Dialog Semiconductor »Drahtloses Laden – Energous wird der Standard!«

GaN – wie geht es weiter?

Die Vorteile von GaN sind offensichtlich, TSMC bietet auch bereits einen Prozess an. Und trotzdem gibt es noch nicht viele wie ihre GaN-ICs…

...GaN steht immer noch am Anfang. GaN ist immer noch wie schwarze Magie. TSMC bietet zwar den Prozess an, aber das ist nicht mit einem CMOS-Chip vergleichbar, für den man als Hersteller ein PDK (Process Design Kit) von der Foundry erhält und der Entwickler darauf basierend einen Chip entwickeln kann. Für GaN gibt es kein PDK, hier müssen die beiden Teams auf der Prozess- und Design-Seite sehr eng zusammenarbeiten, damit danach auch ein funktionierender Chip in hohen Stückzahlen gefertigt werden kann. Das Design fängt immer noch auf Transistorebene an. Diese Expertise braucht man, um hier erfolgreich zu sein. Und das kann Dialog, wir haben die Leute im Unternehmen.

Der GaN-Power-Baustein ist die erste GaN-Komponente, wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Wir wollen eine ganze Serie von Produkten auf den Markt bringen. Wir werden in diesem Jahr noch weitere drei oder vier Produkte vorstellen. Wir werden auch auf höhere Leistungsniveaus gehen. Smartphones liegen bei typischerweise 25 W. 45 W reichen für Tablets und Geräte mit mehreren USB-C-Schnittstellen, weiter darüber liegen dann die Computer, die ebenfalls in unserem Fokus liegen.

Dialog wollte ams und Atmel kaufen, in beiden Fällen haben die Übernahmen nicht stattgefunden. Sind sie weiter auf der Suche nach möglichen Übernahmekandidaten?

Wir halten natürlich auch weiterhin Ausschau nach interessanten Möglichkeiten im Markt, das können kleine und mittelgroße Privatunternehmen, aber auch börsennotierte Unternehmen sein. Momentan sind die Preise für Privatunternehmen sehr hoch sind. Um solch einen Preis zu rechtfertigen, muss es einen wichtigen strategischen Grund für die Übernahme geben.

Und dass Dialog von einem anderen Unternehmen übernommen wird?

Wer weiß? Wir sind ein börsennotiertes Unternehmen, wenn der Preis stimmt und die Aktionäre damit zufrieden sind, dann muss der Aufsichtsrat so etwas in Betracht ziehen.

Glauben Sie, dass die Konsolidierungswelle in diesem Jahr ähnlich ausfallen wird, wie in den letzten zwei Jahren?

Nein, die Möglichkeiten werden immer geringer. Die Anzahl attraktiver Übernahmekandidaten ist deutlich zurückgegangen.

Es ist aber immer noch viel Geld im Umlauf und die Halbleiterindustrie, einschließlich Dialog, wächst einfach bei weitem nicht mehr so stark, so dass Übernahmen als probates Mittel gelten, um dennoch Umsatzzuwächse zu erzielen…

Ja, es ist viel Geld vorhanden, aber der letzte Punkt ist für uns nicht entscheidend. 2016 war ein Übergangsjahr für Dialog, in diesem Jahr werden wir wieder deutlich wachsen.

Inwiefern ein Übergangsjahr?

Weil uns das verlangsamte Wachstum im Smartphone-Markt natürlich auch getroffen hat. Dementsprechend ist unser Umsatz 2016 leicht zurückgegangen. 2017 haben wir aber genügend Wachstumstreiber aus anderen Bereichen, die den Umsatz wieder nach oben bringen können, das gilt auch im Smartphone-Bereich.
In diesem Fall geht es um China. Hier haben wir viel Geld investiert und eine interessante Partnerschaften geschlossen. China ist zum Technologietreiber geworden und viele Innovationen im Smartphone-Bereich kommen mittlerweile von dort. Wir fokussieren uns auf China und adressieren mit unserer Partnerschaft zukünftige Anforderungen im Smartphone-Bereich.

