MEMS-Start-ups werden zum strategischen Invest Dynamischer MEMS-Markt: NXP steigt aus, Teledyne steigt ein

Jérémie Bouchaud, iSuppli: »Strategische MEMS-Investments werden zu entscheidenden Weichenstellungen für Modul- und Subsystemhersteller.«
Jérémie Bouchaud, iSuppli: »Strategische MEMS-Investments werden zu entscheidenden Weichenstellungen für Modul- und Subsystemhersteller.«

Zweistellige Wachstumsraten und für das Jahr 2011 ein Marktvolumen von fast 8 Mrd. Dollar: Der MEMS-Markt hat sich in der Krise als robust erwiesen. Als Enabling-Technologie interessieren MEMS nun auch Subsystemhersteller und IDMs. Sie sichern sich über strategische Investments etablierte Schlüsseltechnologien für die Zukunft.

Zum Ende des Jahres 2010 hin ging es in der MEMS-Branche fast Schlag auf Schlag: Nachdem sich SiLabs Silicon Clocks einverleibt, Tessera Siimpel übernommen und Teledyne Dalsa gekauft hatte, wurden sich kurz vor Weihnachten NXP und Knowles über den Verkauf von NXPs MEMS-Mikrofon-Aktivitäten einig.

Ist die Marktkonsolidierung damit beendet? Jérémie Bouchaud, Director und Principal Analyst MEMS bei iSuppli, verneint ganz entschieden: »Wir erwarten 2011 eine Fortsetzung der Marktkonsolidierung, und dafür gibt es sehr unterschiedliche Gründe.« So ist es offensichtlich derzeit für ältere Start-ups sehr schwierig, weiter Investoren aus dem Venture-Capital-Bereich zu finden. Kaum verwunderlich, dass die bisherigen Investoren nun nach einer Exit-Strategie für ihr MEMS-Investment suchen.

Nicht immer werden diese Start-ups jedoch von erfolgreicheren Wettbewerbern geschluckt. Vielmehr, so Bouchaud, »zeichnet sich nun ein Trend zu einem strategischen MEMS-Investment von Systemherstellern ab«. So hatte SiLabs Ende 2009 erst in Silicon Clocks investiert, bevor das Unternehmen dann Mitte letzten Jahres übernommen wurde. Jüngstes Beispiel für diesen Trend sind die 60 Mio. Dollar, die der amerikanische Medizinkonzern St Jude Medical in CardioMEMS investiert hat. Das Unternehmen sicherte sich zudem die Option, CardioMEMS für 375 Mio. Dollar übernehmen zu können.

Bouchaud rechnet damit, dass es speziell im Bereich der optischen MEMS in naher Zukunft ebenfalls zu einer Reihe strategischer Investitionen kommen könnte. »Die Wiederauferstehung der optischen MEMS zählt mit Sicherheit zu den größten Überraschungen des letzten Jahres«, erläutert der iSuppli-Analyst, »vor diesem Hintergrund ist damit zu rechnen, das Modul- oder Subsystem-Unternehmen wie etwa Oclaro, Finisar, Xtellus, JDSU, oder auch chinesische Unternehmen Technologie-Kompetenz und Zukunftsoptionen durch den Kauf eines MEMS-Spezialisten sichern könnten«.

Im Consumer-Bereich könnte die Erfolgsgeschichte des jüngsten Shooting-Stars, des 2008 gegründeten Bewegungssensorspezialisten Qualtre, die Begehrlichkeiten eines etablierten Wettbewerbers oder eines IDM geweckt haben. Bouchaud hält es aber auch für möglich, dass Unternehmen vom Außenrand der MEMS-Branche, die vor allem im Software-Bereich, zur Verbindung verschiedener Sensor-Aktivitäten aktiv sind, ins Visier von Mikrocontroller-Unternehmen gerückt sind, die explizite Produktlösungen für eben dies Sesor-Fusion-Applikationen anbieten wollen. Interessante für diese Art von Investment wären Software-Spezialisten wie Hillcrest lab, Movea, FullPower, oder auch Geovector. Die Zusammenarbeit von Texas Instruments mit FullPower könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein.

Auch neue Einsatzmöglichkeiten, könnten der Grund dafür sein, das Akquisitionskarussell weiter am laufen zu halten. Ein gutes Beispiel dafür, so Bouchaud, sei das Thema Navigation für Handsets. So ist bekannt, dass eine Reihe von IC-Herstellern, die sich vor allem mit Wireless-Bereich bewegen, sich mit MEMS beschäftigen, und derzeit erorieren, wie sie mit diesem Thema weiter umgehen. Qualcomm, Mediatek, CSR-SiRF oder auch Texas Instruments, könnten aus diesem Grund entweder als strategische Investoren, oder als Käufer am MEMS-Markt aktiv werden.

Äußerst spekulativ dürften Überlegungen sein, dass sich japanische Unternehmen, nachdem sie bisher im MEMS-Bereich kaum aktiv waren, und sich dieses Produktsegment inzwischen nicht nur als rasch wachsender Nischenmarkt, sondern als Enabler für eine immer größere Zahl von Applikationen im Consumer- und Automotive-Markt erwiesen hat, nun für einen Einstieg in diesem Technologie entschließen könnten. Von den namhaften Japanischen Unternehmen sind bisher eigentlich nur Denso und Panasonic im größeren Stil am MEMS-Markt aktiv. Eine Möglichkeit könnten hier Kooperationen sein, wie sie etwa Pixtronix im Bereich kleiner Flat-Panel-Displays vor kurzem mit Hitachi eingegangen ist.

Bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen auf die MEMS-Branche der sich langsam abzeichnende Einstieg der Foundries haben wird. Für Neueinsteiger und Startups dürfte es immer uninteressanter werden, entweder selbst eine 6- oder 8-Zoll-Wafer-Fab zu bauen, oder zu unterhalten. Der letzte Startup, der eine eigene 6-Zoll-Fab aufbaute, war Siimpel. Kaum wurde das Unternehmen im Vorjahr von Tessera übernommen, fiel die Entscheidung, das Business-Konzept auf Fabless umzustellen.

Nachdem zuletzt Global Foundries zum dem Schluss gekommen ist, dass MEMS sexy sind, dürfte es für etablierte MEMS-Fabs wie Silex oder Dalsa in Zukunft wohl nur noch eine Marktberechtigung im Bereich Low-Volume-, High-Value-Marktsegment geben. Dass eine der großen Foundries auf diesem Feld als Investor/Käufer auftritt, um sich entsprechendes Know-how zu sichern, ist wohl kaum zu erwarten.