende des Jahres auch deutlich unter der Prognose liegen.

Fernseher, Monitore, Notebooks

Ebenfalls hart getroffen werden die ODMs und die Hersteller von Markenprodukten. Diese Firmen haben bereits wertvolle Arbeitstage verloren. Viele Materialien und Komponenten sind knapp. Die Produktivität fällt. Das gilt beispielsweise für die Hersteller von Fernsehern und Monitoren. So hat Trendforce die ursprünglich prognostizierte Zahl von in 2020 ausgelieferten Fernsehern von 48,8 Mio. im ersten Quartal 2020 wegen der Covid-19-Entwicklung auf 46,6 Mio. Stück herunterkorrigiert. Die Zahl der Monitore soll im ersten Quartal 2020 von ursprünglich 29 Mio. Einheiten auf 27,5 Mio. Einheiten sinken. Ganz besonders wird der Notebook-Markt betroffen sein, weil viele Schlüsselkomponenten wie Batterien, Leiterplatten und Gelenke knapp sind. Trendforce rechnet deshalb damit, dass nicht wie ursprünglich 35 Mio. Einheiten im ersten Quartal 2020 ausgeliefert werden, sondern nur 30,7 Mio. Stück.

Vor allem greift die Ausbreitung des Corona-Virus die Zuversicht der Konsumenten an, so dass sich der Bedarf der Endmärkte zumindest kurzfristig abschwächen wird. Deshalb korrigierte Trendforce die ursprünglich für das Gesamtjahr 2020 prognostizierten Lieferzahlen von Fernsehern um 0,7 Prozentpunkte von 219,6 auf 218 Mio. Einheiten herab, die der Monitore um 1 Prozentpunkt von 125,8 auf 124,5 Mio. Einheiten und die der Notebooks um 1,4 Prozentpunkte von 162,4 auf 160,2 Mio. Einheiten.

Lichtwellenleiter und LEDs

In der Region um Wuhan, dem Zentrum des Covid-19-Ausbruchs, sind viele Hersteller von Lichtwellenleitern ansässig wie Fiberhome, YOFC und Accelink. Insgesamt konzentrieren sich in dieser Region nicht weniger als 25 Prozent der weltweiten Kapazität für die Produktion von LWLs. 5G-Basisstationen werden den Bedarf an LWL-Kabeln gegenüber 4G verdoppeln – bei weiter steigenden Anforderungen an die Qualität. Die Quarantäne um Wuhan könne darum die Entwicklung der 5G-Infrastruktur in China indirekt beeinflussen.

Was die LED-Fertigung angeht, so sind in der Gegend von Wuhan nur relativ wenige Hersteller angesiedelt. Allerdings litten die LED-Hersteller im Rest von China unter den Reisebeschränkungen und würden kurzfristig nicht auf ihre volle Fertigungskapazität kommen. Die LED-Packaging-Industrie ist hauptsächlich in den Provinzen Guangdong und Jiangxi ansässig. Diese Hersteller werden umso mehr betroffen sein, je länger die Reiserestriktionen anhalten. Währenddessen versuchen die Anwender, ihre Lagerbestände aufzustocken.

Fotovoltaik

Im Sektor der Fotovoltaik werden die Hersteller von Modulen und Invertern unter dem Ausbruch von Covid-19 am meisten leiden. Viele der Rohmaterialien, die für die Fertigung der Module erforderlich sind – Silizium-Wafer, Aluminiumrahmen und Glas – kommen aus China. Reisebeschränkungen und Quarantänemaßnahmen behindern die Lieferkette.  Die Lagerbestände der Hersteller aus Taiwan werden bestenfalls bis Ende Februar reichen. Einige Hersteller beziehen die Waren für ihre Modul- und Wechselrichterproduktionen aus Südostasien. Produzenten, die Waren aus China beziehen, werden sich nach anderen Quellen umschauen müssen.

IC-Fabs noch kaum betroffen

Die Wafer-Foundries sind zwar hochautomatisiert, benötigen aber doch Operators. Weil sie in China nicht so schnell aus ihrem Neujahrsurlaub zurückkehren konnten wie geplant, wird es auch längere Zeit beanspruchen, bis die Fabs wieder auf ihre vollen Kapazitäten hochgefahren werden können. Deshalb gehen die Analysten von Trendforce davon aus, dass die chinesischen Foundries im ersten Quartal 2020 weniger Wafer verarbeiten können als ursprünglich geplant. Auch die OSAT-Industrie wird voraussichtlich weniger produzieren können.

Im Moment nicht betroffen sind die Speicher-IC-Fabs in China – Samsung in Xi´an und SK Hynix in Wuxi sowie die chinesischen Hersteller YMTC, CXMT und JHICC. Außerdem hätten diese Firmen sich vor den traditionellen Neujahrsferien in China genügend Material auf Lager gelegt, um kurzfristige Engpässe unbeschadet überstehen zu können. Solange die Materialien, die aus dem Ausland eingeführt werden, ohne Probleme durch den Zoll kommen, werden auch von dieser Seite keine Probleme entstehen. In China erhalten die Halbleiterhersteller Sondergenehmigungen und können damit ihre Produkte auch dann ausliefern, wenn sie sich in Quarantänezonen befinden. Weil Trendforce davon ausgeht, dass der Bedarf an DRAM-ICs weiter wächst, rechnen die Analysten damit, dass die Preise auch im ersten Quartal trotz Covid-19 weiter steigen.

IoT: keine kurzfristigen Effekte zu befürchten

Was die IoT-Industrie anbelangt, ist laut Trendforce kein kurzfristiger negativer Effekt zu befürchten, weil viele Hersteller wie Huawei die Produktion wieder aufgenommen hätten und sich Firmen innerhalb der IoT-Lieferkette relativ leicht ersetzen ließen. Sollte der Ausbruch aber weiter andauern, könnten Teile der Lieferkette durchaus noch negativ getroffen werden. Ihre R&D-Aktivitäten hätten beispielsweise Xiaomi und Mediatek eingestellt, dementsprechend würde sich die Markteinführung neuer Produkte verzögern. Hersteller von Geräten für die Videoüberwachung wie  Hikvision und Dahua Technology würden ihre Kapazitäten derzeit verstärkt für die Produktion von Fieberthermometern nutzen, und damit den übrigen Produkten Fertigungskapazität wegnehmen.  

Server-Bedarf wächst erst recht

Auch die Hersteller von Servern hätten im Moment wenig Probleme in ihren Produktionen. Zu Engpässen könne es im Bereich der Leiterplatten kommen, hier hätten aber die Hersteller wegen der chinesischen Neujahrsferien sowieso schon vor Weihnachten zusätzliche Vorräte auf Lager gelegt. In China sei dagegen der Internetverkehr wegen der Reisebeschränkungen und vieler Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, gewachsen, so dass der Server-Bedarf von Firmen wie Tencent und ByteDance schneller als erwartet steigt.