Wer ist der Partner?

Das ich derzeit noch nicht bekanntgegeben. Nur das Ziel der Partnerschaft kann ich Ihnen nennen: Wir wollen Power-Management und ergänzende Technologien für NG-LTE entwickeln.

Aufgrund des schwächelnden Smartphone-Marktes dürfte die Abhängigkeit von diesem Bereich geschrumpft sein?

Ja und nachdem wir in andere attraktive Bereiche stark investiert haben, werden wir dieses Jahr wiederwachsen, auch ohne Übernahmen. Wir sind von einem Umsatz von ca. 80 Mio. Dollar im Jahr 2007 auf 1,4 Mrd. Dollar in 2013 gewachsen und diese Wachstumsrate wollen wir wieder erreichen.

Dialog wollte ams und später Atmel kaufen. Das eine Unternehmen ist Sensorspezialist, der andere MCU-Hersteller, nicht gerade viele Gemeinsamkeiten zwischen den beiden. Welche Strategie steckt dahinter?

Beide Unternehmen sind Spezialisten für Produkte, die im IoT wichtig sind: Sensoren, MCUs und Connectivity sind wichtige Elemente in der IoT-Welt. Auf ams bezogen, hätten die Sensoren hervorragend zu unseren Power-Management-Produkten gepasst, weil diese Bausteine in vielen Fällen in denselben Geräten eingesetzt werden. Es hätte also zwischen uns viele Synergieeffekte gegeben.
Und Atmel war nicht nur wegen den Controllern und IoT interessant, sondern auch wegen unseren eigenen Bluetooth-LE-Aktivitäten. Wir verdoppeln unsere Lieferumfänge nahezu jedes Jahr in diesem Bereich. 2014 waren es 4 Mio., 2015 rund 25 Mio., im letzten Jahr rund 45 Mio. und in diesem Jahr erwarten wir 90 Mio. Bluetooth-LE-ICs. Neben Bluetooth ICs sitzt typischerweise ein Controller und Sensoren. Das heißt, Atmels MCUs hätten ebenfalls hervorragend zu unserem Produktspektrum gepasst. Atmel hatte aber noch einen weiteren Pluspunkt: sein Distributionsnetz. Mit dieser Übernahme hätten wir quasi über Nacht Zugriff auf tausende von Kunden erhalten. Und wir hätten mit dieser Übernahme die Möglichkeit gehabt, unser Produkt-, Kunden und Applikationsspektrum enorm zu diversifizieren und die Abhängigkeit von unseren Schlüsselkunden zu reduzieren.

Sensoren – nur auf der Systemebene interessant

Wenn Sie immer noch nach möglichen Übernahmekandidaten suchen, sind dann Sensorunternehmen immer noch interessant?
Die Sensorwelt hat sich etwas geändert und zwar in Hinblick darauf, dass reine Sensoren inzwischen Commodity-Produkte sind. Man muss also mehr auf die Systemebene schauen und sich die Frage stellen: Wo kann man rund um den Sensor einen Mehrwert generieren, den man dann auch monetisieren kann. Dialog Semiconductor hat vor gut einem Jahr mit ShunSin Technology, eine Foxconn-Tochter, und Dyna Image, ein Tochterunternehmen von Lite-On Semiconductor, ein Joint Venture gegründet, an dem Dialog 40 Prozent hält. Dyna Image ist Spezialist für optische, Beschleunigungs-, Näherungssensoren für Consumer-Anwendungen, also ein ähnliches Portfolio wie ams. Wir fokussieren uns mittlerweile auf Sensoren der nächsten Generation, mit denen Geräte VR/AR-fähig (VR/AR: Virtual Reality/Augmented Reality) gemacht werden können. Also Sensoren, die keine Commodity-Produkte sind. Da gibt es Nachfrage.